Kalenderblatt
8. Oktober

Kalenderblatt 8. Oktober

Das Kalenderblatt zum 8. Oktober

„Matrix der Transformation“
„Matrix of Transformation“
„Matriz de la Transformación“

Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Die Bildfläche glüht. Orange, Rot, Ocker und dunkle Erdtöne lagern sich übereinander wie Schichten einer Landschaft, die nicht zur Ruhe gekommen ist. Linien brechen auf, verschwinden unter Farbe und tauchen an anderer Stelle wieder hervor. Dazwischen schneiden sich kühle blauviolette Spuren durch die Hitze.

Im Zentrum verdichtet sich die Bewegung. Eine helle, fast weißglühende Bahn durchzieht das Bild. Sie lässt sich nicht eindeutig benennen. Ist sie Fluss, Riss, Lichtspur, Nervenbahn oder eine Entladung von Energie?

Das Bild entscheidet sich nicht. Und gerade darin liegt seine Kraft.

„Matrix der Transformation“ zeigt keine Landschaft im herkömmlichen Sinn. Was zunächst wie Erde, Gestein, Feuer oder ein ausgetrocknetes Flussbett erscheint, verwandelt sich beim längeren Betrachten in einen inneren Raum. Materie wird Bewegung. Bewegung wird Energie. Energie beginnt, eine neue Ordnung hervorzubringen.

Die unterschiedlichen Oberflächen aus Acryl, Glitter und Acrylpaste verstärken diesen Eindruck. Licht wird eingefangen, gebrochen und wieder freigegeben. Manche Strukturen treten hervor, andere versinken. Das Bild verändert sich mit dem Blick.

Transformation erscheint dabei nicht als harmonischer Übergang. Etwas muss aufbrechen. Schichten verschieben sich. Bestehende Ordnungen verlieren ihre Sicherheit.

Doch nichts geht vollständig verloren.

Das Vergangene bleibt als Spur gegenwärtig und wird zum Material des Kommenden. Unter der sichtbaren Oberfläche scheint sich deshalb eine zweite Ordnung zu bilden, eine Matrix, die noch keine endgültige Gestalt besitzt.

Hier berührt das Werk seine spirituelle Dimension.

Nicht, weil es eine jenseitige Welt darstellen würde. Im Gegenteil: Alles geschieht in der Materie selbst. In Farbe, Erde, Hitze, Riss und Verdichtung beginnt etwas aufzuleuchten.

Das Licht kommt nicht von außen.
Es entsteht mitten in der Materie.

Vielleicht beginnt Transformation genau dort: nicht indem das Gewesene ausgelöscht wird, sondern indem es sich verwandelt und etwas sichtbar werden lässt, das zuvor verborgen war.

Das Bild zeigt deshalb keinen Endpunkt.
Es zeigt den Augenblick des Werdens.

Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
8. Oktober

Strand der verlassenen Schatzinsel

Kalenderblatt vom 8. Oktober

„Strand der verlassenen Schatzinsel“
„The beach of the abandoned treasure island“
„La playa de la isla  del tesoro
abandonada“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Vielleicht ist es ein Strand. Vielleicht die Erinnerung an einen Ort, den es so nie gegeben hat.

Das Bild bewegt sich an der Grenze zwischen Landschaft und Abstraktion. In der oberen Bildhälfte verdichten sich Gelb, Orange, Rostrot, Violett und dunkle erdige Spuren zu einer vielschichtigen, beinahe verwitterten Oberfläche. Formen treten hervor und verlieren sich wieder. Man meint Felsen zu erkennen, Mauern, eine ferne Küstenlinie, vielleicht die Spuren von etwas, das einmal da war.

Doch nichts wird eindeutig.

Darunter öffnet sich das Bild. Weiß, Kobaltblau und leuchtendes Gelb bilden eine helle, bewegte Zone. Sie lässt an Wasser denken, an Gischt, Sand und das flirrende Licht eines Morgens am Meer. Zugleich bleibt auch dieser Bereich ganz Malerei: Farbe über Farbe, Fläche gegen Fläche, Spur neben Spur.

Die Acrylpaste verleiht dem kleinen Format eine überraschende Körperlichkeit. Die Oberfläche wirkt abgelagert, aufgebrochen, übermalt und wieder freigelegt. Als hätten Sonne, Salz und Zeit selbst an diesem Bild gearbeitet.

Der Titel „Strand der verlassenen Schatzinsel“ führt eine Geschichte ein, erzählt sie aber nicht zu Ende. Die Insel bleibt menschenleer. Kein Schiff liegt vor der Küste, keine Gestalt erscheint, kein Schatz wird sichtbar.

Vielleicht befindet er sich unter den Schichten.

Vielleicht wurde er längst gefunden.

Oder vielleicht besteht der Schatz gerade in dem, was sich nicht finden und nicht vollständig erklären lässt.

So wird die Landschaft zu einem inneren Ort: zwischen Erinnerung und Vorstellung, zwischen Verlorenem und Erwartetem, zwischen dem Sichtbaren und dem, was sich dahinter verbirgt.

Zurück bleibt ein Strand ohne Menschen.
Eine Insel ohne Gewissheit.
Und Farbe, die sich erinnert.

Teile diesen Beitrag