
Kalenderblatt vom 17. März
“Abendrot”
“Sunset”
“Luz crepuscular”
Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
„Abendrot“ ist kein Abbild eines Sonnenuntergangs, es ist die Essenz des Moments, in dem der Tag sein letztes Geheimnis preisgibt. In dieser kleinen, intensiven Bildfläche verdichtet sich eine Stimmung, die zugleich archaisch und still wirkt: der Übergang vom Licht in die Nacht, vom Außen ins Innere.
Die Komposition wird von kraftvollen, schräg gesetzten Flächen getragen, die wie geologische Schichten eines inneren Landschaftsraums erscheinen. Erdige Brauntöne, durchsetzt mit Quarzsand und strukturierten Acrylschichten, verleihen dem Bild eine beinahe mineralische Präsenz. Die Oberfläche wirkt nicht gemalt, sondern gewachsen, sedimentiert, über Zeit entstanden, als hätte sich hier die Erinnerung an viele Abende eingeschrieben.
Im Zentrum glimmt ein warmes, leuchtendes Feld: das eigentliche Abendrot. Es ist kein realistischer Sonnenball, sondern eher ein inneres Feuer, das durch die materiellen Schichten hindurchscheint. Dieses Licht wirkt wie ein letzter Atemzug des Tages, ein Moment des Innehaltens zwischen Aktivität und Stille. Es strahlt nicht laut, es glimmt, pulsiert, erinnert.
Ein markanter, horizontaler roter Balken durchschneidet die Bildfläche wie eine Linie der Entscheidung. Er wirkt wie ein Horizont, eine Grenze, ein Übergang. Hier begegnen sich Bewegung und Ruhe, oben und unten, Himmel und Erde. Der Rotton ist klar und intensiv, ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zu den erdigen, rauen Flächen der Umgebung. Dadurch entsteht eine Spannung, die das Bild energetisch auflädt.
Die kühlen, blau strukturierten Partien am Rand wirken wie die herannahende Nacht, die das warme Licht des Abends langsam umhüllt. Ihre Texturen erinnern an Wind, an Wasser oder an den stillen Atem der Landschaft im Dämmerlicht. Sie rahmen das warme Zentrum ein und verstärken seine Leuchtkraft.
Gerade die Kombination aus feiner Aquarellbüttenstruktur, sandiger Materialität und kraftvoller Farbarchitektur macht das Bild zu einer sinnlichen Erfahrung. Man sieht nicht nur, man spürt die Oberfläche, die Körnung, die Spuren der Bewegung.
So erzählt „Abendrot“ letztlich von mehr als einem Tagesende. Das Bild spricht von Übergängen: vom Tun zum Sein, vom Licht zum Dunkel, vom Außen zur inneren Wahrnehmung. Es erinnert daran, dass gerade im Verschwinden des Tages eine besondere Schönheit liegt – eine stille Glut des Lebens, die noch einmal aufleuchtet, bevor sie sich in die Nacht hinein löst.
Dieses kleine Werk wirkt dadurch wie ein verdichteter Moment der Kontemplation, ein visueller Atemzug, der den Betrachter einlädt, selbst kurz innezuhalten und das leise, goldene Flimmern des ausklingenden Tages zu spüren.
