Kalenderblatt
14. September

Ruhe vor dem Sturm auf der akademischen See

Kalenderblatt vom 14. September
„Ruhe vor dem Sturm auf der akademischen See“
„Silence before the storm on the academic sea“
„Silencio antes de la tempestad al mar académico“

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Ein weißes Segel steht fast unbewegt auf einem tiefblauen Meer. Darüber schichtet sich der Himmel in Gold, Orange, Rot und dunklem Purpur. Die Farben wirken nicht wie die Beschreibung eines Sonnenuntergangs. Sie verdichten sich zu einem Zustand.

Noch herrscht Ruhe.

Doch es ist keine friedliche Ruhe. Etwas liegt in der Luft. Das kleine Boot befindet sich zwischen zwei mächtigen Farbräumen: unter ihm das kühle Blau des Wassers, über ihm die glühende Schwere des Himmels. Dazwischen das weiße Segel, klar, beinahe geometrisch, wie ein Zeichen.

Gerade dieses Weiß verändert das Bild. Es wirkt wie Sammlung und Konzentration, vielleicht auch wie eine innere Haltung gegenüber etwas, das sich nicht kontrollieren lässt.

Das Boot fährt nicht sichtbar auf ein Ziel zu. Es gibt keinen Hafen, keine Küste und keinen Horizont, der Sicherheit verspricht. Es befindet sich im Dazwischen.

Damit wird das Segelboot zum Bild des Menschen selbst: unterwegs in einer Wirklichkeit, deren Kräfte größer sind als er. Er kann den Wind nicht bestimmen. Er kann das Meer nicht beruhigen. Aber er kann sein Segel setzen und seinen Kurs wählen.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Spannung des Bildes: nicht im angekündigten Sturm, sondern in dem Augenblick davor.

Noch ist nichts geschehen.
Aber alles könnte geschehen.

Und vielleicht beginnt jede wirkliche Reise genau dort.

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