Kalenderblatt
15. Oktober

Morgennebel in den Donauauen

Kalenderblatt vom 15. Oktober
„Morgennebel in den Donauauen“
„Early morning fog in the  Danube floodplains“
„Niebla mañanera en la riberas del Danubio“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

Zwischen Dunkelheit und Licht liegt eine Landschaft, die sich nicht vollständig zu erkennen gibt.

Goldene Spuren durchziehen eine tiefblaue, beinahe schwarze Bildwelt. Sie verdichten sich, brechen auseinander, verschwinden in der Dunkelheit und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Was zunächst wie eine Landschaft erscheint, entzieht sich bei näherer Betrachtung jeder eindeutigen Zuordnung.

Ist es Wasser, das zwischen den Bäumen aufleuchtet? Sind es die letzten Schatten der Nacht? Oder blicken wir auf die Spuren einer Landschaft, die längst vergangen ist?

„Morgennebel in den Donauauen“ erzählt nicht von einer Landschaft, wie wir sie sehen, sondern von einer Landschaft, wie wir sie empfinden und erinnern.

Die reliefartigen Strukturen der Acrylpaste verleihen der Bildoberfläche eine beinahe erdgeschichtliche Dimension. Schicht um Schicht scheint sich hier etwas abgelagert zu haben: Zeit, Bewegung, Vergehen und Werden. Das Gold liegt nicht einfach auf der Dunkelheit. Es scheint aus ihr hervorzutreten, als wäre das Licht selbst ein Teil ihrer Geschichte.

Der Nebel, den der Titel beschwört, ist dabei mehr als eine atmosphärische Erscheinung. Er wird zum Sinnbild jener Grenze, an der Wahrnehmung in Vorstellung übergeht. Was verborgen bleibt, ist ebenso gegenwärtig wie das, was sichtbar wird.

Vielleicht liegt gerade darin das Wesen dieser Arbeit: Sie zeigt nicht den Augenblick, in dem sich der Nebel lichtet, sondern jenen geheimnisvollen Zustand, in dem noch alles möglich erscheint.

Die Donauauen werden zu einem inneren Landschaftsraum, in dem sich Natur und Erinnerung, Materie und Empfindung begegnen.

Nichts ist hier endgültig. Keine Form bleibt unangetastet. Alles befindet sich in einem stillen, unaufhörlichen Wandel.

Und irgendwo zwischen den dunklen Schichten beginnt das Licht.

Nicht als Versprechen.

Sondern als Gegenwart.

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Kalenderblatt
15. Oktober

Die ersten Sonnenstrahlen an meiner Wand

Kalenderblatt vom 15. Oktober
„Die ersten Sonnenstrahlen an meiner Wand“

„The first sunbeam on my wall“
„El primero rayo del sol  a mi hormazo“

Acryl, Acrylpaste, Sand auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Wenn das Licht die Erinnerung berührt

Eine Wand ist niemals nur eine Wand. Sie trägt die Spuren der Zeit, bewahrt das Vergangene in ihren Schichten, ihren Rissen, ihren Verletzungen.

Und dann fällt Licht auf sie.

Nicht als gleichmäßige Helligkeit, sondern als ein beinahe ungestümes Eindringen. Leuchtendes Gelb bricht durch dunkle, blau-schwarze Strukturen. Es tastet sich über raue Oberflächen, bleibt an Unebenheiten hängen, verschwindet und kehrt zurück.

Die Wand beginnt zu leben.

Was zunächst wie eine zufällige Begegnung von Licht und Materie erscheint, wird zu einem stillen Geschehen zwischen Beständigkeit und Veränderung. Die Dunkelheit weicht nicht einfach. Sie bleibt gegenwärtig, behauptet ihren Raum und verleiht dem Licht erst seine Intensität.

Sand, Acrylpaste und Farbe verdichten sich zu einer Oberfläche, die zugleich Landschaft, Mauerwerk und Erinnerung sein könnte. Das Gegenständliche löst sich auf, ohne seine Herkunft vollständig preiszugeben.

Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis dieses Bildes: Es zeigt keinen Sonnenaufgang. Es zeigt, was geschieht, wenn das Licht auf etwas trifft, das bereits eine Geschichte besitzt.

Der neue Tag beginnt nicht auf einer unbeschriebenen Fläche. Er beginnt mitten in den Spuren des Gewesenen.

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