Kalenderblatt
30. August

Transformationsdurchbruch

Kalenderblatt vom 30. August
„Transformationsdurchbruch“
„Breakthrough of Transformation“
“ Irrupción transformadora“

Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Etwas ist in Bewegung geraten.
Die Bildfläche wirkt, als habe sie lange unter Spannung gestanden und beginne nun, von innen her aufzubrechen. Dunkle Blau-, Grau- und Schwarztöne bilden schwere, vielschichtige Zonen. Sie liegen übereinander, verdichten sich und erzeugen eine Oberfläche, die beinahe wie eine Kruste erscheint.

Doch diese Ordnung hält nicht mehr.

Aus ihr brechen Gelb, Orange und Rot hervor. Die warmen Farben bilden keine ruhige Lichtquelle. Sie drängen zwischen den dunkleren Schichten hindurch, verzweigen sich, verschwinden wieder und tauchen an anderer Stelle erneut auf.

Licht erscheint hier nicht als Zustand, sondern als Ereignis.

Gerade darin liegt die Spannung des Bildes.

Das Helle ersetzt das Dunkle nicht. Beide bleiben gleichzeitig vorhanden. Die dunklen Bereiche werden weder beseitigt noch überwunden. Vielmehr scheint das Neue seinen Weg durch das bereits Vorhandene hindurch finden zu müssen.

Die Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck. Farbe liegt nicht nur auf der Fläche, sondern bekommt Körper. Erhebungen, Risse, Verdichtungen und Überlagerungen machen den Widerstand sichtbar, gegen den die Bewegung anzutreten scheint.

Der Glitter fügt eine weitere, beinahe widersprüchliche Ebene hinzu.

Je nach Lichteinfall erscheinen einzelne Partikel plötzlich und verschwinden wieder. Dadurch verändert sich das Bild mit dem Standort des Betrachters. Was eben noch dunkel und geschlossen erschien, kann im nächsten Augenblick Licht zurückwerfen.

Der Titel „Transformationsdurchbruch“ legt nahe, in dieser Bewegung einen Moment der Veränderung zu sehen.

Doch was genau bricht hier durch?

Licht?
Energie?
Eine Erinnerung?
Etwas lange Verborgenes?
Oder lediglich Farbe, die sich gegen eine andere Farbe behauptet?

Das Bild entscheidet diese Frage nicht.

Vielleicht besteht Transformation auch nicht darin, dass etwas Altes einfach verschwindet und durch etwas Neues ersetzt wird. Vielleicht geschieht sie dort, wo bestehende Schichten ihre Geschlossenheit verlieren und etwas sichtbar werden kann, das zuvor keinen Raum hatte.

So zeigt „Transformationsdurchbruch“ keinen vollendeten Wandel.

Es zeigt den Augenblick, in dem der Wandel nicht mehr aufzuhalten scheint.

Das Dunkle ist noch da.
Das Helle ist noch nicht angekommen.

Dazwischen geschieht der Durchbruch.


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Kalenderblatt
30. August

Solo für 5

Das Kalenderblatt zum 30. August
“Solo für 5”
“Solo for five”
“Solo para cinco”

Acryl, Sand und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Fünf Formen treten aus dem Blau hervor.

Jede besitzt ihre eigene Gestalt, ihre eigene Ausdehnung und ihr eigenes Gewicht. Manche breiten sich aus, andere ziehen sich zusammen. Sie stehen getrennt voneinander und bilden dennoch eine Gemeinschaft.

Das Bild lässt sich beinahe wie eine Komposition hören.

Gelb antwortet auf Blau. Fläche begegnet Linie. Die durch Sand und Acrylpaste entstandene Struktur gibt den Formen Körper und Widerstand. Sie liegen nicht einfach auf dem Grund, sondern behaupten ihren eigenen Raum.

Am unteren Bildrand erscheinen horizontale Linien in Rot, Blau und Grün.

Sie erinnern an ein Notensystem, das seine Noten verloren hat. Oder vielleicht sind die fünf gelben Formen selbst diese Noten, nur haben sie sich von den Linien gelöst und begonnen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Hier entsteht ein Wechselspiel zwischen Ordnung und Freiheit.

Die Linien wollen führen, gliedern, festlegen.

Die Formen dagegen scheinen sich dieser Ordnung zu entziehen.

Und doch entsteht gerade aus diesem Gegensatz ein Rhythmus.

Denn Rhythmus bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Er entsteht durch Wiederholung und Veränderung, Nähe und Abstand, Bewegung und Pause.

So wird auch der Titel „Solo für 5“ zum Teil der Komposition.

Ein Solo gehört eigentlich einem Einzelnen.

Hier sind es fünf.

Vielleicht spielt jede Form ihr eigenes Solo. Vielleicht hören die anderen zu. Vielleicht erklingen alle gleichzeitig und bilden etwas, das erst aus ihrer Verschiedenheit entstehen kann.

Fünf Einzelne werden nicht zu einem Ganzen, indem sie ihre Eigenart verlieren.

Sie bleiben fünf.

Fünf Formen.
Fünf Stimmen.
Fünf eigenständige Bewegungen innerhalb eines gemeinsamen Bildraums.

Darin liegt die stille musikalische Spannung des Bildes:

Gemeinsamkeit verlangt nicht nach Gleichheit.

Vielleicht ist das das eigentliche „Solo für 5“:

Jede Stimme darf für sich erklingen.
Und gerade dadurch entsteht Musik.

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