
Kalenderblatt vom 18. Oktober
„Spuren der Ewigkeit in der Zeit“
„Signs of eternitiy in the time“
„Señales de la etermidad en el tiempo“
Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Es gibt Landschaften, die wir mit den Augen sehen. Und es gibt Landschaften, die erst in unserem Inneren entstehen.
Dieses Aquarell bewegt sich zwischen beiden Welten.
Ein Baum erhebt sich aus einer Landschaft, deren Konturen sich im Licht verlieren. Seine Krone leuchtet in Rot, Grün und Gold, als hätte sie die Farben eines ganzen Sommers in sich aufgenommen. Um ihn herum breiten sich Hügel, Wege und geheimnisvolle Vegetationen aus. Doch nichts scheint endgültig. Die Formen fließen ineinander, lösen sich auf und finden zu neuen Gestalten.
Es ist eine Landschaft im Übergang.
Die Farben erzählen von Wärme und Vergänglichkeit, von Wachstum und stillem Vergehen. Das Licht scheint nicht nur von außen auf die Dinge zu fallen, sondern aus ihnen selbst hervorzutreten. Selbst dort, wo die Erde dunkel wird, bleibt etwas von diesem Leuchten erhalten.
Der Baum wird zum stillen Mittelpunkt einer Welt, die sich unaufhörlich verändert. Er steht da, verwurzelt und zugleich dem Himmel zugewandt. Vielleicht ist er ein Sinnbild des Menschen, der seinen Platz im Leben sucht, während um ihn herum alles in Bewegung bleibt.
Doch das Bild verlangt keine eindeutige Deutung. Es lässt Raum für Erinnerungen, Empfindungen und jene schwer fassbaren Augenblicke, in denen uns etwas Vertrautes plötzlich fremd und etwas Fremdes auf geheimnisvolle Weise vertraut erscheint.
„Spuren der Ewigkeit in der Zeit“ erzählt von der Möglichkeit, mitten im Vergänglichen etwas zu entdecken, das über den Augenblick hinausweist.
Vielleicht ist Ewigkeit nichts Fernes, nichts, das erst jenseits unseres Lebens beginnt. Vielleicht begegnet sie uns bereits in einem flüchtigen Licht, in der Farbe eines Baumes, in der Stille einer Landschaft.
Und vielleicht besteht die eigentliche Kunst des Sehens darin, diese Augenblicke nicht festhalten zu wollen, sondern sie zu erkennen, solange sie da sind.