Kalenderblatt
27. Juli

Und ich tauche wieder ein in die Zeit

Das Kalenderblatt zum 27. Juli
“Und ich tauche wieder ein in die Zeit”

“And I submerge into time again”
“Y sumerjo en tiempo de nuevo”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Jeder Mensch trägt in sich die Erinnerung an einen Zustand, der außerhalb der Zeit liegt. Sie erscheint nicht als Erinnerung im gewöhnlichen Sinn, sondern als Sehnsucht, als kaum fassbare Ahnung einer Ganzheit, die dem Bewusstsein vorausgeht. Dieses Bild erzählt von jenem Augenblick, in dem das Ich den Schutz dieser inneren Ewigkeit verlässt und erneut den Weg in die Welt der Gegensätze antritt.

Der leuchtende goldene Bereich auf der linken Seite wirkt wie eine Schwelle zwischen zwei Daseinsformen. Gold ist in der Symbolsprache der Seele niemals bloßer Reichtum. Es verweist auf das Selbst, jenes ordnende Zentrum der Psyche, das größer ist als das Ich und den Menschen unaufhörlich zu seiner Ganzheit ruft. Das Licht fällt nicht von außen ein. Es scheint aus einer Wirklichkeit zu stammen, die bereits im Innersten vorhanden ist.

Dem gegenüber stehen die drei roten horizontalen Bahnen. Sie wirken wie die Gesetze der Zeit. Alles, was lebt, wird in Rhythmen eingeordnet: Geburt und Tod, Anfang und Ende, Erinnern und Vergessen. Rot besitzt hier eine doppelte Bedeutung. Es ist Lebenskraft, aber ebenso Bindung an die materielle Welt, an Leidenschaft, Konflikt und Schicksal. Die Zeit schenkt Entwicklung, verlangt jedoch ihren Preis: Bewusstsein entsteht nur durch Erfahrung.

Zwischen diesen Polen breitet sich ein unruhiges Feld aus. Violett, Schwarz, Gold, Ocker und Blau überlagern sich, als würden zahllose seelische Schichten gleichzeitig sichtbar werden. Hier offenbart sich das Unbewusste nicht als geordnete Landschaft, sondern als lebendige Matrix. Verletzungen, Hoffnungen, verdrängte Erinnerungen und schöpferische Möglichkeiten existieren nebeneinander. Das Chaos ist hier kein Fehler, sondern der notwendige Nährboden der Wandlung. Ohne diese innere Reibung könnte keine Persönlichkeit entstehen.

Besonders eindrucksvoll erscheint der helle Kreis im unteren rechten Bereich. Der Kreis gehört zu den ältesten Symbolen der Ganzheit. Er erinnert an das Mandala, jenes Bild, das immer dann in Träumen und Visionen auftaucht, wenn die Seele versucht, ihre innere Ordnung wiederzufinden. Obwohl der Kreis scheinbar im Chaos schwebt, bleibt er unversehrt. Das Selbst kann verschüttet werden, aber es geht niemals verloren. Es wartet geduldig darauf, vom Bewusstsein wieder erkannt zu werden.

Der Titel verändert die Wahrnehmung des gesamten Bildes. „Und ich tauche wieder ein in die Zeit“ beschreibt keinen Rückschritt. Vielmehr wird deutlich, dass der Mensch die zeitlose Dimension nicht verlassen muss, um in der Welt zu handeln. Er nimmt sie als unsichtbare Mitte mit sich. Die Zeit wird dadurch nicht zum Gefängnis, sondern zum Raum der Verwirklichung. Erst in der Begrenzung kann das Unbegrenzte Gestalt annehmen.

So erzählt dieses Werk nicht von einem Verlust der Ewigkeit, sondern von ihrer Verkörperung. Der Mensch steigt in die Zeit hinab, damit das Ewige Erfahrung sammeln kann. Jede Begegnung, jede Wunde, jede Freude und jede Krise wird Teil eines größeren alchemistischen Prozesses. Am Ende entdeckt der Suchende, dass der Weg durch die Zeit niemals von der Ewigkeit getrennt war. Beides sind keine Gegensätze, sondern zwei Ausdrucksformen derselben Wirklichkeit.

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Kalenderblatt
27. Juli

Gemeinsam öffnen wir Welten

Kalenderblatt vom 27. Juli
„Gemeinsam öffnen wir Welten“
„Together we open worlds“
„Juntos abrímos mundos“

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es gibt Türen, die aus Holz gebaut sind. Andere bestehen aus Stein oder Glas. Und dann gibt es jene seltenen Türen, die nur dann sichtbar werden, wenn zwei Menschen den Mut haben, gemeinsam auf sie zuzugehen. Dieses Bild erzählt von einer solchen Tür.

Drei kraftvolle Farbräume stehen nebeneinander wie eigenständige Welten. Links ruht das Dunkel. Es trägt die Erinnerungen, die Erfahrungen, die Narben und all das Ungesagte in sich. Es ist der Ort, an dem jeder Mensch seine Geschichte mit sich trägt. Daneben lodert ein leuchtendes Rot. Hier geschieht die Entscheidung. Hier entsteht Bewegung. Hier verwandelt sich Stillstand in Aufbruch. Rechts schließlich öffnet sich ein vibrierendes Grün, voller Leben, Möglichkeiten und Zukunft. Es ist kein fertiges Paradies, sondern ein Raum, der erst durch bewusstes Betreten lebendig wird.

Mitten durch diese drei Bereiche zieht sich eine silberne Form wie ein schmaler Lichtkeil. Sie wirkt wie ein Weg, eine Brücke oder der erste Sonnenstrahl nach einer langen Nacht. Sie verbindet nicht nur Farben. Sie verbindet Wirklichkeiten. Sie erinnert daran, dass Entwicklung niemals darin besteht, das Alte zu verleugnen, sondern es mit dem Neuen zu verbinden. Aus Trennung entsteht Beziehung. Aus Distanz wird Begegnung.

Der schmale goldene Streifen zwischen Rot und Grün ist kaum wahrnehmbar und doch unverzichtbar. Jede große Veränderung beginnt mit einem winzigen Spalt, durch den das Licht eintreten darf. Nicht Gewalt öffnet Welten. Nicht Lautstärke. Sondern die Bereitschaft, einen ersten Schritt aufeinander zuzugehen.

Vielleicht spricht dieses Bild deshalb nicht vom Einzelnen, sondern vom Gemeinsamen. Kein Mensch erkennt die ganze Wirklichkeit allein. Jeder bringt eine Farbe mit, eine Erfahrung, einen Blickwinkel, eine Wahrheit. Erst wenn diese Unterschiede nicht mehr gegeneinander kämpfen, sondern sich gegenseitig bereichern, entsteht etwas Größeres als die Summe seiner Teile. Gemeinsam entsteht ein Raum, den keiner allein erschaffen könnte.

So wird dieses Bild zu einer stillen Erinnerung: Jede Begegnung kann ein Schlüssel sein. Jedes Gespräch kann eine Tür öffnen. Jeder Mensch trägt einen Teil einer Welt in sich, die darauf wartet, mit einer anderen Welt in Berührung zu kommen. Und genau dort, wo Vertrauen stärker wird als Angst, wo Verbindung wichtiger wird als Abgrenzung, beginnen sich Horizonte zu verschieben.

Welten öffnen sich nicht von selbst. Sie öffnen sich dort, wo Menschen den Mut finden, sie gemeinsam zu erschaffen.

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