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Kalenderblatt
21. Juli

Kalenderblatt 21. Juli

Das Kalenderblatt zum 21. Juli
„Als der Himmel eine Wurzel schlug“
„When the Sky Took Root“
„Cuando el cielo echó raíces“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Als ich dieses Bild zum ersten Mal betrachtete, hatte ich nicht den Eindruck, vor einer Landschaft oder einer abstrakten Komposition zu stehen. Ich hatte das Gefühl, einen Augenblick zu sehen, in dem zwei Welten einander berühren. Nicht laut, nicht dramatisch. Fast unbemerkt. Gerade deshalb ist dieser Moment so kostbar.

Links erhebt sich eine hohe blaue Form, ruhig und in sich geschlossen. Sie erinnert an ein Gefäß, einen Turm oder einen schützenden Kokon. Ihr Inneres wirkt durchsichtig und zugleich unergründlich. Sie ist kein Objekt, sondern ein Zustand. Sie bewahrt etwas, das noch nicht ausgesprochen werden kann. Sie wartet, ohne ungeduldig zu sein. In einer Zeit, in der alles sofort sichtbar, erklärbar und verwertbar sein soll, besitzt diese stille Präsenz eine beinahe revolutionäre Kraft.

Aus dem oberen Bildrand wächst eine violett-goldene Spur herab. Ist sie ein Blitz? Eine Wurzel? Ein Strom lebendiger Energie? Vielleicht von allem etwas. Sie scheint nicht zu fallen, sondern sich tastend ihren Weg zu suchen. Der Himmel schlägt Wurzeln. Das Unsichtbare beginnt, sich mit der sichtbaren Welt zu verbinden. Violett trägt die Farbe der Verwandlung in sich, Gold die Erinnerung an das Unvergängliche. Wo beide zusammentreffen, entsteht keine Explosion, sondern eine stille Einweihung.

Die rechte Bildhälfte erzählt eine andere Geschichte. Rechtecke, Linien und Farbfelder wirken wie Fragmente einer Architektur. Es ist die Welt der Ordnung, der Formen und der vom Menschen errichteten Wirklichkeit. Doch diese Ordnung bleibt offen. Fenster erscheinen, ohne Ausblick zu gewähren. Räume entstehen, ohne sich vollständig zu schließen. Nichts ist endgültig. Alles wartet auf den einen Funken, der Leben hineinträgt.

Gerade zwischen diesen beiden Polen entfaltet das Bild seine eigentliche Kraft. Links das bewahrende Innere, rechts die gebaute Außenwelt, dazwischen der unsichtbare Strom, der beide miteinander verbindet. Diese Verbindung lässt sich weder messen noch beweisen. Sie kann nur erfahren werden. Vielleicht geschieht sie jedes Mal, wenn ein Mensch innehält und für einen kurzen Augenblick bereit ist, mehr zu sehen als bloße Formen.

„Als der Himmel eine Wurzel schlug“ erzählt deshalb nicht von einem Ort, sondern von einem Geschehen. Es erinnert daran, dass das Wesentliche nicht von unten nach oben wächst, sondern manchmal den umgekehrten Weg nimmt. Nicht der Mensch erreicht den Himmel. Der Himmel findet den Mut, sich in der menschlichen Welt zu verwurzeln. Und genau dort, wo diese unscheinbare Berührung geschieht, beginnt Transformation. Nicht mit Lärm, sondern mit einem leisen Wachsen, das irgendwann das ganze Leben verändert. (Avala)

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Kalenderblatt
20. Juli

Ist die Höhe der Spendengelder direkt proportional zur Geschwindigkeit des Verwandlungsprozesses von Schwarz nach Gold?

Kalenderblatt vom 20. Juli
„Ist die Höhe der Spendengelder direkt proportional zur Geschwindigkeit des Verwandlungsprozesses von Schwarz nach Gold?“
„Is the amount of the donations directly proportional to the speed of the transformation process from black to gold?“
„¿Esta la monta de las donaciónes derecho en líena con la velocidad del proceso de la transformación a negro en oro?“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Der Titel provoziert, ironisiert und entlarvt gleichzeitig. Er führt den Betrachter mitten hinein in den Konflikt zwischen Spiritualität, Kunst und Ökonomie. Menschen haben eine erstaunliche Begabung, selbst die Alchemie in eine Excel-Tabelle verwandeln zu wollen. Gold, aber bitte mit messbarem Kapitalrendite.

Die Oberfläche dieses Bildes erinnert an erkaltete Lavaströme oder an uralte Wurzelgeflechte, die sich durch eine dunkle Erde ziehen. Das Schwarz dominiert nicht als Farbe des Todes, sondern als Zustand des Noch-nicht-Offenbarten. Es ist die Materie vor ihrer Läuterung, die Nigredo der Alchemisten, jener notwendige Anfang jeder wirklichen Transformation. Zwischen den reliefartigen Bahnen leuchten kleine Fragmente aus Gold, Rot und Gelb auf. Sie erscheinen nicht flächig oder dekorativ, sondern wie Hinweise darauf, dass sich mitten in der Dunkelheit bereits etwas verändert. Das Gold ist kein Endzustand. Es ist ein flüchtiger Augenblick des Erwachens.

Der Titel lenkt den Blick jedoch in eine andere Richtung. Er stellt eine Frage, die auf den ersten Blick absurd wirkt, auf den zweiten aber schmerzhaft vertraut erscheint. Kann innere Entwicklung gekauft werden? Beschleunigt eine größere Spende den Weg zur Erleuchtung? Wird das Licht heller, wenn das Konto leerer wird? Die Ironie trifft nicht einzelne Menschen, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, das selbst die tiefsten spirituellen Sehnsüchte in marktfähige Produkte verwandelt.

Das Bild antwortet darauf mit Schweigen. Seine Strukturen folgen keinem linearen Verlauf. Die goldenen Einschlüsse erscheinen dort, wo niemand sie erwartet. Sie lassen sich weder planen noch erzwingen. Sie entstehen nicht durch äußeren Druck, sondern durch innere Reife. Jeder Verwandlungsprozess besitzt seinen eigenen Rhythmus. Wer versucht, ihn zu beschleunigen, erzeugt oft nur mehr Lärm.

Vielleicht ist das eigentliche Gold dieses Werkes deshalb gar nicht das Blattgold oder die gelben Pigmente. Vielleicht besteht es in der Erkenntnis, dass wirkliche Wandlung niemals käuflich ist. Geld kann Räume öffnen, Begegnungen ermöglichen oder Kunst unterstützen. Es kann jedoch keinen einzigen echten Bewusstseinsschritt kaufen. Die Verwandlung beginnt genau dort, wo der Mensch aufhört, sie kontrollieren zu wollen.

Dieses Bild hält dem Betrachter einen Spiegel vor. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem feinen Lächeln. Es fragt: Suchst du Gold oder suchst du den Weg dorthin? Denn wer nur das Gold besitzen möchte, wird am Ende lediglich Metall finden. Wer jedoch den Weg geht, entdeckt vielleicht, dass das Schwarz niemals der Feind war, sondern der fruchtbare Boden, aus dem jedes Licht geboren wird.

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