Kalenderblatt 20. Juni

Zu kalt zum Baden

Das Kalenderblatt zum 20. Juni
„Zu kalt zum Baden“
„Too Cold for Swimming“
„Demasiado frío para bañarse“

Aquarell, Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Der Sommer hatte sein Versprechen schon ausgesprochen. Die Sonne hing groß und rot am Himmel, als hätte sie den ganzen Tag damit verbracht, die Welt in Gold zu tauchen. Das Licht lag warm auf den Hügeln, die Wiese leuchtete in sattem Grün, und selbst der Baum schien sich dem Himmel entgegenzustrecken wie ein Wesen, das den Tag feiern wollte.

Nur das Wasser machte nicht mit.

Es lag still und blau vor der Landschaft, geheimnisvoll und kühl. Von weitem sah es einladend aus, fast wie eine Einladung zum Sprung ins Glück. Doch wer näherkam, spürte sofort den Unterschied zwischen Schein und Wirklichkeit. Die Oberfläche glänzte im Sonnenlicht, aber darunter wohnte noch die Kälte vergangener Nächte.

Einige Menschen standen am Ufer und überlegten. Sie hielten die Zehen ins Wasser, zuckten zurück und lachten. Andere erklärten mutig, dass sie gleich hineinspringen würden, nur nicht sofort. Vielleicht in zehn Minuten. Oder morgen. Oder wenn die Sonne noch etwas wärmer schien.

Der Baum am Ufer beobachtete das Schauspiel seit vielen Jahren. Er wusste, dass es immer so war. Die Welt ruft oft nach Aufbruch, während das Herz noch zögert. Das Ziel liegt sichtbar vor uns, doch zwischen Wunsch und Handlung befindet sich ein schmaler Streifen Unsicherheit, so kühl wie dieses Wasser.

Und so erzählt dieses Bild von einem Augenblick zwischen zwei Entscheidungen. Die Sonne steht für die Sehnsucht. Das Wasser steht für die Erfahrung. Der Baum steht für das Leben, das beides miteinander verbindet. Manchmal ist alles bereit für den nächsten Schritt – außer der letzte kleine Rest Mut.

Doch vielleicht liegt genau darin die Schönheit dieses Moments. Nicht im Sprung selbst, sondern im Innehalten davor. In dem Wissen, dass das Wasser kalt sein mag, dass man erschrecken wird, dass man vielleicht kurz nach Luft schnappt  und dennoch irgendwann hineingeht.

Denn jeder Sommer beginnt mit einem ersten Schritt ins kalte Wasser.

Und manchmal erkennt man erst hinterher, dass es gar nicht zu kalt zum Baden war, sondern nur zu kalt für die eigenen Zweifel.

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Kalenderblatt 20. Juni

Serenade am Ufer des Traumsees

Kalenderblatt vom 20. Juni
„Serenade am Ufer des Traumsees“
„Serenade on the shore of the dream lake“
„Serenata en la orilla del lago de los sueños“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Die Serenade begann lange bevor jemand sie hörte.

Am Ufer des Traumsees, dort, wo sich Himmel und Wasser jeden Abend neu erfinden, lebte ein alter Musiker. Niemand wusste, woher er kam. Manche sagten, er sei einst ein Reisender gewesen, andere behaupteten, er sei aus einem Traum gefallen, den die Welt vergessen hatte.

Jeden Abend setzte er sich an denselben Ort. Vor ihm glühte der Horizont in Gold, Orange und tiefem Karminrot, als würde die Sonne ihre letzten Geheimnisse über den See verstreuen. Das Wasser antwortete mit schimmernden Spiegelungen, die wie flüssige Erinnerungen über die Oberfläche glitten.

Der Musiker spielte keine gewöhnlichen Melodien. Seine Serenaden bestanden aus Sehnsucht, Hoffnung und den unausgesprochenen Geschichten der Menschen. Jeder Ton wanderte über das Wasser, berührte die Ufer und kehrte verwandelt zurück. Manchmal klang die Musik wie das Lachen eines Kindes, manchmal wie der Abschied zweier Liebender, manchmal wie das leise Flüstern einer Seele auf der Suche nach ihrem Ursprung.

Während die Nacht langsam herabsank, begann der Traumsee zu leuchten. Aus den tiefblauen Schatten des Wassers stiegen Farben auf, die es in keiner Palette gab. Gold wurde zu Licht, Rot wurde zu Erinnerung und Blau wurde zu Stille. Der See verwandelte sich in einen Spiegel der inneren Welt, in dem jeder Betrachter etwas anderes erkannte.

Eines Abends fragte ein junger Wanderer den alten Musiker: „Für wen spielst du eigentlich diese Serenade?“

Der Alte lächelte und blickte über die glühende Wasserfläche.

„Für die Menschen, die vergessen haben zu träumen.“

Der Wanderer lauschte lange. Je länger er zuhörte, desto mehr verschwanden seine Sorgen. Die Last seiner Gedanken löste sich auf wie Nebel im Morgenlicht. Er spürte, dass die Melodie nicht von außen kam. Sie war schon immer in ihm gewesen.

Als die letzten Töne verklangen, war der Musiker verschwunden. Nur das Licht des Himmels lag noch auf dem Wasser wie ein goldener Schleier.

Seit jener Nacht erzählt man sich, dass der Traumsee jeden Menschen empfängt, der bereit ist, still zu werden. Und manchmal, wenn die Abendsonne den Himmel in flammendes Gold und leuchtendes Rot taucht, kann man noch eine ferne Melodie hören.

Dann spielt irgendwo am Ufer des Traumsees die Serenade des inneren Herzens, jene uralte Musik, die uns daran erinnert, wer wir wirklich sind.

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