
Kalenderblatt vom 30. Juli
„Der Medizinmann der Cheyenne badet im Yellowstone River“
„The medicine man of the Cheyenne is bathing in the Yellowstone River“
„El curandero de los cheyenes esta bañandose en el río Yellowstone“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
Der Medizinmann der Cheyenne badet nicht nur im Wasser des Yellowstone River. Er taucht in einen Raum ein, in dem Erinnerung, Reinigung und Wandlung eins werden. Das tiefe Blau ist mehr als Farbe. Es wirkt wie eine lebendige Strömung des Bewusstseins, die alles Überflüssige fortträgt und nur das Wesentliche zurücklässt.
Die rote Vertikale erscheint wie ein Kraftzeichen. Sie erinnert an einen Menschen, eine Flamme oder einen geöffneten Kanal zwischen Himmel und Erde. Sie steht still und doch voller Spannung. Darunter zieht sich eine rote Diagonale durch das Blau. Sie wirkt wie ein Weg, der nicht gerade verläuft, sondern den Mut verlangt, den eigenen inneren Ruf anzunehmen.
Am rechten Bildrand löst sich die Oberfläche auf. Das Weiß ist kein Mangel, sondern eine Öffnung. Alte Schichten brechen ab, damit etwas Neues sichtbar werden kann. Der Medizinmann verlässt den Fluss nicht als derselbe Mensch, der ihn betreten hat. Das Bad wird zum Sinnbild einer inneren Einweihung.
Das Bild erzählt deshalb weniger von einem historischen Ort als von einem zeitlosen Vorgang. Jeder Mensch kennt Augenblicke, in denen das Leben alles Vertraute abwäscht und eine tiefere Klarheit zurückbleibt. Vielleicht ist der Yellowstone River letztlich jener innere Strom, der seit Anbeginn durch die Seele fließt und darauf wartet, wieder betreten zu werden.
