
Das Kalenderblatt zum 18. Oktober
„Die Hüter des vergessenen Gartens“
„The Guardians of the Forgotten Garden“
„Los Guardianes del Jardín Olvidado“
Aquarell auf Aquarellpapier ca 21 x 15 cm
Der Garten, der auf uns wartet
Manchmal gibt es Orte, die wir nie betreten haben und die uns dennoch seltsam vertraut erscheinen. Landschaften, die in uns eine Erinnerung wecken, ohne dass wir sagen könnten, woran.
Ein schmaler Weg führt durch eine Landschaft aus Licht und Farbe. Die Hügel verlieren sich in sanften Schleiern, die Grenzen zwischen Himmel und Erde beginnen sich aufzulösen. Und dort, wo der Weg in die Ferne führt, steht ein Baum. Klein und unscheinbar, und doch voller Leben. Seine Krone leuchtet wie ein stilles Feuer.
Vielleicht ist es kein gewöhnlicher Baum. Vielleicht steht er für etwas, das in uns weiterlebt, auch wenn wir längst vergessen haben, dass es existiert.
Denn jeder Mensch trägt Landschaften in sich, die er im Laufe seines Lebens aus den Augen verliert. Verborgene Gärten der Kindheit, der Sehnsucht, der Hoffnung. Orte, an denen die Welt noch offen war und das Leben voller Möglichkeiten.
Manchmal genügt ein Licht, eine Farbe, ein flüchtiger Augenblick, um etwas davon wiederzufinden.
Dieses Aquarell erzählt nicht von einem bestimmten Ort. Es erzählt von der leisen Ahnung, dass es jenseits unserer alltäglichen Gewissheiten noch etwas zu entdecken gibt. Etwas, das uns vertraut ist und zugleich fremd geworden scheint.
Der Weg dorthin ist nicht vorgezeichnet. Er verliert sich, taucht wieder auf, führt durch Schatten und Helligkeit. Und vielleicht liegt gerade darin sein Geheimnis: dass wir nicht wissen müssen, wohin er führt, um ihm folgen zu können.
Der Baum wartet nicht auf unsere Ankunft. Er blüht einfach.
Vielleicht beginnt das Heimkommen genau dort, wo wir aufhören zu suchen und wieder anfangen zu sehen.