Kalenderblatt
15. Juni

Im Strandhaus

Das Kalenderblatt zum 15. Juni
“Im Strandhaus”
“En la casa de la playa”
“In the beach house”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Vor vielen Jahren, als die Welt noch voller verborgener Orte war, stand am Rand eines einsamen Meeres ein kleines Haus, das die Fischer nur „das Strandhaus zwischen den Zeiten“ nannten. Niemand wusste genau, wem es gehörte. Manche behaupteten, es sei von einem Seefahrer erbaut worden, der den Horizont suchte. Andere waren überzeugt, dort wohne die Erinnerung selbst.

Eines Tages kam ein Wanderer an diesen Ort. Die Sonne stand hoch am Himmel und tauchte alles in ein goldenes Licht, das Meer, die Dünen und sogar die Luft schienen daraus gemacht zu sein. Als er das Strandhaus betrat, bemerkte er etwas Merkwürdiges. Mitten im Raum wuchs ein alter Ast aus dem Boden, als hätte ein Baum beschlossen, nicht mehr im Wald, sondern im Haus zu leben.

Der Ast war knorrig und verdreht, und an seinen Enden hingen vertrocknete Blätter wie kleine Glocken. Doch als der Wanderer näher trat, hörte er ein leises Flüstern. Es war, als würden die Blätter Geschichten erzählen, von fernen Ländern, verlorenen Lieben und Träumen, die nie ganz verschwunden waren.

Über dem Ast schwebte ein Nest aus Zweigen. Darin saß eine kleine Gestalt, kaum größer als ein Vogel. Sie trug einen Mantel aus Herbstfarben und blickte aufmerksam auf den Besucher herab.

„Wer bist du?“, fragte der Wanderer.

Die Gestalt lächelte. „Ich bin die Hüterin der Dinge, die Menschen vergessen haben.“

„Und warum wohnst du hier?“

„Weil das Meer alles bringt, was verloren geht, und der Wind alles zurückträgt, was gefunden werden will.“

Der Wanderer setzte sich auf den Boden und lauschte. Stundenlang erzählte die Hüterin Geschichten. Von Kindern, die ihre Träume aufgegeben hatten. Von Alten, die sich an ihr erstes Lachen erinnerten. Von Künstlern, die glaubten, ihre Inspiration verloren zu haben, obwohl sie nur einen anderen Weg genommen hatte.

Als die Sonne langsam unterging, begann der Ast zu leuchten. Aus den vertrockneten Blättern wurden plötzlich kleine goldene Blüten. Jede Blüte enthielt eine Erinnerung, die darauf wartete, wiederentdeckt zu werden.

Die Hüterin pflückte eine davon und legte sie dem Wanderer in die Hand.

„Nimm sie mit. Sie wird dich an das erinnern, was in deinem Herzen nie verloren gegangen ist.“

Der Wanderer blickte auf die Blüte. In ihrem Inneren sah er all die Wege, die er gegangen war, die Menschen, die er geliebt hatte, und die Sehnsüchte, die ihn einst aufbrechen ließen. Er verstand, dass nichts wirklich verschwindet. Manche Dinge warten lediglich auf den richtigen Augenblick, um wieder gesehen zu werden.

Als er das Strandhaus verließ, war die Nacht bereits über das Meer gezogen. Er drehte sich noch einmal um. Doch das Haus war verschwunden. Nur der goldene Schein am Horizont blieb zurück.

Seitdem erzählen die Fischer, dass man an manchen Abenden, wenn Himmel und Meer dieselbe Farbe tragen, weit draußen ein geheimnisvolles Leuchten sehen kann. Dann erscheint für einen kurzen Moment das Strandhaus zwischen den Zeiten, und die Hüterin sitzt noch immer in ihrem Nest aus Zweigen und bewacht geduldig die Erinnerungen der Welt.

Denn alles, was wirklich zu uns gehört, findet irgendwann den Weg zurück.

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Kalenderblatt
15. Juni

Kalenderblatt 15. Juni

Das Kalenderblatt zum 15. Juni
“Tanz der offenen Horizonte”
“Dance of the Open Horizons”
“Danza de los Horizontes Abiertos”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Ein Bild voller Bewegung, Verdichtung und Aufbruch. Es scheint keinen festen Mittelpunkt zu besitzen und doch zieht es den Blick unaufhaltsam in sein pulsierendes Inneres. Die leuchtenden Rot-, Orange- und Goldtöne entfalten eine Energie, die an Feuer erinnert, aber nicht zerstört, sondern verwandelt. Es ist, als würden hier Kräfte sichtbar werden, die normalerweise unter der Oberfläche des Bewusstseins verborgen bleiben.

Die verschiedenen Farbschichten überlagern sich wie Erinnerungen, Erfahrungen und Möglichkeiten. Nichts erscheint endgültig abgeschlossen. Alles befindet sich in einem Zustand des Werdens. Die offenen Formen verweigern sich einer klaren Begrenzung und laden dazu ein, den eigenen Blick immer wieder neu auszurichten. Gerade darin liegt die besondere Kraft dieses Werkes: Es erzählt nicht von einer fertigen Welt, sondern von einer Welt im Entstehen.

Zwischen den kraftvollen roten Flächen entstehen Räume, die wie Übergänge wirken, Schwellen zwischen Bekanntem und Unbekanntem, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die dunkleren Akzente geben dem Bild Halt und Tiefe, während die hellen Lichtfelder wie Fenster in neue Möglichkeiten erscheinen. Hier begegnen sich Chaos und Ordnung nicht als Gegensätze, sondern als Tanzpartner.

Der Titel verweist auf Horizonte, doch diese Horizonte liegen nicht am Rand des Bildes. Sie öffnen sich im Inneren des Betrachters. Das Werk erinnert daran, dass Entwicklung selten geradlinig verläuft. Neue Wege entstehen oft dort, wo alte Sicherheiten verschwinden. Was zunächst wie ein Wirbel erscheint, offenbart sich bei längerem Betrachten als ein lebendiger Prozess des Wachsens und Sich-Entfaltens.

So wird dieses Bild zu einer Einladung, den Mut zum Offenen zu bewahren. Jeder Horizont, der sich öffnet, fordert Bewegung. Jeder Schritt ins Unbekannte birgt die Möglichkeit einer neuen Wirklichkeit. Die vibrierenden Farben und die dynamische Struktur machen sichtbar, was Worte oft nur schwer beschreiben können: den Augenblick, in dem das Leben beginnt, über seine bisherigen Grenzen hinauszuwachsen.

„Tanz der offenen Horizonte“ ist damit mehr als eine abstrakte Komposition. Es ist ein Sinnbild für Transformation, schöpferische Freiheit und das Vertrauen, dass hinter jedem erreichten Horizont bereits der nächste auf uns wartet.

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