Kalenderblatt
20. Mai

< Auf zur Insel!

 

Das Kalenderblatt zum 20. Mai
“Auf zur Insel!”
“Off to the Island!”
“¡Rumbo a la isla!”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Der alte Fährmann behauptete, dass die Insel nur jenen erscheine, die etwas hinter sich lassen wollten. Niemand wusste genau, wo sie lag. Manche sagten, sie treibe wie ein dunkler Schatten durch das Meer. Andere behaupteten, sie existiere nur zwischen zwei Gedanken, dort, wo die Nacht bereits begonnen hat, der Morgen aber noch nicht geboren wurde.

An jenem Abend stand ein Wanderer am Ufer eines schwarzen Wassers, das aussah, als hätte jemand flüssige Tinte mit Gold vermischt. Über ihm spannte sich ein Himmel aus glühendem Ocker, schwer wie eine uralte Erinnerung. Das Meer war unruhig, doch seltsam still zugleich. Keine Möwen schrien. Kein Wind bewegte die Luft. Nur das ferne Knarren eines kleinen Bootes war zu hören.

Der Fährmann trat aus dem Schatten hervor. Sein Mantel war vom Salz des Meeres ausgeblichen, und seine Augen wirkten, als hätten sie bereits zu viele Abschiede gesehen. „Willst du wirklich hinüber?“ fragte er leise.

Der Wanderer nickte.

„Dann musst du den Preis bezahlen.“

„Ich habe kein Gold bei mir.“

Der alte Mann lächelte traurig. „Gold interessiert die Insel nicht. Sie verlangt etwas anderes.

Das Boot glitt hinaus auf das dunkle Wasser. Unter ihnen schimmerte das Meer in geheimnisvollen Blau- und Silbertönen, als würden versunkene Sterne unter der Oberfläche schlafen. Lange sagte niemand ein Wort. Der Wanderer spürte nur, wie die Welt hinter ihm langsam verschwand, die Häuser, die Stimmen, die Enttäuschungen, die Erinnerungen an verlorene Jahre. Alles wurde kleiner und kleiner, bis es nur noch ein Schatten am Horizont war.

Mitten auf dem Wasser blieb der Fährmann stehen. „Nun ist es Zeit“, sagte er. „Die Insel erscheint nur denen, die bereit sind, ihre schwerste Last loszulassen.

Der Wanderer schwieg. Dann griff er langsam in seinen Mantel und zog ein kleines Bündel hervor. Darin lagen alte Briefe, zerbrochene Hoffnungen und die Namen der Menschen, die ihn einst verraten hatten. Jahrelang hatte er sie wie einen Schatz bewahrt, ohne zu merken, dass sie ihn immer tiefer in die Dunkelheit zogen.

Einer nach dem anderen ließ er die Briefe ins Meer fallen. Das Wasser verschluckte sie lautlos. Und plötzlich begann sich der Horizont zu verändern.

Aus dem goldenen Dunst erhob sich eine Insel. Dunkel und leuchtend zugleich. Ihre Küsten glänzten wie schwarzes Gestein im Sonnenfeuer, und über ihren Bergen lag ein Licht, das nicht von dieser Welt zu stammen schien.

Der Fährmann nickte zufrieden. „Jetzt kannst du sie sehen.

Als das Boot anlegte, spürte der Wanderer etwas, das er seit Jahren vergessen hatte: Leichtigkeit. Die Insel war kein Ort für Reichtum oder Macht. Sie war ein Ort für Menschen, die den Mut gefunden hatten, sich selbst nicht länger gefangen zu halten.

Der alte Mann löste das Boot wieder vom Ufer. „Wirst du zurückkommen?“ rief der Wanderer.

Der Fährmann blickte ihn an, und seine Augen glänzten wie das dunkle Meer unter dem goldenen Himmel.

Wer die Insel wirklich erreicht, hat keinen Grund mehr zurückzukehren.

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20. Mai

Die Devi Nepals ergiesst sich über das Land

Kalenderblatt vom 20. Mai
“Die Devi Nepals ergiesst sich über das Land”
“The Devi of Nepal is regorging over the land”
“La Devi de Nepal esta inundando el país”

Aqiuarell auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Die Devi Nepals ergießt sich über das Land“ ist wie ein vergessenes Märchen aus den hohen Tälern zwischen Himalaya, Wind und Gebet. Man erzählt sich dort, dass es Zeiten gab, in denen die Erde selbst den Atem anhielt, weil die Menschen begonnen hatten, ihre Träume zu vergessen. Die Felder wurden trocken, die Wege leer, und selbst die Gebetsfahnen flatterten nur noch müde im Wind.

Hoch über den Bergen jedoch lebte eine alte Devi, eine leuchtende Göttin aus Licht, Wasser und Erinnerung. Niemand wusste genau, wie alt sie war. Manche sagten, sie sei älter als die ersten Steine des Himalaya. Andere behaupteten, sie sei aus den Tränen der Erde selbst geboren worden. Ihr Gewand bestand aus Morgenrot und fließendem Blau, und wo immer sie ihren Fuß aufsetzte, begann die Welt wieder zu atmen.

Eines Tages blickte die Devi hinunter auf Nepal und sah, dass die Menschen ihre Verbindung verloren hatten. Sie liefen schnell, sprachen laut und hörten doch nicht mehr den Stimmen der Flüsse zu. Die Kinder blickten nicht mehr lange genug in den Himmel, und die Alten hatten aufgehört, Geschichten zu erzählen. Da wurde die Devi traurig. Doch ihre Traurigkeit war keine dunkle Traurigkeit. Sie war warm wie Regen nach langer Trockenheit.

In der Nacht des großen Vollmondes stieg sie auf den höchsten Berggrat. Der Himmel färbte sich in jenes geheimnisvolle Rot, das nur kurz vor Sonnenaufgang existiert. Die Devi öffnete ihre Arme, und aus ihrem Herzen ergoss sich ein gewaltiger Strom aus Licht über das Land. Golden, rot und blau floss ihre Kraft über Felder, Häuser und uralte Wege. Die trockenen Böden begannen zu leuchten, und die Flüsse fanden ihre Stimmen wieder.

Die Menschen erwachten in jener Nacht aus seltsamen Träumen. Ein Hirte hörte plötzlich wieder die Melodie seiner Kindheit. Eine alte Frau erinnerte sich an ein längst vergessenes Lied ihrer Mutter. Kinder liefen lachend durch die Felder, weil sie glaubten, das Licht selbst berühren zu können. Und tief unten im Tal sah ein einsamer Maler, wie sich die Farben des Himmels über die Erde ergossen wie flüssige Seele.

Er nahm Papier und Wasserfarben und begann zu malen, weil er wusste, dass dieser Augenblick nicht verloren gehen durfte. Doch je länger er malte, desto mehr verstand er: Die Devi hatte nicht nur das Land berührt, sie hatte die Herzen geöffnet. Die leuchtenden Linien im Boden waren keine Wege aus Erde. Es waren Wege der Erinnerung. Wege zurück zum inneren Licht.

Seit jener Zeit glauben die Menschen in manchen nepalesischen Dörfern, dass die Devi noch immer erscheint, wenn die Welt zu laut wird. Dann legt sich plötzlich ein roter Schimmer über die Berge, und ein stiller Wind zieht über die Ebenen. Wer in diesem Moment innehält und lauscht, kann hören, wie die Erde selbst flüstert:

„Vergiss niemals, dass auch in dir ein Strom aus Licht verborgen liegt.“

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