Kalenderblatt
13. Juni

Noch ein Tag Urlaub

Das Kalenderblatt zum 13. Juni
“Noch ein Tag Urlaub”
“Todavía un día de vacaciones”
“Still one day of vacation”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Unter einem Himmel, der aussah, als hätte jemand Goldstaub, Abendrot und violette Träume miteinander vermischt, lag das Meer in stiller Bewegung. Die Wellen rollten gemächlich an den Strand, als hätten auch sie beschlossen, sich für einen Moment von der Eile der Welt zu verabschieden. Dort saß Jonas auf einem verwitterten Holzsteg und blickte hinaus auf den Horizont. Morgen sollte sein Urlaub enden.

Doch während andere Menschen beim Gedanken an die Rückkehr in ihren Alltag bereits ihre Koffer packten und Listen schrieben, verspürte Jonas etwas anderes. Er fühlte eine leise Bitte in seinem Herzen. Noch ein Tag Urlaub, dachte er. Nicht mehr. Nur ein einziger weiterer Tag zwischen Himmel und Meer.

In den vergangenen Wochen hatte er gelernt, wieder zuzuhören. Nicht den Nachrichten, nicht den Stimmen anderer Menschen, sondern dem leisen Flüstern seines eigenen Inneren. Das Meer hatte ihm Geschichten erzählt. Die Wolken hatten ihm gezeigt, wie man loslässt. Und die Farben des Himmels hatten ihn daran erinnert, dass selbst Gegensätze gemeinsam Schönheit erschaffen können.

Als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand, bemerkte Jonas etwas Seltsames. Mitten über dem Meer schimmerte ein kleiner goldener Lichtpunkt. Er war kaum größer als ein Stern, bewegte sich jedoch langsam auf ihn zu. Neugierig blieb er sitzen. Das Licht kam näher und näher, bis es schließlich vor ihm in der Luft schwebte.

„Warum bist du traurig?“, fragte das Licht.

Jonas lächelte überrascht. „Weil mein Urlaub morgen vorbei ist.“

Das Licht begann zu funkeln. „Ist er das wirklich?“

„Natürlich“, antwortete Jonas. „Dann beginnt wieder der Alltag.“

Das Licht schwieg einen Moment und sagte schließlich: „Vielleicht besteht das Geheimnis nicht darin, den Urlaub zu verlängern. Vielleicht besteht es darin, das Meer mit nach Hause zu nehmen.

Jonas blickte hinaus auf die Wellen. Das Licht fuhr fort: „Du glaubst, die Freiheit lebt hier. Doch sie lebt dort, wo du sie erinnerst. Die Ruhe des Wassers, die Weite des Horizonts, das Staunen über den Himmel, all das gehört nicht diesem Ort. Es gehört dir.“

Mit diesen Worten löste sich das Licht auf und stieg wie ein goldener Funke in den Abendhimmel empor. Zurück blieb nur das Rauschen der Wellen und die unendliche Weite des Meeres.

Am nächsten Morgen erwachte Jonas früh. Die Farben des Himmels waren noch zarter als am Abend zuvor. Das Wasser leuchtete in tiefem Türkis, und über dem Horizont lag ein schimmernder Schleier aus Gold. Er lächelte.

Plötzlich verstand er. Der Wunsch nach noch einem Tag Urlaub war eigentlich der Wunsch nach mehr Leben. Nach mehr Gegenwart. Mehr Bewusstheit. Mehr Augenblicken, die nicht zwischen Terminen verloren gingen.

Er packte seine Sachen, aber diesmal ohne Wehmut. Denn er wusste nun, dass er nichts zurücklassen musste. Das Meer war nicht nur vor ihm. Es war in ihm. Die Farben des Himmels würden ihn begleiten. Die Ruhe der Wellen würde in seinen Gedanken weiterklingen.

Und als er sich ein letztes Mal umdrehte, schien der Horizont ihm zuzunicken, als wolle er sagen:

„Du brauchst keinen weiteren Urlaubstag. Du brauchst nur die Erinnerung daran, wer du hier geworden bist.“

So ging Jonas seinen Weg zurück in die Welt, reich beschenkt von einem Ort, der ihm gezeigt hatte, dass die kostbarsten Reisen nicht über Land oder Wasser führen, sondern durch die verborgenen Landschaften der eigenen Seele.

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Kalenderblatt
13. Juni

Ein Bild von JUANLOBO am Morgen und der Kaffee wird sauer

Kalenderblatt vom 13. Juni
“Ein Bild von JUANLOBO am Morgen und der Kaffee wird sauer”
“A painting from JUANLOBO in the morning an the coffee becomes sour”
“Una pintura mañanera de JUANLOBO  y el café se agria”

Tusche auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm

Auf den ersten Blick wirkt dieses Werk beinahe heiter: eine strahlend gelbe Sonne schwebt über einer geschwungenen schwarzen Form, umgeben von scheinbar zufällig gesetzten Tuschepunkten. Doch der Titel lenkt den Blick sofort in eine andere Richtung. Hier geht es nicht um Harmonie, sondern um die Irritation des Gewohnten.

Die leuchtende gelbe Scheibe erinnert an einen Morgen, an Licht, an einen verheißungsvollen Beginn. Doch darunter zieht sich eine dunkle, schlangenartige Linie durch das Bild. Sie teilt den Raum, verbindet und trennt zugleich. Sie wirkt wie ein Fluss, ein Weg, ein Lächeln oder vielleicht ein Fragezeichen, das sich quer durch die Wirklichkeit zieht. Die schwarzen Punkte erscheinen wie Gedanken, Kaffeebohnen, Planetensysteme oder die Spuren eines unsteten Geistes, der sich weigert, in geordneten Bahnen zu laufen.

Der humorvolle Titel entfaltet dabei seine ganze Kraft. Wer morgens ein Bild von JUANLOBO betrachtet, verliert möglicherweise für einen Moment die Sicherheit seiner gewohnten Wahrnehmung. Die Welt bleibt dieselbe, doch plötzlich scheint etwas verrutscht zu sein. Der Kaffee schmeckt nicht mehr einfach nach Kaffee. Er wird sauer, weil das Bild eine Frage stellt, bevor der Tag Antworten liefern kann.

Die scheinbar einfache Komposition besitzt eine subtile philosophische Tiefe. Die gelbe Sonne könnte für Bewusstsein stehen, die schwarze Welle für das Leben selbst, unberechenbar, beweglich und niemals vollkommen gerade. Die verstreuten Punkte wirken wie Ereignisse, Erinnerungen und Möglichkeiten, die sich um diesen Strom des Lebens gruppieren. Nichts steht fest, nichts ist endgültig geordnet.

Das Bild spielt mit der feinen Grenze zwischen Ernst und Ironie. Es lädt den Betrachter ein zu schmunzeln und gleichzeitig nachzudenken. Vielleicht wird der Kaffee tatsächlich nicht sauer. Vielleicht verändert sich lediglich der Blick auf die Welt. Und manchmal genügt genau das, um einen gewöhnlichen Morgen in ein kleines Abenteuer des Bewusstseins zu verwandeln.

So wird dieses Werk zu einer augenzwinkernden Einladung: Traue nicht jedem Morgen. Traue nicht jedem Kaffee. Und vor allem, traue nicht der Vorstellung, dass ein Bild nur ein Bild sei.

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