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Kalenderblatt
16. April

Mond am Sonnenhimmel

Das Kalenderblatt zum 16. April
“Mond am Sonnenhimmel”
“Moon in the Solar Sky”
“Luna en el cielo del sol”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es war eine Zeit, in der der Himmel seine eigenen Regeln vergaß.

Die Menschen nannten es später „den Tag, an dem der Mond die Sonne berührte“, doch niemand wusste genau, wann es begann. Vielleicht geschah es in einer jener stillen Nächte, in denen die Welt den Atem anhält, oder in einem vergessenen Augenblick zwischen Traum und Erwachen.

An jenem Morgen jedoch blickten die Menschen hinauf  und erstarrten.

Dort, wo sonst die klare, unantastbare Sonne stand, schwebte etwas anderes: ein leuchtender, goldgrüner Kreis, durchzogen von geheimnisvollen Strukturen, als wäre er zugleich alt wie die Erde und jung wie der erste Gedanke. Und in seinem Inneren ruhte der Mond, nicht bleich und fern, sondern warm, lebendig, fast… wach.

Die Gelehrten stritten. Die Priester beteten. Die Kinder aber lächelten.

Denn die Kinder sahen, was die Erwachsenen verlernt hatten:
Dass der Himmel nicht festgefügt ist, sondern ein lebendiges Wesen.

In einem kleinen Dorf am Rand der Welt lebte ein Mädchen namens Liora. Sie war anders, nicht, weil sie etwas Besonderes konnte, sondern weil sie nicht verlernt hatte zu fühlen, wenn die Welt sprach. Als sie den Himmel sah, wusste sie sofort:
„Das ist kein Fehler… das ist eine Einladung.“

In der Nacht darauf, als alle schliefen, zog es sie hinaus auf die Felder. Der Himmel war nun ein tiefes, atmendes Blau, und der seltsame Kreis glühte sanft wie ein Herz. Liora setzte sich ins Gras und flüsterte:
„Warum bist du hier?“

Und zu ihrer Verwunderung antwortete der Himmel.

Nicht mit Worten, sondern mit einem Gefühl, das sich wie warmes Licht durch ihr Inneres bewegte:
„Weil ihr vergessen habt, dass Gegensätze sich nicht bekämpfen müssen.“

Der Mond, so spürte sie, hatte sich nicht verirrt.
Er war gekommen, um etwas zu zeigen.

Früher, so erzählte das Licht in ihr, lebten Sonne und Mond nicht getrennt. Sie waren zwei Gesichter eines einzigen Wesens, Licht und Spiegel, Feuer und Stille. Doch die Menschen begannen, die Welt zu teilen: Tag gegen Nacht, Hell gegen Dunkel, Richtig gegen Falsch. Und mit jeder Trennung entfernten sich auch Sonne und Mond voneinander.

Bis zu diesem Tag.

An diesem Tag hatten sie sich wiedergefunden.

Liora spürte Tränen auf ihren Wangen, ohne zu wissen warum. Vielleicht, weil sie begriff, dass auch in ihr etwas getrennt war. Ein Teil, der leuchten wollte  und ein anderer, der sich versteckte. Ein Teil, der laut war  und einer, der nur in der Stille existierte.

Und da geschah etwas Seltsames.

Der leuchtende Kreis am Himmel begann sich zu bewegen, ganz langsam, fast unmerklich. Und je mehr Liora ihr Herz öffnete, desto stärker verschmolzen Sonne und Mond zu einem einzigen, vibrierenden Licht.

„Du bist wie wir,“ flüsterte das Gefühl in ihr.
„Und wenn du dich erinnerst, erinnern wir uns alle.“

In diesem Moment geschah etwas, das niemand je vergessen würde.

Der Himmel pulsierte. Ein sanfter, goldener Wind zog über die Welt. Und für einen kurzen Augenblick sah jeder Mensch – egal wo er war – sein eigenes inneres Licht und seinen eigenen Schatten gleichzeitig. Nicht als Feinde. Sondern als Teile eines Ganzen.

Viele erschraken. Einige weinten. Doch manche… lächelten.

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder „normal“. Die Sonne stand an ihrem Platz, klar und unangefochten. Der Mond war verschwunden.

Doch etwas hatte sich verändert.

Die Menschen konnten es nicht benennen, aber sie spürten es:
Die Welt war weicher geworden. Durchlässiger. Wahrhaftiger.

Und Liora?

Sie wurde nie berühmt. Niemand schrieb ihren Namen in Bücher. Doch sie ging durch ihr Leben mit einem stillen Wissen in sich:

Dass irgendwo, jenseits aller sichtbaren Ordnungen,
Sonne und Mond noch immer eins sind.

Und dass sie jederzeit zurückkehren können,
wenn ein Herz den Mut hat, nicht mehr zu trennen, sondern zu verbinden.

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Kalenderblatt
14. April

Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es ...

Kalenderblatt vom 14. April
“Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es …”
“Call it sun, call it moon, call it …”
“Llama lo sol, llama lo luna, llama lo …”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Nenn es Sonne, nenn es Mond, nenn es …“, schon dieser bewusst unvollendete Titel wirkt wie ein Schlüssel zu einem Raum, der sich jeder eindeutigen Definition entzieht. Dieses Bild fordert dich nicht auf, es zu verstehen, es fordert dich heraus, es zu erleben.

Im Zentrum thronteine kraftvolle, leuchtende Scheibe, roh und zugleich erhaben, durchzogen von Spuren, als hätte sie Zeitalter überdauert und Geschichten gespeichert. Sie ist nicht glatt, nicht idealisiert, vielmehr trägt sie die Wahrheit des Unperfekten, das gerade dadurch eine tiefere Authentizität ausstrahlt. Ist es eine Sonne, die Leben spendet? Ein Mond, der die Nacht erhellt? Oder ist es vielmehr ein innerer Kern, ein Symbol für das, was in uns selbst leuchtet, unabhängig von äußeren Zuschreibungen?

Der Hintergrund pulsiert in einer intensiven, fast archaischen Farbwelt aus flammendem Gelb, erdigem Rot und tiefem Grün, die sich in Schichten überlagern, aufbrechen und neu formieren. Hier entsteht kein statisches Bild, hier geschieht Bewegung. Es ist, als würdest du in einen Schöpfungsprozess blicken, in dem sich Chaos und Ordnung unaufhörlich neu austarieren. Inmitten dieses vibrierenden Feldes wirkt die helle Scheibe wie ein ruhender Pol, ein Ankerpunkt, der zugleich aus genau diesem Chaos hervorgegangen ist.

Gerade dieser Gegensatz entfaltet seine ganze Kraft: Unruhe und Stille, Verdichtung und Auflösung, Materie und Licht verschmelzen zu einer Einheit. Die Struktur, verstärkt durch Quarzsand und Acrylpaste, verleiht dem Werk eine fast greifbare Präsenz, als ließe sich die Oberfläche nicht nur sehen, sondern fühlen, ertasten, begreifen. Es ist diese physische Dimension, die das Bild aus der Fläche heraushebt und ihm eine unmittelbare, beinahe existenzielle Wirkung verleiht.

Doch die eigentliche Meisterschaft liegt in seiner Offenheit: Dieses Werk gibt dir keine Antwort, es stellt dir eine Frage. Was siehst du wirklich, wenn du aufhörst, Dinge benennen zu wollen? Genau hier entfaltet sich seine tiefste Wirkung. Denn in dem Moment, in dem du die Begriffe loslässt, beginnt sich etwas anderes zu zeigen: eine Erfahrung, die jenseits von Sprache liegt.

Am Ende ist es vielleicht weder Sonne noch Mond. Vielleicht ist es genau das, was entsteht, wenn du bereit bist, deine eigenen Projektionen zu erkennen  und loszulassen. Ein Bild, das nicht erklärt werden will, sondern dich daran erinnert, dass das Wesentliche immer jenseits der Worte liegt.

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