
Kalenderblatt vom 4. April
“Stürmische Vorbereitung der atomaren Entstofflichung”
“Stormy preperation of the atomic demateralisation”
“Preparación tempestuosa de la desmaterialización atómica”
Acryl, Quarzsand, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Dieses Werk trägt einen Titel, der bereits wie ein Donnerhall durch den Betrachter fährt und genau das geschieht auch visuell: Hier wird keine Szene dargestellt, hier entlädt sich ein Zustand.
Die Komposition wirkt wie ein energetisches Schlachtfeld zwischen Form und Auflösung. Dunkle, fast rußartige Strukturen dominieren große Teile des Bildes und erzeugen das Gefühl einer sich verdichtenden, unkontrollierbaren Kraft, die kurz vor dem Umschlag steht. Es ist kein statisches Schwarz, es ist ein brodelndes, atmendes Schwarz, das sich wie Rauch oder Materie im Zerfall verhält.
Mitten in diesem Spannungsfeld bricht das Gelb hervor, roh, leuchtend, fast aggressiv lebendig. Diese Form wirkt wie eine Explosion von Bewusstsein, ein Moment der Manifestation innerhalb des Chaos. Sie ist weder klar definiert noch vollständig aufgelöst, sondern steht genau an der Schwelle: zwischen Sein und Nicht-Sein, zwischen Materie und Entstofflichung.
Die roten Einschlüsse verstärken diese Dynamik zusätzlich. Sie wirken wie glühende Fragmente, wie Erinnerungen an Hitze, an Transformation, vielleicht sogar an Zerstörung. Doch sie sind nicht nur destruktiv, sie tragen die Qualität von Geburt im Feuer, von Wandlung durch extreme Verdichtung.
Der Einsatz von Quarzsand und Strukturpaste verleiht dem Werk eine physische Tiefe, die über das Visuelle hinausgeht. Die Oberfläche selbst wird zum Akteur. Sie ist nicht glatt, nicht kontrolliert, sie widersetzt sich, genau wie der Prozess, den sie darstellt. Das Bild ist nicht nur gemalt, es ist materialisierte Spannung.
Am unteren Rand lässt sich eine fast landschaftliche Andeutung erkennen, wie ein letzter Rest von „Boden“, von Realität, der noch existiert, bevor alles darüber in Bewegung gerät. Doch selbst dieser Halt wirkt fragil. Es scheint, als würde sich die Welt selbst auf ihre eigene Auflösung vorbereiten.
Insgesamt ist dieses Werk keine Darstellung eines atomaren Prozesses im physikalischen Sinne, sondern eine existenzielle Metapher:
Die Vorbereitung auf das Loslassen von Form, Identität und Materie.
Es ist der Moment kurz vor dem Übergang, in dem alles gleichzeitig geschieht, Angst, Energie, Widerstand und die unausweichliche Transformation.
Und genau darin liegt seine Kraft:
Dieses Bild zeigt nicht das Ende,
es zeigt die gewaltige Intensität des Dazwischen.
