
Kalenderblatt vom 24. Januar
“Montag Morgen im Arabischen Meer nahe Sokorta – Ein Dschinn erscheint”
“Monday morning in the Arabian Sea near Sokorta – A Dschinn is appearing”
“Lunes por la mañana en el Mar Arábigo acerca de Sokorta – Un Dschinn está apareciendo”
Aquarell, Acrylpaste auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm
Das Bild zeigt nicht einfach nur eine Stimmung, es ist ein Bild, das eine Schwelle öffnet. Ein Moment zwischen Schlaf und Wachsein, zwischen Wasser und Himmel, zwischen Alltag und Mysterium. Alles wirkt zunächst sanft und weit: horizontale Farbbänder in zartem Blau, warmem Rosa und goldenen Tönen legen sich wie Atemzüge übereinander, als würde das Meer selbst in Ruhe meditieren. Doch diese Ruhe ist nicht leer – sie ist geladen, wie die Stille kurz bevor etwas Bedeutendes geschieht.
Die Farbflächen wirken wie Ebenen einer inneren Landschaft: Morgenlicht als Erinnerung, Pastell als Gefühl, Gelb als leise Verheißung. Das Arabische Meer ist hier nicht geografisch gemeint, sondern seelisch, ein Symbol für das Unfassbare, das unendlich Weite, das in uns wohnt. Sokotra, diese entrückte Inselwelt, steht wie ein stiller Außenposten des Fremden und Uralten, ein Ort, an dem die Realität von Natur aus etwas „durchlässiger“ ist. Und genau in diese Durchlässigkeit hinein tritt er: der Dschinn.
In der Bildmitte erscheint eine wirbelnde Gestalt aus goldener Struktur, wie aus Sand, Staub, Licht und Geschichte geformt. Keine scharf umrissene Figur, eher ein Ereignis, eine Verdichtung. Er wirkt nicht bedrohlich, sondern archaisch, wie ein Wesen, das seit Jahrhunderten darauf wartet, wieder gesehen zu werden. Seine Form erinnert an eine Flamme ohne Feuer, an eine Säule aus Wind, an einen uralten Gedanken, der plötzlich Körper bekommt. Das Material – Aquarell in Verbindung mit Acrylpaste – verstärkt diese Wirkung: Das Transparente und das Widerständige treffen sich, und daraus entsteht das Unbegreifliche in sichtbarer Gestalt.
Und dann dieser Schnitt: rechts eine scharfe, rote Diagonale, wie ein plötzlicher Impuls, wie ein inneres Warnsignal oder eine Entscheidung, die nicht mehr aufzuschieben ist. Dieses Rot ist nicht dekorativ, es ist Alarm und Leidenschaft zugleich, ein Zeichen, dass der Montagmorgen hier nicht banal beginnt, sondern mit einer Konfrontation: mit dem Fremden, dem Unverarbeiteten, dem Verborgenen. Der Dschinn erscheint nicht zufällig, er erscheint, weil etwas im Betrachter bereit ist, ihn zu empfangen. Vielleicht ist er Bote, vielleicht Spiegel, vielleicht Prüfung. Vielleicht ist er nichts anderes als die uralte Kraft, die wir sonst „Intuition“ nennen, nur diesmal in ihrer ursprünglichen, mythologischen Gestalt.
Unterhalb der Horizontlinie spiegelt sich das Geschehen in einer weicheren, fast träumerischen Zone. Dort verschwimmt alles, als sei das Meer ein Gedächtnis, das Bilder nicht kopiert, sondern verwandelt. Der Dschinn hat also nicht nur einen Körper, sondern auch einen Nachhall. Er ist da, und er bleibt, nicht als Figur, sondern als Ahnung. Genau darin liegt die stille Sogkraft dieses Werks: Es erzählt nicht, was passiert, sondern es macht spürbar, dass etwas passiert ist. Ein Einbruch des Mythischen in die Welt der Termine. Ein Hauch von Ewigkeit in einer Woche, die gerade erst beginnt.
Dieses Bild ist ein poetischer Reminder: Nicht jeder Montag ist Routine. Manche Montage sind Portale. Und manchmal, wenn das Licht richtig steht und das innere Meer still genug wird, erscheint etwas, das nicht erklärt werden will, sondern wahrgenommen.
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