
Das Kalenderblatt zum 8. April
“VollmondSonne”
“Sun of the Full Moon”
“Sol de Luna Llena”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Zwischen den Schichten der Welt, dort, wo Farben zu Erinnerungen werden und Licht zu einer Sprache, die nur das Herz versteht, geschah etwas Ungewöhnliches: Die Sonne beschloss, sich dem Mond zu nähern.
Nicht aus Trotz, nicht aus Neugier, sondern aus einer tiefen, uralten Sehnsucht heraus.
Seit Anbeginn der Zeit hatten sie einander umkreist, getrennt durch die Gesetze des Himmels. Die Sonne, strahlend, gebend, unermüdlich, der Mond, still, empfangend, geheimnisvoll. Doch in dieser einen Nacht, die keine Nacht war und kein Tag, begann sich das Gefüge zu lösen. Ein leuchtender Riss ging durch die Wirklichkeit.
Die Sonne trat hervor, nicht mehr fern am Himmel, sondern greifbar, golden, warm wie eine lebendige Erinnerung. Sie senkte sich herab in eine Welt aus fließenden Farben, in der alles in Bewegung war, Gedanken, Träume, alte Muster. Und dort wartete der Mond bereits, verborgen in den tiefen Grün- und Blautönen, als hätte er schon immer gewusst, dass dieser Moment kommen würde.
„Warum bist du gekommen?“ fragte der Mond, doch seine Stimme war kein Klang, sie war ein Schwingen, ein inneres Erkennen.
Die Sonne antwortete nicht sofort. Stattdessen breitete sie ihr Licht aus, ließ es durch die Strukturen der Welt gleiten, über alte Risse, über verborgene Linien, über all das, was jemals getrennt gewesen war. Und alles begann zu leuchten.
„Weil wir vergessen haben, dass wir eins sind,“ sagte sie schließlich.
In diesem Augenblick geschah das Unfassbare: Der Mond trat ins Licht und die Sonne ließ Schatten zu. Es war keine Verschmelzung im gewöhnlichen Sinne. Es war ein Erinnern. Ein Wiederfinden. Ein uraltes Wissen, das plötzlich wieder da war.
Die Welt hielt den Atem an.
Die Farben begannen zu tanzen, nicht chaotisch, sondern geführt von einer unsichtbaren Ordnung. Gold und Tiefe, Wärme und Stille, Bewegung und Ruhe, alles verband sich zu einem einzigen lebendigen Puls.
Und wer diesen Moment sah, der verstand etwas, das sich nicht in Worte fassen ließ:
Dass Licht ohne Dunkelheit blind ist.
Dass Dunkelheit ohne Licht vergessen würde, dass sie leuchten kann.
Und dass wahre Ganzheit erst entsteht, wenn beides sich erkennt.
Seit jener Begegnung nennen manche diesen Zustand „VollmondSonne“.
Doch jene, die tiefer schauen, wissen:
Es ist kein Zustand, es ist eine Erinnerung daran, wer wir wirklich sind.
