Schlagwortarchiv: Meer

Kalenderblatt
4. Oktober

Ich liebe theatralische Sonnenuntergänge, besonders am Meer

Kalenderblatt vom 04. Oktober
„Ich liebe theatralische Sonnenuntergänge, besonders am Meer“
„I love theatrical sunsets, especially  at  sea“
„Quiero a teatrales puestas del sol, especialmente en el mar“

Aquarell auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es gibt Sonnenuntergänge, die sich still verabschieden. Und es gibt jene, die noch einmal alles aufbieten, was ihnen an Farbe und Dramatik zur Verfügung steht. Dieses Aquarell gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Über dem Meer entfaltet sich ein Himmel aus Gelb, Orange, Rot und dunklen, fast rauchigen Farbzonen. Die Farben liegen nicht ordentlich nebeneinander, sondern begegnen sich, dringen ineinander, brechen ab und beginnen an anderer Stelle erneut. Der Himmel wird zur Bühne eines Geschehens, dessen Ausgang wir nicht kennen.

Darunter öffnet sich die Landschaft. Kühles Blau, Türkis, Grün und erdige Töne bilden Meer, Küste und entfernte Landformen. Doch nichts ist vollständig festgelegt. Die Landschaft bleibt in Bewegung. Wasser kann Himmel spiegeln, Küste kann sich in Farbe auflösen, und die dunklen Formen am Horizont können ebenso gut Inseln und Felsen wie bloße Erinnerungen an sie sein.

Gerade diese Unbestimmtheit gehört zum Wesen des Aquarells. Wasser und Pigment dürfen mitentscheiden. Aus der beobachteten Natur entsteht keine topografisch genaue Landschaft, sondern eine innere Landschaft des Sehens und Erinnerns.

Dabei lebt das Bild von einem starken Gegensatz: Oben verdichtet sich die Welt zu Hitze und Dramatik, unten wird sie weit und kühl. Feuer trifft auf Wasser, Unruhe auf Weite, Verdichtung auf Auflösung. Dazwischen liegt der Horizont wie eine schmale Grenze zwischen zwei Zuständen.

Vielleicht ist es genau das, was einen Sonnenuntergang am Meer so faszinierend macht. Für wenige Minuten verliert die Welt ihre vertrauten Farben. Alles scheint möglich, übersteigert und beinahe unwirklich.

Der Titel macht daraus kein Geheimnis. Er behauptet keine distanzierte Naturbeobachtung, sondern formuliert ein persönliches Bekenntnis:

Ich liebe theatralische Sonnenuntergänge, besonders am Meer.

Und manchmal darf die Natur ruhig ein bisschen dick auftragen. Schließlich hat sie damit angefangen.

Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
1. September

Die Tyrrhenischen Wälder sind erfüllt vom Widerhall des Meeres

Kalenderblatt vom 01. September
„Die Tyrrhenischen Wälder sind erfüllt vom Widerhall des Meeres“
„The Tyrrhenian woods are full of the reverberation of the sea“
„Los bosques Tirreno estan llenos de la resonancia del mar“

Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Eine große blau-graue Fläche bestimmt das Zentrum des Bildes. Sie wirkt dicht und bewegt zugleich. Schichten von Farbe überlagern sich, werden aufgebrochen, verwischt und von Spuren durchzogen. Die Acrylpaste lässt eine reliefartige Oberfläche entstehen, in der sich Licht verfängt. Einzelne Glitterpartikel blitzen auf und verschwinden wieder.

Was sich in dieser Fläche zeigt, bleibt offen.

Meer oder Wald? Wasser oder Schatten? Wellen, Äste, Felsen, Licht?

Nichts wird eindeutig gegenständlich. Und doch entsteht der Eindruck einer Landschaft, die sich in ständiger Bewegung befindet.

Die kühle Mitte wird von einer leuchtenden Zone aus Orange, Gelb und Rot umgeben. Am oberen Bildrand verdichtet sich das Rot zu einem intensiven Streifen, während an den Seiten und im unteren Bereich Orange- und Gelbtöne dominieren. Dadurch entsteht beinahe ein Bild im Bild: eine dunkle, vibrierende Welt, eingefasst von Wärme und Licht.

Der Titel führt diese abstrakte Landschaft an das Tyrrhenische Meer, ohne daraus eine konkrete Ansicht zu machen. Denn das Meer selbst muss gar nicht sichtbar sein.

Vielleicht liegt es hinter den Wäldern.

Man hört es, bevor man es sieht.

Sein Rauschen dringt zwischen die Bäume. Der Wind trägt Salz vom Wasser ins Land. Äste bewegen sich, Wellen bewegen sich, und irgendwann scheint dieselbe unsichtbare Kraft durch beide Landschaften zu gehen.

Der Wald beginnt, etwas vom Meer in sich zu tragen.

So wird die blau-graue Fläche zu einem Ort der Verwandlung. Strukturen, die eben noch an Wellen erinnerten, können im nächsten Augenblick wie Äste, Blätter oder felsiger Boden erscheinen. Meer und Wald lassen sich nicht mehr sauber voneinander trennen.

Auch der Glitter bekommt in diesem Wechselspiel eine besondere Bedeutung. Er ist weniger dekoratives Element als flüchtige Erscheinung von Licht. Je nachdem, wie der Blick auf die Oberfläche fällt, leuchtet etwas auf und verschwindet wieder, wie Sonnenlicht auf bewegtem Wasser oder zwischen den Blättern eines Waldes.

Vielleicht ist genau das der Widerhall, von dem der Titel spricht.

Nicht nur ein Geräusch, sondern eine Spur, die eine Landschaft in einer anderen hinterlässt.

Das Meer ist nicht im Bild dargestellt. Und dennoch scheint es überall gegenwärtig zu sein: in der Bewegung der Oberfläche, im wechselnden Licht, in den dunklen Tiefen des Blau-Graus.

Vielleicht endet das Meer nicht dort, wo das Wasser aufhört.

Vielleicht setzt es sich im Wind fort, in den Bäumen, im Licht und schließlich in unserer Erinnerung an einen Ort.

Und irgendwo zwischen Wald und Meer beginnt eine Landschaft, von einer anderen zu erzählen.

 

Teile diesen Beitrag