
Kalenderblatt vom 31. Oktober
„Wir sind nicht mehr alleine“
„We are no longer alone“
„Ya no estamos solos más“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Das Bild öffnet einen Raum jenseits der vertrauten Wirklichkeit. Einen Raum, in dem sich Sichtbares und Unsichtbares begegnen, in dem Grenzen durchlässig werden und sich die Ahnung einer anderen, umfassenderen Existenz bemerkbar macht.
In einem intensiven Zusammenspiel aus Feuer, Licht und Bewegung entfalten sich leuchtende Schichten aus Gold, Orange, Rot und tiefem Schwarz. Die Farben scheinen aus dem Inneren des Bildes hervorzubrechen, sich gegenseitig zu durchdringen, zu verdichten und wieder aufzulösen. Es ist, als befände sich die Materie selbst in einem fortwährenden Prozess der Verwandlung und Neuwerdung.
Doch inmitten dieser aufgewühlten Farbwelten geschieht etwas Unerwartetes. Feine Linien durchziehen die Komposition, Lichtspuren brechen auf, Formen entstehen und verschwinden. Besonders im rechten Bildbereich verdichten sich die Strukturen zu einer geheimnisvollen Präsenz. Etwas scheint aus der Tiefe hervorzutreten, ohne sich vollständig zu offenbaren.
Hier beginnt das eigentliche Geheimnis des Bildes. Was zunächst wie eine abstrakte Landschaft erscheint, verwandelt sich in einen Schwellenraum zwischen unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen. Die gewohnte Trennung zwischen Innen und Außen, zwischen Materie und Bewusstsein, zwischen dem Eigenen und dem Fremden beginnt sich aufzulösen.
Vielleicht erleben wir hier den Augenblick einer ersten Begegnung. Nicht unbedingt mit Wesen aus fernen Galaxien, sondern mit Bewusstseinsformen und Dimensionen des Seins, die unserer Wahrnehmung bislang verborgen geblieben sind. Was wäre, wenn die Wirklichkeit weit mehr umfasst als das, was unsere Sinne und unser Verstand zu erfassen vermögen?
Das Bild gibt darauf keine Antwort. Vielmehr lädt es dazu ein, die vertrauten Grenzen unserer Wahrnehmung zu überschreiten. Nicht das Erkennen steht am Anfang, sondern die Bereitschaft, sich berühren zu lassen.
In den vibrierenden Farbschichten wird eine Verbindung spürbar, die tiefer reicht als jede äußere Begegnung. Vielleicht ist das Fremde gar nicht so fremd. Vielleicht begegnet uns in ihm etwas, das schon immer zu unserer eigenen Existenz gehörte, ohne dass wir uns dessen bewusst waren.
„Wir sind nicht mehr alleine“ beschreibt deshalb nicht nur die Möglichkeit einer Begegnung mit einer anderen Wirklichkeit. Der Titel verweist auf einen grundlegenden Wandel unseres Selbstverständnisses: Wir erkennen uns als Teil eines größeren, lebendigen und miteinander verbundenen Ganzen.
Was bisher getrennt erschien, beginnt sich zu verbinden. Was verborgen war, drängt ins Bewusstsein. Und was wir für die Grenzen unserer Welt hielten, erweist sich möglicherweise nur als Grenze unserer Wahrnehmung.
Vielleicht sind wir niemals alleine gewesen. Vielleicht beginnen wir erst jetzt, es zu erkennen.
