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Kalenderblatt
2. Oktober

Jackies Geburtstagstisch

Kalenderblatt vom 2. Oktober
„Jackies Geburtstagstisch“

„Jackie’s birthday table“
„La mesa del cumpleaños de Jackie“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Ein Geburtstagstisch ohne Teller, ohne Gläser, ohne Blumen. Nur Farbe, Fläche und Erinnerung.

Drei Farbfelder stehen beinahe schwerelos im offenen Weiß: Gelb, Violett und ein helles, bewegtes Blau. Sie könnten Plätze markieren, Gegenstände andeuten oder Erinnerungen bewahren. Doch das Bild verweigert die eindeutige Zuordnung. Gerade dadurch beginnt es zu erzählen.

Über und unter dieser stillen Mitte verlaufen zwei expressive Farbzonen. Oben treffen dunkles Blau und Schwarz auf Weiß und ein glühendes Orange. Unten stoßen Rot und tiefes Türkis aufeinander. Hier wird die Farbe körperlich: Sie schiebt sich über die Fläche, bricht auf, überlagert sich und hinterlässt Spuren.

Dazwischen liegt eine erstaunliche Ruhe. Das Weiß ist nicht leer. Es ist der Raum, in dem die Farben überhaupt erst ihre Bedeutung entfalten können. Die drei kleinen Flächen erscheinen darin fast wie Zeichen, wie Fragmente einer Situation, deren eigentliche Geschichte außerhalb des Bildes liegt.

Erst der Titel „Jackies Geburtstagstisch“ gibt dieser abstrakten Ordnung eine persönliche Richtung. Plötzlich wird aus Farbe Erinnerung. Doch der Geburtstag selbst bleibt unsichtbar. Kein Mensch erscheint, kein gedeckter Tisch, kein konkreter Gegenstand. Das Bild bewahrt nicht das Ereignis, sondern etwas Flüchtigeres: die Atmosphäre eines Augenblicks.

Vielleicht ist das die eigentliche Stärke dieser Arbeit. Erinnerung hält sich selten an vollständige Bilder. Sie zerfällt in einzelne Eindrücke: eine Farbe, ein Licht, eine Anordnung, eine Stimmung. Manches verschwindet, anderes bleibt unerklärlicherweise bestehen.

„Jackies Geburtstagstisch“ erzählt deshalb weniger von einem Geburtstag als davon, was von einem besonderen Augenblick zurückbleibt.

Nicht alles bleibt in Erinnerung. Aber manchmal bleiben die Farben.

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Kalenderblatt
2. Oktober

Sonntag Nachmittag in Kapstadt. Herr Surbier hat seine Brille verlegt.

Kalenderblatt vom 02. Oktober
„Sonntag Nachmittag in Kapstadt. Herr Surbier hat seine Brille verlegt.“
„Sunday afternoon in Capetown. Mr. Surbier has mislaid his glasses.“
„Domingo por la tarde en la Ciudad del Cabo.  Señor Surbier ha traspapelado suas gafas.“

Tusche auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

Herr Surbier sucht seine Brille – Sonntag in Kapstadt

Ein scheinbar verspielter Strich, ein Gewirr aus Linien, Zeichen und Formen. Doch schon nach wenigen Augenblicken merkt man: Diese Zeichnung will nicht einfach betrachtet werden. Sie will durchwandert werden.

Der Blick findet keinen festen Halt. Er folgt einer Linie, verliert sie, entdeckt eine andere. Pflanzenartiges verwandelt sich in Landschaft, Landschaft in Architektur, Architektur in ein rätselhaftes Zeichen. Dazwischen entstehen kleine Wesen, Bewegungen und Andeutungen, die sich einer eindeutigen Benennung entziehen. Das Blatt scheint seine eigene Welt hervorzubringen.

Dabei besitzt die Zeichnung Humor. Einen etwas verschrobenen, stillen Humor. Denn mitten in dieser Überfülle sucht Herr Surbier seine Brille.

Ausgerechnet hier.

Der Titel verändert den Blick auf das ganze Bild. Was zunächst wie eine freie, beinahe automatische Zeichnung erscheint, wird plötzlich zur Geschichte über Wahrnehmung und Orientierung. Die verlorene Brille ist nicht mehr nur ein Gegenstand. Sie steht für jene vertrauten Filter, mit denen wir versuchen, die Welt zu ordnen und verständlich zu machen.

Doch was geschieht, wenn dieser Filter fehlt?

Vielleicht wird die Welt zunächst unübersichtlicher. Grenzen lösen sich auf, Dinge verlieren ihre Namen und Gewissheiten. Gleichzeitig entsteht etwas Neues: Die Vorstellungskraft übernimmt. Ein Strich muss kein Strich bleiben. Eine Form kann Landschaft und Wesen zugleich sein. Das vermeintliche Chaos beginnt, seine eigene Ordnung zu entwickeln.

Gerade darin liegt die besondere Spannung des Bildes. Es schwankt zwischen Leichtigkeit und Irritation, zwischen kindlicher Entdeckungsfreude und dem Gefühl, sich in einer unbekannten Welt verirrt zu haben.

Und Kapstadt?

Vielleicht ist Kapstadt tatsächlich ein Ort. Vielleicht aber auch nur der Name für diesen fernen inneren Schauplatz, an dem an einem Sonntag plötzlich nichts mehr so eindeutig ist wie zuvor.

Herr Surbier sucht weiterhin seine Brille.

Vielleicht sollte er sie gar nicht so schnell finden.

Denn manchmal beginnt das eigentliche Sehen genau dort,
wo wir nicht mehr sicher sind, was wir sehen.

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