Kalenderblatt
2. November

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Das Kalenderblatt zum 2. November

„Als die Erde noch vom Licht wußte“
„When the Earth Still Knew of Light“
„Cuando la Tierra aún sabía de la luz“

Aquarell auf Aquarellpapier ca 20 x 15 cm

Es ist eine Landschaft, die sich nicht festlegen lässt. Vielleicht eine Erinnerung an einen Ort, den es nie gegeben hat. Vielleicht ein Traum, der noch nicht zu Ende geträumt ist.

Die dunklen Formen scheinen sich zu bewegen, als würde etwas unter ihrer Oberfläche atmen. Ein Bogen aus Licht durchdringt das Blau und Grau, verschwindet und taucht an anderer Stelle wieder auf. Nichts ist eindeutig. Alles befindet sich in einem Zustand zwischen Entstehen und Vergehen.

Am unteren Bildrand glühen warme Farben. Sie könnten von einer untergehenden Sonne stammen oder von einem Licht, das aus dem Inneren der Erde aufsteigt.

Die Landschaft scheint sich an etwas zu erinnern, das jenseits ihrer sichtbaren Gestalt liegt.

Vielleicht ist es das Licht selbst.

Und vielleicht hat die Erde nie aufgehört, davon zu wissen.

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Kalenderblatt
1. November

In der Kammer des Todes

Kalenderblatt vom 1. November

„In der Kammer des Todes“
„In the chamber of the death“
„En la cámera de la muerte“

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Das Dunkel ist nicht leer. Es trägt die Spuren dessen, was einmal Gestalt besaß. Verwitterte Oberflächen, aufgebrochene Strukturen, schemenhafte Erscheinungen. Alles scheint einem langsamen Prozess der Auflösung unterworfen. Die Materie verliert ihre Ordnung, ihre Grenzen verschwimmen. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Form, die nicht länger bestehen kann.

Und mitten in diesem Geschehen behauptet sich etwas, das dem Verfall zu widersprechen scheint.

Zwei goldene Quadrate. Klar begrenzt, unbewegt, von einer fast unheimlichen Gegenwärtigkeit. Sie gehören zu dieser Welt und scheinen doch anderen Gesetzen zu folgen. Während ringsum alles zerfällt, bewahren sie ihre Gestalt. Ihr Gold reflektiert nicht nur das Licht. Es lässt etwas von einer Wirklichkeit erahnen, die jenseits des Sichtbaren liegt.

Links durchzieht eine schmale, glühend rote Linie den dunklen Raum. Sie steht schräg, beinahe verletzlich, und besitzt doch eine erstaunliche Entschiedenheit. Wie ein letzter Lebensimpuls behauptet sie sich gegen die Schwere des Schwarz. Vielleicht ist sie eine Wunde. Vielleicht eine Spur des Widerstands. Vielleicht jener Augenblick, in dem sich das Leben seiner eigenen Endlichkeit bewusst wird.

Doch was stirbt eigentlich, wenn eine Gestalt vergeht?

Die Kammer des Todes gibt darauf keine Antwort. Sie führt uns vielmehr an die Grenze unseres gewohnten Begreifens. Hier verliert das Sichtbare seine Verlässlichkeit. Das Beständige wird fragwürdig, das Vergängliche unausweichlich. Und gerade dort, wo die Auflösung am weitesten fortgeschritten scheint, tritt das Gold mit einer beinahe unerschütterlichen Ruhe hervor.

Es ist, als würde das Bild zwei Wirklichkeiten zugleich offenbaren: eine Welt, die entsteht und vergeht, und eine andere, die von diesem Werden und Vergehen unberührt bleibt.

Vielleicht ist der Tod deshalb nicht das Gegenteil des Lebens. Vielleicht bezeichnet er lediglich das Ende einer Erscheinungsform.

Was vergeht, ist die Gestalt. Was bleibt, entzieht sich unserem Blick.

So wird die Kammer des Todes zu einem Ort der Enthüllung. Nicht weil sie das Geheimnis des Todes auflöst, sondern weil sie uns mit einer Möglichkeit konfrontiert, die unser gewöhnliches Denken übersteigt:

Dass im Augenblick des größten Verlustes etwas sichtbar werden kann, das niemals verloren war.

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