Kalenderblatt
5. Mai

Verloren in Arabien

Das Kalenderblatt zum 5. Mai
“Verloren in Arabien”
“Lost in Arabia”
“Perdido en Arabia”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Es begann mit einem Licht, das nicht von dieser Welt zu stammen schien. Nicht die Sonne war es, nicht das Feuer eines Lagers, nicht die Lampe eines Zeltes, es war jenes flirrende, goldene Leuchten, das nur dort erscheint, wo die Wirklichkeit ihre festen Konturen verliert und das Unsichtbare beginnt, durch die Ritzen der Zeit zu atmen. Als Rashid an jenem Abend die Karawane aus den Augen verlor, glaubte er zunächst an einen Irrtum, an einen falschen Schritt im Sand, an eine kleine Verzögerung. Doch Arabien verzeiht keine kleinen Verzögerungen. Die Wüste nimmt sie, dehnt sie aus und macht daraus Schicksal.

Er stand zwischen zerklüfteten Felsen, deren Schatten wie violette Schleier in die glutheiße Dämmerung fielen. Über ihm hing der Himmel wie ein verbrannter Teppich, unter ihm schimmerte der Boden in Rot, Purpur und staubigem Gold. Alles vibrierte, als läge ein uralter Zauber über diesem Land, ein Zauber, der Reisende nicht nur in der Landschaft, sondern tief in sich selbst verschwinden ließ. Rashid rief nach den anderen. Sein Ruf wurde von den Felswänden verschluckt. Kein Kamel antwortete, kein Glöckchen erklang, kein menschliches Echo kehrte zurück. Nur dieses Licht blieb. Dieses unheimlich pulsierende Licht.

Vor ihm erhob sich eine gewaltige Kuppel aus Stein, rund wie der Rücken eines schlafenden Ungeheuers. Daneben, halb im Sand versunken, lag eine kleinere kreisförmige Scheibe, als hätte ein vergessener Himmelskörper hier seine letzte Ruhestätte gefunden. Rashid erinnerte sich an die Legenden seines Großvaters: von den Toren Arabiens, die nur jenen sichtbar werden, die sich hoffnungslos verirrt haben. Man sagte, hinter diesen Toren lägen keine Städte aus Gold und keine Brunnen mit süßem Wasser, sondern Erinnerungen, Sehnsüchte und Wahrheiten, die ein Mensch sein Leben lang vor sich selbst verborgen hält.

Er wollte fliehen. Jeder Muskel seines Körpers schrie nach Flucht. Doch zugleich zog ihn etwas an, ein magnetischer Sog, als hätte die Wüste seine Angst gerochen und beschlossen, ihn nun vollständig zu verschlingen. Langsam trat er näher. Die Luft wurde dichter, schwerer, beinahe flüssig. Das goldene Rechteck vor ihm begann zu glimmen wie eine offene Pforte in eine andere Zeit. Darin sah Rashid nicht Sand und Stein, er sah Gesichter. Das Gesicht seiner Mutter, die ihn einst weinend ziehen ließ. Das Gesicht der Frau, die er liebte und dennoch zurückgelassen hatte. Das Gesicht des kleinen Jungen, der er selbst einmal gewesen war, ehe Ehrgeiz, Handel und Karawanenrouten sein Herz austrockneten.

„Verloren“, flüsterte er. Doch zum ersten Mal meinte dieses Wort nicht nur seine Position in der Wüste.

Er sank auf die Knie. Die Schatten um ihn herum wurden tiefer, violetter, geheimnisvoller. Die beiden steinernen Kreise schienen sich zu drehen, langsam, majestätisch, wie kosmische Mühlen, die Vergangenheit und Gegenwart zermahlen. Arabien hatte ihn nicht verschluckt, Arabien hatte ihn angehalten. Mitten im rastlosen Zug seines Lebens, mitten im Handel, im Rechnen, im Davonlaufen, hatte diese uralte Landschaft ihn an einen Ort geführt, an dem es kein Weiter mehr gab, sondern nur ein Hinab in die eigenen verschütteten Kammern.

Stunden oder Jahre mochten vergangen sein; Rashid wusste es nicht. Als am Morgen die Karawane ihn fand, saß er noch immer dort, still, sandbedeckt, die Augen weit geöffnet. Die Männer sagten später, er habe ausgesehen, als hätte er in der Nacht mit Dschinn gesprochen. Vielleicht hatten sie recht. Vielleicht waren es Dschinn gewesen. Vielleicht aber war es nur die Wüste selbst, jene unerbittliche Lehrmeisterin, die einem Menschen alles nimmt, was Orientierung heißt, damit er endlich begreift, wo sein wahrer Norden liegt.

Und als Rashid wieder auf sein Kamel stieg, war er noch immer verloren in Arabien. Doch diesmal war das Verlorensein kein Unglück mehr, sondern der erste Schritt nach Hause.

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Kalenderblatt
5. Mai

Das Kalenderblatt zum 5. Mai
“Erdbeereis zum Frühstück”
“Strawberry ice for breakfast”
“Helado de fresas para desayuno”

Acryl, Acrylpaste auf Acrylpapier ca 21 x 15 cm

Schon der Titel „Erdbeereis zum Frühstück“ trägt jene köstliche kleine Provokation in sich, die Erwachsene kurz innehalten lässt und das innere Kind sofort jubeln lässt. Denn Erdbeereis gehört nicht in die Ordnung des Alltags, nicht in die nüchterne Tasse Kaffee, nicht zwischen To-do-Liste und Termindruck, Erdbeereis gehört in den Bereich der unerlaubten Freude, der süßen Grenzüberschreitung, des genussvollen Ungehorsams. Genau diese Stimmung übersetzt das Bild mit einer verblüffenden Direktheit in Farbe.

Die untere Bildhälfte glüht in einem satten, fast sinnlichen Rot, das tatsächlich an zerdrückte Erdbeeren, an Fruchtmark, an sommerliche Süße denken lässt. Doch dieses Rot ist nicht glatt, nicht dekorativ, nicht lieblich. Es ist aufgerissen, verschoben, mit Spuren, Kratzern, Verdichtungen versehen, als hätte hier jemand den Geschmack des Lebens nicht fein portioniert, sondern mit beiden Händen hineingegriffen. Dieses Rot ist Genuss, aber es ist zugleich Leidenschaft, Übermut, Hunger auf mehr. Darüber breitet sich ein leuchtendes Gelb aus wie ein aufgerissener Morgen, wie der erste Sonnenstrahl auf dem Küchentisch, wie die unerwartete Erlaubnis, heute einmal anders zu beginnen. Das Gelb ist der Raum des Tages, der normalerweise Regeln verlangt, doch hier wird dieser Raum von unten her vom Rot erobert. Der Genuss steigt auf und besetzt den Morgen.

An der oberen Kante zieht sich ein dunkles, fast schwarzes Band entlang, über dem ein tiefes Blau ruht. Diese Zone wirkt wie die letzte Erinnerung an Nacht, Vernunft, Begrenzung, an die Stimme im Kopf, die sagt: „Das macht man doch nicht.“ Aber gerade diese Grenze macht die Bildaussage so stark. Denn unterhalb dieser gedämpften Linie explodiert das Leben in warmen Tönen. Es ist, als würde das Bild zeigen, wie die Pflicht vom Vergnügen unterwandert wird. Wie ein einziger frecher Entschluss, heute Erdbeereis statt Brot, heute Lust statt Disziplin, die gesamte innere Landschaft verändert.

Die grobe Materialität der Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck. Nichts ist geschniegelt,  wie in einer Hochglanzwelt des perfekten Frühstückstisches. Hier darf geschmiert, gekleckst, gespachtelt, geschoben werden. Das Bild besitzt dadurch eine fast kindliche Körperlichkeit. Man sieht nicht nur Farbe, man spürt das impulsive Tun, die spontane Geste, das unmittelbare Ja zum Augenblick. Diese Oberfläche ist gelebte Unvernunft. Sie verweigert jede sterile Perfektion und feiert stattdessen den kleinen anarchischen Moment, in dem Genuss wichtiger wird als Konvention.

So verwandelt sich „Erdbeereis zum Frühstück“ in weit mehr als eine humorvolle Bildidee. Es wird zu einem Manifest für jene seltenen Augenblicke, in denen man sich selbst die Erlaubnis gibt, aus dem Erwartbaren auszubrechen. Für das süße Recht, den Tag nicht mit Vernünftigkeit, sondern mit Begeisterung zu beginnen. Für die Erkenntnis, dass Glück manchmal genau dort entsteht, wo man die innere Hausordnung kurz außer Kraft setzt. Dieses Bild schmeckt nach Sommer, nach Trotz, nach Freiheit  und nach der wunderbaren Ahnung, dass das Leben viel köstlicher wird, wenn man es nicht immer korrekt serviert.

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