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Kalenderblatt
14. April

Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es ...

Kalenderblatt vom 14. April
“Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es …”
“Call it sun, call it moon, call it …”
“Llama lo sol, llama lo luna, llama lo …”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es …“, schon dieser bewusst unvollendete Titel wirkt wie ein Schlüssel zu einem Raum, der sich jeder eindeutigen Definition entzieht. Dieses Bild fordert dich nicht auf, es zu verstehen, es fordert dich heraus, es zu erleben.

Im Zentrum thronteine kraftvolle, leuchtende Scheibe, roh und zugleich erhaben, durchzogen von Spuren, als hätte sie Zeitalter überdauert und Geschichten gespeichert. Sie ist nicht glatt, nicht idealisiert, vielmehr trägt sie die Wahrheit des Unperfekten, das gerade dadurch eine tiefere Authentizität ausstrahlt. Ist es eine Sonne, die Leben spendet? Ein Mond, der die Nacht erhellt? Oder ist es vielmehr ein innerer Kern, ein Symbol für das, was in uns selbst leuchtet, unabhängig von äußeren Zuschreibungen?

Der Hintergrund pulsiert in einer intensiven, fast archaischen Farbwelt aus flammendem Gelb, erdigem Rot und tiefem Grün, die sich in Schichten überlagern, aufbrechen und neu formieren. Hier entsteht kein statisches Bild, hier geschieht Bewegung. Es ist, als würdest du in einen Schöpfungsprozess blicken, in dem sich Chaos und Ordnung unaufhörlich neu austarieren. Inmitten dieses vibrierenden Feldes wirkt die helle Scheibe wie ein ruhender Pol, ein Ankerpunkt, der zugleich aus genau diesem Chaos hervorgegangen ist.

Gerade dieser Gegensatz entfaltet seine ganze Kraft: Unruhe und Stille, Verdichtung und Auflösung, Materie und Licht verschmelzen zu einer Einheit. Die Struktur, verstärkt durch Quarzsand und Acrylpaste, verleiht dem Werk eine fast greifbare Präsenz, als ließe sich die Oberfläche nicht nur sehen, sondern fühlen, ertasten, begreifen. Es ist diese physische Dimension, die das Bild aus der Fläche heraushebt und ihm eine unmittelbare, beinahe existenzielle Wirkung verleiht.

Doch die eigentliche Meisterschaft liegt in seiner Offenheit: Dieses Werk gibt dir keine Antwort, es stellt dir eine Frage. Was siehst du wirklich, wenn du aufhörst, Dinge benennen zu wollen? Genau hier entfaltet sich seine tiefste Wirkung. Denn in dem Moment, in dem du die Begriffe loslässt, beginnt sich etwas anderes zu zeigen: eine Erfahrung, die jenseits von Sprache liegt.

Am Ende ist es vielleicht weder Sonne noch Mond. Vielleicht ist es genau das, was entsteht, wenn du bereit bist, deine eigenen Projektionen zu erkennen  und loszulassen. Ein Bild, das nicht erklärt werden will, sondern dich daran erinnert, dass das Wesentliche immer jenseits der Worte liegt.

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Kalenderblatt
13. April

Landschaft mit Sonne

Das Kalenderblatt zum 13. April
“Landschaft mit Sonne”
“Landscape with Sun”
“Paisaje con sol”

Acryl, Graphitstift und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es war einmal eine Landschaft, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie Erinnerung oder Verheißung sein wollte.

Oben, auf dem schmalen Streifen der Welt, standen zwei Gestalten, hochgewachsen, fast wie Flammen, die vergessen hatten zu brennen. Sie waren aus Linien gemacht, aus Gedanken, aus etwas, das älter war als Worte. Niemand wusste, ob sie Bäume waren, Menschen oder die letzten Wächter einer vergessenen Zeit.

Die Sonne hing über ihnen wie ein unvollendeter Kreis, ihre Strahlen tasteten suchend in die Leere, als wolle sie etwas berühren, das sich immer wieder entzog. Sie war nicht nur Licht, sie war Frage.

Unterhalb dieser stillen Szene breitete sich das Wasser aus. Doch es war kein gewöhnliches Wasser. Es war dicht, fast greifbar, durchzogen von Spuren, Rissen und Strömungen, als hätte jemand versucht, die Zeit selbst darin einzuritzen. Dieses Meer sprach nicht in Wellen, sondern in Erinnerungen.

Und tief darin, kaum sichtbar, lag ein kleines dunkles Fragment, ein Punkt, ein Zeichen, ein Geheimnis.

Eines Tages begann die Sonne intensiver zu leuchten. Nicht heller, sondern bewusster. Ihre Strahlen fanden den Weg durch die Linien, durch die Stille, bis hinunter in das geheimnisvolle Wasser. Und als sie den verborgenen Punkt berührten, geschah etwas Seltsames:

Das Wasser begann zu flüstern.

Nicht laut, nicht deutlich, aber spürbar. Es erzählte von all den Dingen, die versunken waren, von Träumen, die nie gelebt wurden, von Wegen, die nie gegangen wurden. Und die beiden Gestalten am Rand der Welt begannen sich zu bewegen, ganz langsam, als würden sie sich erinnern, dass sie einst mehr gewesen waren als bloße Form.

Sie beugten sich dem Wasser entgegen.

Und in diesem Moment wurde die Landschaft vollständig.

Denn sie war nie nur Himmel oder Erde, nie nur Linie oder Farbe. Sie war der Ort, an dem sich alles berührte: das Sichtbare und das Verborgene, das Obere und das Tiefe, das Gewesene und das Werdende.

Und die Sonne, die all das sah, lächelte zum ersten Mal.

Nicht als Kreis.
Sondern als Versprechen.

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