Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
20. März

Drei zitronengelbe Dreiecke mitten im göttlichen FIAT

Kalenderblatt vom 20. März
“Drei zitronengelbe Dreiecke mitten im göttlichen FIAT”
“Three lemon yellow triangles in the middle of the devine FIAT”
“Tres triángulos citrinos en medio del FIAT divino”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Schon der Titel wirkt wie ein Schlüssel zu einer Wirklichkeit, die sich nicht erklären, sondern nur erfahren lässt. Dieses Werk ist  ein energetischer Impuls, ein visuelles Mantra, das den Betrachter unmittelbar in einen Schöpfungsraum hineinzieht.

Im Zentrum stehen die drei zitronengelben Dreiecke, leuchtend, klar, fast vibrierend in ihrer Präsenz. Gelb, die Farbe des Geistes, des Lichts, der Erkenntnis, wirkt hier wie ein inneres Aufleuchten, ein geistiger Blitz, der aus der Tiefe des Unbewussten emporsteigt. Die Dreiecke selbst tragen eine uralte Symbolik in sich: Trinität, Ausrichtung, Transformation. Sie weisen nach oben, streben, bündeln, als wollten sie den Blick und die Energie des Betrachters in eine höhere Ordnung lenken.

Doch diese Dreiecke existieren nicht im luftleeren Raum. Sie sind eingebettet in ein kraftvolles Feld aus Quarzsand, Acryl und Acrylpaste, das eine fast archaische, erdige Struktur bildet. Diese Materialität verleiht dem Werk eine spürbare Körperlichkeit, als hätte sich hier etwas Verdichtetes, etwas Ursprüngliches manifestiert. Es ist, als würde die Materie selbst sprechen, rau, ungeschönt, und doch voller Bedeutung.

Und genau hier entfaltet sich die eigentliche Spannung des Bildes: zwischen Form und Feld, Licht und Substanz, Idee und Inkarnation. Das „göttliche FIAT“, das schöpferische „Es werde!“, ist nicht sichtbar im klassischen Sinne, und doch durchdringt es alles. Es ist die unsichtbare Kraft, die das Chaos ordnet, die Struktur hervorbringt, die aus dem Ungeformten Form gebiert.

Die drei Dreiecke erscheinen somit nicht zufällig, sondern wie Antworten auf einen kosmischen Impuls. Sie sind Manifestationen eines Moments, in dem sich Geist in Materie einschreibt. Ein Augenblick der Schöpfung, eingefroren in Farbe und Struktur.

Dieses Bild fordert nicht, es lädt ein. Es lädt dazu ein, innezuhalten, zu spüren, sich auszurichten. Es ist kein Werk für den schnellen Blick, sondern für das Verweilen. Je länger man sich darauf einlässt, desto mehr beginnt es zu sprechen, leise, aber eindringlich.

Am Ende bleibt nicht nur ein ästhetischer Eindruck, sondern ein Gefühl: Hier ist etwas geschehen. Etwas hat sich gezeigt. Und vielleicht ist genau das die Essenz dieses Werkes, dass es uns daran erinnert, dass Schöpfung kein vergangener Akt ist, sondern ein fortwährender Prozess, der genau jetzt, in diesem Moment, weiter geschieht.

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Kalenderblatt
20. März

Morgen in der Stadt

Das Kalenderblatt zum 20. März
“Morgen in der Stadt”
“Morning in the City”
“Mañana en la ciudad”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Die Stadt war noch nicht ganz erwacht, und doch lag bereits eine eigentümliche Spannung in der Luft, als würde etwas Unsichtbares leise an den Schleiern der Nacht ziehen. Zwischen den Häuserzeilen, deren Konturen sich in rauen, fast vergessenen Strukturen verloren, hing ein goldener Kreis am Himmel, groß und still, wie ein Auge, das alles sah und nichts verriet.

Niemand wusste genau, wann dieses Licht begonnen hatte zu leuchten. Es war nicht die Sonne, wie man sie kannte. Es war intimer, dichter, beinahe bewusst. Die Menschen nannten es den Morgen, doch insgeheim spürten sie: Dies war mehr als ein Tagesbeginn. Es war ein Erinnern.

In einer schmalen Straße, deren Wände Geschichten von Jahrzehnten trugen, Schichten von Leben, Lärm, Hoffnung und Müdigkeit, stand ein Mann am Fenster. Er hatte nicht geschlafen. Die Nacht hatte ihn gehalten, wie sie es oft tat, mit ihren Fragen, die keine Antworten wollten. Und jetzt, da dieses Licht durch die Ritzen der Stadt drang, fühlte er etwas, das er lange nicht gespürt hatte: eine leise, unbeirrbare Klarheit.

Die Farben der Stadt waren seltsam verändert. Das tiefe Violett zwischen den Häusern wirkte wie ein Raum zwischen den Gedanken, während rostige, erdige Töne den Boden der Wirklichkeit bildeten. Und dazwischen, wie ein Riss, wie ein Übergang, zog sich eine schmale Spur aus kühlem Blau. Ein Weg, der nicht für die Augen gemacht war, sondern für jene, die zu fühlen wagten.

Er trat hinaus.

Die Straßen waren nicht leer, aber sie waren still. Menschen bewegten sich, doch ohne Hast, als hätten sie alle gleichzeitig beschlossen, für einen Moment nicht mehr gegen die Zeit zu kämpfen. Der goldene Kreis hing weiterhin unbewegt über allem, und doch schien er in jedem Schritt mitzuschwingen.

Ein Kind blieb mitten auf dem Platz stehen und blickte nach oben. Seine Augen spiegelten das Licht, und in diesem Spiegeln lag etwas Unverstelltes, etwas Ursprüngliches. Die Fähigkeit, die Welt nicht zu erklären, sondern zu erleben.

Der Mann folgte dem blauen Streifen, ohne zu wissen warum. Vielleicht, weil er das erste Mal seit Langem nicht verstand  und genau das sich richtig anfühlte. Der Weg führte ihn durch schmale Gassen, über Plätze, vorbei an Mauern, die wie aufgebrochene Erinnerungen wirkten. Und mit jedem Schritt wurde es stiller in ihm.

Nicht die Stadt veränderte sich.

Er war es.

Als er schließlich stehen blieb, war da kein Ziel, kein Ort, der sich besonders anfühlte. Nur der Moment selbst. Das Licht hatte sich nicht bewegt, und doch war alles heller geworden. Die Strukturen, die vorher hart und brüchig wirkten, begannen sich zu verbinden, als wären sie Teil eines größeren Ganzen.

Er schloss die Augen.

Und in diesem Augenblick verstand er, dass dieser Morgen kein Anfang war und auch kein Ende. Es war ein Durchgang, ein leises Öffnen einer Tür, die schon immer da gewesen war.

Als er die Augen wieder öffnete, war die Stadt dieselbe.

Und doch war sie es nicht mehr.

Denn etwas in ihr  und in ihm, hatte begonnen zu leuchten.

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