Kalenderblatt
15. April

Morgenglanz der Ewigkeit

Kalenderblatt vom 15. April
“Morgenglanz der Ewigkeit”
“Morning brightness of eternity”
“Mañana brillante de la eternidad”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Dieses Werk trägt nicht zufällig den Titel „Morgenglanz der Ewigkeit“, es ist weniger ein Bild als vielmehr ein Übergangszustand zwischen Zeit und Zeitlosigkeit, eingefangen in Materie. Die dominierenden Violetttöne wirken wie ein Schleier zwischen den Welten, eine Schwelle, an der das Sichtbare beginnt, sich ins Unsichtbare aufzulösen. Violett, die Farbe der Transformation, der Spiritualität, der Grenzüberschreitung, legt sich wie ein atmender Raum über die gesamte Komposition und zieht den Betrachter unweigerlich nach innen.

Im Zentrum durchbricht ein warmes, fast leuchtendes Gold die Tiefe dieses Raumes. Es ist kein statisches Licht, sondern ein inneres Aufglühen, ein erstes Erwachen, wie der Moment, in dem das Bewusstsein sich seiner selbst erinnert. Dieses Gold scheint nicht aufgetragen, sondern aus dem Bild selbst geboren zu sein, als würde sich die Ewigkeit für einen flüchtigen Augenblick in die Materie einschreiben.

Die strukturierte Oberfläche aus Quarzsand und Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck: Hier wird nichts glatt gebügelt, nichts beschönigt, im Gegenteil. Die rauen, teils archaisch wirkenden Spuren erzählen von einem Prozess des Werdens, von Verdichtung und Auflösung zugleich. Es ist, als ob das Bild selbst ein Relikt aus einer anderen Dimension wäre, eine energetische Spur, die sich im Hier und Jetzt manifestiert hat.

Was dieses Werk so eindringlich macht, ist seine stille Radikalität: Es fordert nicht, es erklärt nicht, es offenbart. Und genau darin liegt seine Kraft. Der „Morgenglanz“ ist hier kein Tagesbeginn im klassischen Sinne, sondern ein kosmischer Augenblick des Erwachens, in dem sich das Endliche dem Unendlichen öffnet.

Wer sich darauf einlässt, erkennt: Dieses Bild zeigt nicht einfach etwas, es erinnert dich an etwas, das du längst in dir trägst.

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Kalenderblatt
14. April

Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es ...

Kalenderblatt vom 14. April
“Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es …”
“Call it sun, call it moon, call it …”
“Llama lo sol, llama lo luna, llama lo …”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es …“, schon dieser bewusst unvollendete Titel wirkt wie ein Schlüssel zu einem Raum, der sich jeder eindeutigen Definition entzieht. Dieses Bild fordert dich nicht auf, es zu verstehen, es fordert dich heraus, es zu erleben.

Im Zentrum thronteine kraftvolle, leuchtende Scheibe, roh und zugleich erhaben, durchzogen von Spuren, als hätte sie Zeitalter überdauert und Geschichten gespeichert. Sie ist nicht glatt, nicht idealisiert, vielmehr trägt sie die Wahrheit des Unperfekten, das gerade dadurch eine tiefere Authentizität ausstrahlt. Ist es eine Sonne, die Leben spendet? Ein Mond, der die Nacht erhellt? Oder ist es vielmehr ein innerer Kern, ein Symbol für das, was in uns selbst leuchtet, unabhängig von äußeren Zuschreibungen?

Der Hintergrund pulsiert in einer intensiven, fast archaischen Farbwelt aus flammendem Gelb, erdigem Rot und tiefem Grün, die sich in Schichten überlagern, aufbrechen und neu formieren. Hier entsteht kein statisches Bild, hier geschieht Bewegung. Es ist, als würdest du in einen Schöpfungsprozess blicken, in dem sich Chaos und Ordnung unaufhörlich neu austarieren. Inmitten dieses vibrierenden Feldes wirkt die helle Scheibe wie ein ruhender Pol, ein Ankerpunkt, der zugleich aus genau diesem Chaos hervorgegangen ist.

Gerade dieser Gegensatz entfaltet seine ganze Kraft: Unruhe und Stille, Verdichtung und Auflösung, Materie und Licht verschmelzen zu einer Einheit. Die Struktur, verstärkt durch Quarzsand und Acrylpaste, verleiht dem Werk eine fast greifbare Präsenz, als ließe sich die Oberfläche nicht nur sehen, sondern fühlen, ertasten, begreifen. Es ist diese physische Dimension, die das Bild aus der Fläche heraushebt und ihm eine unmittelbare, beinahe existenzielle Wirkung verleiht.

Doch die eigentliche Meisterschaft liegt in seiner Offenheit: Dieses Werk gibt dir keine Antwort, es stellt dir eine Frage. Was siehst du wirklich, wenn du aufhörst, Dinge benennen zu wollen? Genau hier entfaltet sich seine tiefste Wirkung. Denn in dem Moment, in dem du die Begriffe loslässt, beginnt sich etwas anderes zu zeigen: eine Erfahrung, die jenseits von Sprache liegt.

Am Ende ist es vielleicht weder Sonne noch Mond. Vielleicht ist es genau das, was entsteht, wenn du bereit bist, deine eigenen Projektionen zu erkennen  und loszulassen. Ein Bild, das nicht erklärt werden will, sondern dich daran erinnert, dass das Wesentliche immer jenseits der Worte liegt.

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