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Kalenderblatt
18. August

Kalenderblatt 18. August

Das Kalenderblatt zum 18. August
„Partitur der Sphären“
„Symphony of the Spheres“
„Partitura de las Esferas“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

In „Partitur der Sphären“ begegnen sich musikalische Zeichen, geometrische Konstruktion und freie malerische Setzung. Das Blatt wirkt wie eine Notation, deren Regeln zwar vorhanden zu sein scheinen, sich jedoch einer eindeutigen Entschlüsselung entziehen.

Im oberen Bildraum durchziehen dunkle Linien die helle Fläche. Sie erinnern an Notensysteme, architektonische Gerüste oder schematische Bahnen, ohne sich auf eine dieser Lesarten festlegen zu lassen. Die Linien kreuzen und überlagern sich, verändern ihre Richtung und erzeugen dadurch einen Rhythmus, der weniger gelesen als visuell erfahren wird.

Darunter hängt eine Folge dunkler Vertikalen, an deren Enden rot-schwarze, annähernd kugelförmige Körper erscheinen. Ihre regelmäßige Reihung weckt Assoziationen an Noten, Pendel oder Himmelskörper. Gerade diese Mehrdeutigkeit verbindet den Titel mit der Bildstruktur: Die „Sphären“ können kosmische Körper sein, zugleich aber auch Klänge innerhalb einer imaginären Komposition.

Der Titel greift damit die alte Vorstellung einer Sphärenharmonie auf: die seit der Antike überlieferte Idee, dass die Bewegungen des Kosmos einer mathematischen und musikalischen Ordnung folgen. Das Bild illustriert diese Vorstellung jedoch nicht. Es übersetzt sie in eine offene, zeitgenössische Zeichensprache.

Eine besondere Spannung entsteht durch die beiden farblichen Gegenpole. Das Gold am linken Bildrand bildet eine ruhige, vertikale Begrenzung, während die roten Diagonalen rechts unten dynamisch aus der Komposition hinausweisen. Zwischen beiden Polen entfaltet sich das eigentliche Geschehen: Ordnung und Störung, Wiederholung und Abweichung, Ruhe und Bewegung.

Die sichtbaren Spuren des Materials, kleine Unregelmäßigkeiten und Überlagerungen verhindern dabei jede sterile Geometrie. Die vermeintliche Partitur bleibt menschlich und fragmentarisch. Sie scheint eher gefunden als konstruiert, wie ein Ausschnitt aus einem größeren Zeichensystem, dessen Anfang und Ende außerhalb des Blattes liegen.

„Partitur der Sphären“ macht Musik nicht hörbar, sondern sichtbar. Das Werk entwirft keine eindeutige kosmische Botschaft. Es stellt vielmehr die Frage, ob hinter scheinbar ungeordneten Bewegungen Strukturen existieren, die wir wahrnehmen können, ohne sie vollständig verstehen zu müssen.

Gerade darin liegt für mich die Stärke dieses Blattes: Es behauptet das Geheimnis nicht, sondern lässt es bestehen.

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18. August

Stürzen wir uns in die Fluten

Das Kalenderblatt zum 18. August
“Stürzen wir uns in die Fluten”
“Let’s jump into the floods”
“Vamos a arrojarnos al mar”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
        

Dieses Bild kennt keinen sicheren Standpunkt. Schon der Titel „Stürzen wir uns in die Fluten“ formuliert keine vorsichtige Einladung, sondern eine gemeinsame Bewegung: Wir stürzen uns hinein. Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn wir wissen, was uns erwartet. Der Sprung hat bereits begonnen.

Die Komposition scheint genau diesen Augenblick festzuhalten.

Im unteren und linken Bildbereich verdichten sich Schwarz, dunkles Violett, Rot und erdige Farbschichten zu einer aufgewühlten Masse. Die Acrylpaste lässt die Oberfläche körperlich werden. Farbe liegt nicht einfach auf dem Papier, sie türmt sich auf, bricht auseinander, überlagert sich und zieht den Blick in ihre Strömungen hinein. Es gibt kaum Ruhepunkte. Alles scheint in Bewegung.

Demgegenüber öffnet sich im oberen Zentrum eine beinahe blendende Zone aus Weiß, Gelb und glühendem Orange. Sie wirkt wie ein Einbruch des Lichts in eine chaotische Landschaft. Doch dieses Licht bietet keine gemütliche Erlösung. Es ist selbst Teil der Eruption. Gelbe und orangefarbene Formen schießen durch den Bildraum, treffen auf dunkle Strukturen und erzeugen eine Spannung zwischen Aufbruch und Widerstand, Licht und Abgrund, Hingabe und Kontrolle.

Gerade darin liegt die Kraft des Werkes.

Die „Fluten“ des Titels müssen nicht als Wasser verstanden werden. Es sind die Fluten des Lebens selbst: Erfahrungen, Veränderungen, Begehren, Verlust, Hoffnung, Scheitern, Neubeginn. Alles, was sich der vollständigen Kontrolle entzieht und dennoch gelebt werden will.

Der entscheidende Augenblick

Das Bild erzählt deshalb weniger vom Loslassen als von einer Grenzüberschreitung.

Es gibt diesen schmalen Augenblick, in dem das Bekannte noch hinter uns liegt und das Neue noch keine Gestalt angenommen hat. Wir können nicht mehr zurück, wissen aber ebenso wenig, wohin die Bewegung führen wird.

Genau dort befindet sich dieses Bild.

Das helle Zentrum kann als Öffnung gelesen werden, vielleicht als Zukunft, vielleicht als Erkenntnis, vielleicht nur als jene Leerstelle, in die wir unsere eigene Sehnsucht hineintragen. Das Werk entscheidet diese Frage nicht für uns. Und das ist wesentlich interessanter, als wenn irgendwo ein kleiner Wegweiser „Transformation bitte hier entlang“ stünde.

Nicht die Sicherheit, sondern der Sprung

„Stürzen wir uns in die Fluten“ behauptet nicht, dass Veränderung angenehm sein müsse. Es romantisiert den Aufbruch nicht. Seine Schönheit entsteht gerade aus dem Widerstreit: Das Dunkle verschwindet nicht, weil das Licht erscheint. Beides existiert gleichzeitig.

Vielleicht besteht Mut deshalb nicht darin, keine Angst vor den Fluten zu haben.

Vielleicht besteht er darin, nicht länger am Ufer stehen zu bleiben.

Und vielleicht ist genau das der Augenblick, den dieses Werk sichtbar macht:

Der Moment, in dem aus Sehnsucht Bewegung wird.

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