Kalenderblatt
8. April

Heute Morgen im Dschungel tauchte ein zitronengelbes Dreieck auf

Kalenderblatt vom 8. April
“Heute Morgen im Dschungel tauchte ein zitronengelbes Dreieck auf”
“This morning in the jungel a citreous triangle appeared”
“Esta mañana uno tríangulo citrino aparecía en la jungla”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Zwischen den verschlungenen Ranken eines uralten Dschungels, dort, wo das Licht nur in zögernden Atemzügen den Boden berührt, begann eines Morgens etwas zu geschehen, das selbst die ältesten Wurzeln in ein leises Staunen versetzte. Die Luft war schwer von Geheimnissen, und jedes Blatt schien zu wissen, dass dieser Tag nicht wie die anderen sein würde.

Mitten im Gewirr aus dunklen Linien, Dornen und lebendigen Schatten erschien plötzlich etwas Fremdes. ein leuchtendes, zitronengelbes Dreieck, so klar und still, als wäre es nicht gewachsen, sondern gedacht worden. Es war kein Blatt, keine Blüte, kein Tier. Es war eine Form, die nicht zum Dschungel gehörte  und doch genau dort sein musste.

Die Tiere hielten inne. Der Jaguar, der lautlos durch das Dickicht strich, legte sich nieder. Die Vögel verstummten, als hätten sie ihre Lieder vergessen. Selbst der Wind verlor für einen Moment seine Richtung. Denn das Dreieck war nicht nur sichtbar, es war eine Botschaft.

„Was bist du?“ flüsterte eine alte Liane, die seit Jahrhunderten an einem zerfallenen Baumstamm hing.

Das Dreieck antwortete nicht mit Worten. Stattdessen begann es, sanft zu pulsieren, und mit jedem Puls veränderte sich der Dschungel ein wenig. Linien lösten sich aus ihrem Chaos, Formen begannen sich zu ordnen, und das Dunkel wurde durchzogen von einem kaum wahrnehmbaren Glanz.

Ein kleiner Affe, neugierig und furchtlos, näherte sich dem Dreieck. Als er es berührte, geschah etwas Seltsames: Er sah nicht mehr nur den Dschungel, er sah sich selbst als Teil davon. Er sah, wie jede Bewegung, jeder Sprung, jedes Rascheln verbunden war mit allem, was lebte. Und plötzlich verstand er etwas, das er nie gelernt hatte: Dass selbst im größten Gewirr eine verborgene Ordnung existiert.

Die Kunde verbreitete sich. Wesen um Wesen kam, um das Dreieck zu betrachten. Und jeder, der ihm nahekam, erkannte etwas anderes: Der Jaguar sah seine Kraft als Schutz, nicht als Bedrohung. Die Vögel hörten in ihrem Gesang plötzlich eine Harmonie, die sie zuvor nie bemerkt hatten. Und die alten Bäume erinnerten sich daran, dass auch sie einmal klein gewesen waren.

Doch so plötzlich, wie es erschienen war, begann das Dreieck zu verblassen. Nicht, weil es verschwand, sondern weil es sich in den Dschungel hinein verteilte. Sein Gelb sickerte in die Blätter, in die Augen der Tiere, in die Adern der Erde.

Am Ende blieb nichts Sichtbares zurück.

Und doch war alles anders.

Denn von diesem Morgen an trug jeder Winkel des Dschungels ein kleines Stück dieses Lichts in sich. Das Chaos blieb, aber es war nun durchzogen von Bewusstsein. Und wer genau hinsah, konnte erkennen, dass selbst im dichtesten Geflecht ein stilles, leuchtendes Dreieck weiterlebte.

Und so erzählten sich die Wesen noch lange danach von jenem Morgen, an dem etwas Unmögliches geschah,
als das Unsichtbare eine Form annahm, nur um zu zeigen, dass es immer schon da gewesen war.

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Kalenderblatt
7. April

Blumenwiese im Zauber der Nacht

Kalenderblatt vom 7. April
“Blumenwiese im Zauber der Nacht”
“Flower meadow in the glamour of the night”
“Flor pradera en la magia de la noche”

Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Was sich hier auf den ersten Blick wie ein wildes, beinahe chaotisches Geflecht aus Farben und Strukturen zeigt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein hochenergetisches Feld lebendiger Transformation. Dieses Bild ist keine klassische Blumenwiese, es ist ihre nächtliche Essenz, ihr verborgenes Eigenleben, das sich nur jenseits des Tageslichts offenbart.

Im Zentrum pulsiert ein intensives, leuchtendes Rot, wie eine Blüte, die nicht nur wächst, sondern brennt. Sie wirkt nicht dekorativ, sondern kraftvoll, fast eruptiv, als würde sie aus der Tiefe heraus das Leben selbst nach oben drücken. Umgeben ist sie von dunklen, dynamischen Linien, die wie Wurzeln, Schatten oder Bewegungen erscheinen, als wäre die gesamte Wiese in einem Zustand ständiger innerer Bewegung und Verwandlung.

Die scheinbar zufälligen Farbspritzer in Gelb, Blau und Weiß entfalten eine ganz eigene Sprache: Lichtfragmente in der Dunkelheit, Erinnerungen an Blüten, die nicht sichtbar, aber spürbar sind. Besonders das Blau bringt eine kühle Tiefe hinein, ein Echo der Nacht, des Unbewussten, des Raumes zwischen den Dingen. Das Gelb hingegen flackert wie verirrte Lichtpartikel, fast wie Glühwürmchen, die die Szene durchziehen.

Die Texturen aus Acrylpaste und Glitter verstärken diesen Eindruck zusätzlich: Die Oberfläche lebt, bricht, reflektiert, sie ist nicht glatt, sondern widerständig, roh und ehrlich. Genau darin liegt ihre Kraft. Diese Blumenwiese will nicht gefallen, sie will erlebt werden.

Dieses Werk erzählt von der Seite der Natur, die wir selten sehen: nicht die geordnete Schönheit des Tages, sondern das magische, ungezähmte Eigenleben der Nacht. Es ist eine Einladung, hinter die Oberfläche zu blicken, dorthin, wo Wachstum nicht linear verläuft, sondern in Schüben, Explosionen und scheinbarem Chaos.

Am Ende bleibt ein Eindruck, der sich nicht vollständig greifen lässt, und genau das ist seine größte Stärke: Diese Blumenwiese ist kein Ort. Sie ist ein Zustand.

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