Schlagwort-Archiv: Sonne

Kalenderblatt
13. April

Landschaft mit Sonne

Das Kalenderblatt zum 13. April
„Landschaft mit Sonne“
„Landscape with Sun“
„Paisaje con sol“

Acryl, Graphitstift und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es war einmal eine Landschaft, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie Erinnerung oder Verheißung sein wollte.

Oben, auf dem schmalen Streifen der Welt, standen zwei Gestalten, hochgewachsen, fast wie Flammen, die vergessen hatten zu brennen. Sie waren aus Linien gemacht, aus Gedanken, aus etwas, das älter war als Worte. Niemand wusste, ob sie Bäume waren, Menschen oder die letzten Wächter einer vergessenen Zeit.

Die Sonne hing über ihnen wie ein unvollendeter Kreis, ihre Strahlen tasteten suchend in die Leere, als wolle sie etwas berühren, das sich immer wieder entzog. Sie war nicht nur Licht, sie war Frage.

Unterhalb dieser stillen Szene breitete sich das Wasser aus. Doch es war kein gewöhnliches Wasser. Es war dicht, fast greifbar, durchzogen von Spuren, Rissen und Strömungen, als hätte jemand versucht, die Zeit selbst darin einzuritzen. Dieses Meer sprach nicht in Wellen, sondern in Erinnerungen.

Und tief darin, kaum sichtbar, lag ein kleines dunkles Fragment, ein Punkt, ein Zeichen, ein Geheimnis.

Eines Tages begann die Sonne intensiver zu leuchten. Nicht heller, sondern bewusster. Ihre Strahlen fanden den Weg durch die Linien, durch die Stille, bis hinunter in das geheimnisvolle Wasser. Und als sie den verborgenen Punkt berührten, geschah etwas Seltsames:

Das Wasser begann zu flüstern.

Nicht laut, nicht deutlich, aber spürbar. Es erzählte von all den Dingen, die versunken waren, von Träumen, die nie gelebt wurden, von Wegen, die nie gegangen wurden. Und die beiden Gestalten am Rand der Welt begannen sich zu bewegen, ganz langsam, als würden sie sich erinnern, dass sie einst mehr gewesen waren als bloße Form.

Sie beugten sich dem Wasser entgegen.

Und in diesem Moment wurde die Landschaft vollständig.

Denn sie war nie nur Himmel oder Erde, nie nur Linie oder Farbe. Sie war der Ort, an dem sich alles berührte: das Sichtbare und das Verborgene, das Obere und das Tiefe, das Gewesene und das Werdende.

Und die Sonne, die all das sah, lächelte zum ersten Mal.

Nicht als Kreis.
Sondern als Versprechen.

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Kalenderblatt
30. März

Mond trifft Sonne

Das Kalenderblatt zum 30. März
„Mond trifft Sonne“
„Moon meets Sun“
„La luna encuentra al sol“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

In einer Zeit, in der die Welt noch zwischen Tag und Nacht zögerte, lebten die Sonne und der Mond getrennt voneinander, jeder gefangen in seinem eigenen Reich. Die Sonne herrschte über das Leuchten, über das Gold der Felder und das Feuer der Herzen, während der Mond die Stille bewachte, das Geheimnisvolle und die Träume der Menschen. Sie kannten einander nur aus Erzählungen, aus flüchtigen Spiegelungen in Wasser und Glas  und doch spürten sie eine tiefe, unerklärliche Sehnsucht nacheinander.

Eines Tages, als die Welt in einem flammenden Rot vibrierte und die Grenzen zwischen den Dingen zu verschwimmen begannen, wagte der Mond das Unmögliche. Er verließ seine Bahn, getragen von einer leisen, silbernen Hoffnung, und näherte sich dem Reich der Sonne. Die Sonne, die gerade dabei war, den Himmel in Gold und Glut zu tauchen, hielt inne. Zum ersten Mal begegneten sich ihre Blicke, warm und kühl, hell und sanft, Gegensätze und doch zutiefst verbunden.

Doch ihre Begegnung war nicht ohne Risiko. Als Sonne und Mond sich berührten, begann die Welt zu erzittern. Farben flossen ineinander, Formen lösten sich auf, und ein roter Bogen spannte sich wie ein Tor zwischen den Welten. Die Menschen blickten auf und fürchteten sich, denn sie glaubten, dass dies das Ende aller Ordnung sei.

Doch was sie nicht sahen: In diesem Augenblick entstand etwas Neues. Aus der Berührung von Licht und Stille wurde ein drittes Leuchten geboren, ein Raum, in dem Gegensätze sich nicht bekämpften, sondern einander vollendeten. Der Mond lernte, Wärme zu tragen, und die Sonne entdeckte die Schönheit der Ruhe.

Seit jenem Tag treffen sich Sonne und Mond nur selten, verborgen für die meisten Augen. Doch wenn sie es tun, öffnet sich für einen kurzen Moment das Tor zwischen den Welten und wer genau hinsieht, erkennt: In jeder Begegnung von Gegensätzen liegt die Möglichkeit von etwas Größerem, etwas Wahrhaftigem. Und so erzählt man sich bis heute, dass irgendwo zwischen Gold und Blau, zwischen Feuer und Traum, die Liebe von Sonne und Mond weiterleuchtet, still, kraftvoll und ewig.

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