Kategoriearchiv: Remastert

Kalenderblatt
24. September

Tickend zerrinnt die Zeit eines langweiligen Alltags

Kalenderblatt zum 24. September

„Tickend zerrinnt die Zeit eines langweiligen Alltags“
„Ticking away the moments that make up a dull day“
„Haciendo tictac el tiempo d’un cotidiano aburrido esta pasando“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Es gibt Tage, an denen scheinbar nichts geschieht. Einer gleicht dem anderen, vertraute Abläufe wiederholen sich, und beinahe unbemerkt verstreicht etwas, das sich nicht zurückholen lässt: Zeit.

Das Bild „Tickend zerrinnt die Zeit eines langweiligen Alltags“ verdichtet dieses Empfinden zu einer spannungsvollen Bildlandschaft. Das intensive Gelb scheint zunächst von Licht und Wärme erfüllt. Doch in seiner Mitte breitet sich eine schwere, graue Form aus. Sie bleibt unbestimmt, irgendwo zwischen Körper, Schatten und Ablagerung. Als hätte sich die Routine selbst zu einer Masse verdichtet.

Von rechts oben dringt ein schmaler roter Keil in die Bildfläche. Er wirkt präzise und beinahe schneidend. Man kann in ihm einen Zeiger erkennen, eine Nadel, einen Sekundenzeiger vielleicht. Doch dieser Zeiger zeigt keine Uhrzeit an. Er macht das Vergehen der Zeit sichtbar.

Dem gegenüber steht der untere Bildbereich. Dort ist nichts erstarrt. Farben brechen hervor, Linien winden und überlagern sich, Rot, Blau, Grün und Gelb geraten in Bewegung. Es wirkt wie ein kaum zu bändigender Strom von Leben, der unterhalb der grauen Schwere weiterfließt.

Darin liegt ein wesentlicher Widerspruch des Werkes: Es spricht von einem langweiligen Alltag und ist selbst voller Energie. Vielleicht ist also nicht das Leben langweilig. Vielleicht verlieren wir nur manchmal die Fähigkeit, seine Intensität wahrzunehmen.

Der Alltag bekommt dabei eine doppelte Bedeutung. Er gibt unserem Leben Halt, Rhythmus und Verlässlichkeit. Doch dieselben Wiederholungen können uns auch einschläfern. Wir erledigen, funktionieren, planen und verschieben. Und irgendwann stellt sich die Frage, wann aus Gewohnheit unbemerkt verlorene Lebenszeit geworden ist.

Das „Ticken“ des Titels verleiht diesem Gedanken eine besondere Dringlichkeit. Jeder noch so gewöhnliche Augenblick besitzt eine Grenze. Was gerade Gegenwart ist, wird unwiederbringlich Vergangenheit.

Der rote Keil lässt sich deshalb auch als Moment der Unterbrechung lesen. Als jenen kurzen Augenblick, in dem etwas die Gewohnheit durchstößt und Bewusstsein entsteht. Nicht zwingend als Aufforderung, alles hinter sich zu lassen oder das eigene Leben spektakulär umzukrempeln. Das wäre schließlich nur die nächste menschliche Pflichtübung: ausgerechnet aus dem Ausbruch wieder ein Leistungsprogramm zu machen.

Vielleicht genügt zunächst etwas viel Einfacheres: wahrzunehmen.

Wahrzunehmen, wo das eigene Leben lebendig ist. Wo es sich verdichtet und schwer geworden ist. Wo Farben noch unter der Oberfläche liegen. Und wo etwas darauf wartet, wieder ins Bewusstsein zu treten.

So wird das Bild weniger zu einer Warnung als zu einem Moment des Erwachens. Es stellt keine Forderung und gibt keine Antwort. Es hält lediglich für einen Augenblick den Zeiger an und richtet den Blick auf das, was wir im täglichen Weitergehen so leicht übersehen:

Die Zeit vergeht nicht irgendwo.
Sie ist unser Leben.

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Kalenderblatt
24. September

Kalenderblatt 24. September

Das Kalenderblatt zum 24. September

„Die Glut gebiert den Phönix“
„From the Ember, the Phoenix Rises“
„De la Brasa Nace el Fénix“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses Bild zeigt nicht die vollendete Wiedergeburt. Es zeigt den Augenblick, in dem sie beginnt.

Die Bildfläche scheint von innen heraus zu glühen. Gelb, Orange und Rot drängen nach vorn, überlagern sich, brechen auf und werden von dunklen, beinahe schwarzen Spuren durchzogen. Im Zentrum verdichtet sich die Bewegung. Dort scheint etwas Gestalt anzunehmen, ohne sich vollständig zu offenbaren. Etwas ist im Werden.

Der Phönix erscheint nicht als sichtbarer Vogel und nicht als Illustration eines Mythos. Er ist vielmehr eine Ahnung innerhalb der Farbe, eine Bewegung, die sich aus der Glut erhebt. Gerade dadurch wird das alte Symbol der Wiedergeburt zu einem inneren Bild: Transformation geschieht nicht plötzlich und nicht ohne Widerstand. Sie wächst aus dem hervor, was zuvor erschüttert, verbrannt oder aufgebrochen wurde.

Die pastosen Schichten tragen Spuren dieses Geschehens. Kratzungen, Übermalungen und Verdichtungen lassen die Oberfläche beinahe wie eine verletzte Haut erscheinen. Das Vergangene wird nicht ausgelöscht. Es bleibt Teil dessen, was neu entsteht.

Darin liegt eine wesentliche Spannung des Werkes. Das Dunkle steht dem Licht nicht einfach gegenüber. Beides durchdringt sich. Aus den schweren, erdigen und schwarzen Partien drängt die leuchtende Farbe hervor. Zerstörung und Schöpfung werden zu zwei Seiten desselben Vorgangs.

„Die Glut gebiert den Phönix“ erzählt deshalb weniger vom triumphalen Auferstehen als vom geheimnisvollen Prozess der Wandlung selbst. Von jenem Zwischenraum, in dem das Alte seine Form verliert und das Neue noch keinen Namen besitzt.

Vielleicht ist es gerade dieser unfertige Augenblick, der das Bild so unmittelbar macht. Denn auch menschliche Veränderung vollzieht sich selten als klarer Schnitt. Wir tragen Spuren mit uns. Erfahrungen, Verletzungen und Abschiede verschwinden nicht einfach. Doch aus ihnen kann etwas entstehen, das vorher nicht möglich war.

Nicht trotz der Glut entsteht neues Leben, sondern aus ihr.

Und so bleibt am Ende keine fertige Botschaft, sondern eine Frage:

Was in uns muss sich verwandeln, damit etwas Neues Gestalt annehmen kann?

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