Kalenderblatt
23. März

Traumstadt

Das Kalenderblatt zum 23. März
“Traumstadt”
“Dream City”
“Ciudad de los sueños”

Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Die Stadt erschien nicht auf Karten. Man konnte sie nicht suchen, nicht finden, nur hineingeraten, wenn der Moment zwischen Wachen und Träumen dünn wurde wie ein Atemzug im Winter.

In jener Nacht geschah es.

Er ging durch eine Tür, die am Abend noch nicht existiert hatte, eine schmale Spalte zwischen zwei Gedanken  und trat hinaus in ein flirrendes Geflecht aus Farben, Formen und Erinnerungen. Vor ihm erhob sich die Traumstadt: Häuser, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie aus Licht oder aus Materie bestanden, Straßen, die sich wie lebendige Linien umeinander wanden, und Fenster, hinter denen keine Räume lagen, sondern Gefühle.

Alles pulsierte.

Blau vibrierte wie ein leiser Gesang, Gelb flackerte wie flüchtige Erkenntnisse, und Rot zog sich wie Spuren längst vergessener Entscheidungen durch die Wände. Nichts war fest, nichts war endgültig  und doch hatte alles eine unerschütterliche Wahrheit in sich.

Er ging weiter.

Unter seinen Füßen veränderte sich der Boden bei jedem Schritt. Mal war er rau wie alte Erinnerungen, mal weich wie Hoffnung. Linien kreuzten sich, verloren sich, fanden sich wieder, wie Wege, die nie gegangen wurden und doch existierten. Über ihm spannte sich kein Himmel, sondern ein Geflecht aus Möglichkeiten, das in tausend Richtungen zugleich führte.

Dann sah er sie.

Mitten in diesem lebendigen Chaos stand eine Form, halb Tor, halb Wesen, gezeichnet in fließenden Linien, als wäre sie gerade erst entstanden, oder würde im nächsten Moment verschwinden. Sie wartete.

„Du bist also gekommen“, sagte sie, ohne zu sprechen.

Er wusste nicht, woher er die Antwort nahm, doch sie war bereits in ihm: „Ich habe dich gesucht.“

Ein leises, kaum sichtbares Flimmern ging durch die Stadt. Die Farben verdichteten sich, als lauschten sie.

„Niemand sucht die Traumstadt“, erwiderte die Gestalt. „Man wird von ihr gerufen.“

Er spürte, wie sich etwas in ihm öffnete, ein Raum, den er lange verschlossen gehalten hatte. Bilder stiegen auf: verpasste Chancen, ungelebte Leben, Worte, die nie ausgesprochen wurden. Und plötzlich verstand er, dass diese Stadt nicht außerhalb von ihm existierte.

Sie war sein Innerstes, sichtbar geworden.

Jeder Farbstrich war ein Gedanke, jede Schicht ein Gefühl, jede Linie ein Versuch, sich selbst zu begreifen. Die scheinbare Unordnung war kein Chaos, sie war Wahrheit in Bewegung.

„Warum bin ich hier?“ fragte er.

Die Gestalt schimmerte, als würde sie sich neu zusammensetzen.

„Um zu sehen“, antwortete sie. „Und vielleicht… um zu erinnern.“

In diesem Moment begann die Stadt sich zu verändern. Die Linien wurden klarer, die Farben tiefer. Nicht ruhiger, aber bewusster. Er erkannte Muster, wo vorher nur Überlagerung gewesen war. Verbindungen, wo vorher nur Zufall schien.

Und dann verstand er das größte Geheimnis der Traumstadt:

Sie war niemals fertig.

Sie wuchs mit jedem Gedanken, veränderte sich mit jedem Gefühl, zerfiel und entstand zugleich, ein ewiges Werden. Und jeder, der sie betrat, hinterließ Spuren, die sich in ihr einwebten.

„Kann ich bleiben?“ fragte er leise.

Ein sanftes Leuchten umhüllte ihn.

„Du bist nie fort gewesen.“

Als er die Augen öffnete, war die Tür verschwunden.

Doch etwas war geblieben.

In ihm leuchtete noch immer dieses vibrierende Geflecht aus Farben und Möglichkeiten  und er wusste, dass er jederzeit zurückkehren konnte.

Nicht indem er suchte.

Sondern indem er sich erinnerte, dass auch in ihm eine Stadt existierte, die darauf wartete,  gesehen zu werden.

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Kalenderblatt
23. März

Tibetischer Morgengruß

Das Kalenderblatt zum 23. März
“Tibetischer Morgengruß”
“Tibetan Morning Salutation”
“Saludo tibetano mañanero”

Pastellkreide, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Im ersten Atemzug des Tages, noch bevor die Welt sich ihrer selbst bewusst wird, geschieht etwas, das nur jene wahrnehmen, die still genug geworden sind. Hoch oben, jenseits der gewöhnlichen Gedanken, beginnt ein leiser Ruf, kaum hörbar, doch durchdringend wie das erste Licht.

In einem abgelegenen Tal, verborgen zwischen uralten Bergen, erwacht ein alter Mönch. Sein Körper ist gebrechlich geworden, doch in seinem Inneren trägt er eine unerschütterliche Glut, die Zeit und Vergessen überdauert hat. Er tritt vor die Schwelle seiner kleinen Behausung, barfuß auf die kühle Erde, und hebt den Blick.

Der Himmel ist kein gewöhnlicher Himmel an diesem Morgen. Er glüht. Rot wie das pulsierende Herz der Erde, durchzogen von fließenden Schleiern aus Violett und Gold. Und dann, wie aus dem Nichts geboren, erscheint sie: eine kreisende, lebendige Sonne, nicht nur Licht, sondern Bewusstsein selbst, das sich in Farbe offenbart.

Der Mönch neigt den Kopf, nicht aus Gewohnheit, sondern aus tiefer Erinnerung. Denn dies ist kein neuer Anblick. Es ist ein uraltes Wiedersehen.

„Du bist zurückgekehrt“, flüstert er, doch seine Stimme ist kaum mehr als ein Gedanke.

Die Sonne antwortet nicht in Worten. Sie dehnt sich aus, pulsiert, atmet und mit ihr beginnt die Welt zu schwingen. Die Luft wird dichter, wärmer, durchdrungen von einer Kraft, die nicht nur wärmt, sondern erinnert. In diesem Moment weiß der Mönch: Dies ist der tibetische Morgengruß, ein Ritual ohne Hände, ohne Form, ein Dialog zwischen Seele und Ursprung.

Er schließt die Augen.

Und plötzlich ist er nicht mehr alt. Nicht mehr begrenzt. Sein Körper löst sich auf in reines Empfinden. Er ist das Rot, das sich über die Erde legt. Er ist das Gold, das aus der Mitte herausstrahlt. Er ist das Violett, das den Raum zwischen den Dingen hält.

Und dann geschieht es.

Ein leiser Riss geht durch die Stille, nicht zerstörend, sondern öffnend. Etwas in ihm, das lange geschlafen hat, beginnt sich zu erinnern: Er ist nicht hier, um zu suchen. Er ist hier, um zu empfangen.

Als er die Augen wieder öffnet, ist die Sonne noch da, doch sie verändert sich. Sie zieht sich zurück, nicht weil sie verschwindet, sondern weil sie sich in alles hinein verteilt. In die Luft, in die Erde, in sein Herz.

Der Tag beginnt.

Doch nichts ist mehr wie zuvor.

Denn der Mönch trägt nun den Morgengruß in sich, nicht als Bild, nicht als Erinnerung, sondern als lebendige Gegenwart. Und jeder Schritt, den er von nun an geht, ist ein stilles Echo dieses Moments.

Und irgendwo, weit entfernt und doch ganz nah, wartet die Sonne bereits auf den nächsten, der bereit ist, sie nicht nur zu sehen, sondern wirklich zu empfangen.

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