
Das Kalenderblatt zum 21. Februar
“Schluckauf nach der Schokoladentorte”
“Hiccup after devil’s food cake”
“Hipo despues el pastel de chocolate”
Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Dieses Aquarell trägt den augenzwinkernden Titel „Schluckauf nach der Schokoladentorte“, und genau darin liegt seine unwiderstehliche Kraft: Es verwandelt einen banalen, beinahe kindlichen Moment in ein Sinnbild menschlicher Lebendigkeit. Die Figur scheint sich aus der Landschaft selbst zu erheben, halb Körper, halb Bewegung, als wäre sie ein Echo eines intensiven Genusses, der noch durch jede Faser schwingt. Der Schluckauf wird hier nicht als Störung gezeigt, sondern als sichtbarer Nachhall eines Moments völliger Hingabe, ein körperliches Bekenntnis zum Leben, zum Genuss, zur Unkontrollierbarkeit des Augenblicks.
Die Farbflächen fließen weich ineinander: das warme Gelb der Erde, das ruhige Blau der Ferne, das lebendige Türkis der Gegenwart. Diese Farbräume sind keine Kulisse, sondern Resonanzräume innerer Zustände. Die Figur ist nicht fest umrissen, sondern durchlässig, fast transparent. Dadurch entsteht der Eindruck, dass sie sich gerade verwandelt – dass sie nicht nur Schluckauf hat, sondern dass sie sich in diesem Moment vom Gewicht des Rationalen befreit und in einen Zustand reiner Empfindung übergeht. Es ist ein Augenblick zwischen Kontrolle und Loslassen, zwischen Form und Auflösung.
Die aufsteigende Bewegung des Körpers vermittelt ein Gefühl von plötzlicher, unwillkürlicher Energie. Der Schluckauf wird hier zur Metapher für alles, was wir nicht planen können: Freude, Überraschung, Überfluss, Lebendigkeit. Es ist der Körper, der spricht, wenn der Verstand schweigt. Die Linien wirken wie spontane Impulse, wie kleine Erschütterungen des Seins, die zeigen: Leben ist kein statischer Zustand, sondern ein ständiges Vibrieren zwischen Ruhe und Erregung.
Dieses Werk besitzt eine subtile Ironie und zugleich eine tiefe poetische Wahrheit. Es erinnert uns daran, dass selbst die scheinbar unbedeutenden Reaktionen unseres Körpers Ausdruck einer größeren, unsichtbaren Dynamik sind. Es feiert den Moment danach, nicht den Genuss selbst, sondern seine Nachwirkung, den Zustand, in dem wir noch ganz durchdrungen sind von dem, was wir erlebt haben. Genau darin liegt seine Magie: Es zeigt nicht den Höhepunkt, sondern das Nachbeben der Freude. Und dieses Nachbeben ist oft der ehrlichste Moment von allen.
