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Kalenderblatt
19. April

Wolken hängen über dem Tag

Kalenderblatt vom 19. April
“Wolken hängen über dem Tag”
“Clouds are hanging over the day”
“Nubes estan colgando arriba el día”

Gesso, Tusche auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Dieses Bild wirkt auf den ersten Blick reduziert und genau darin liegt seine Kraft. „Wolken hängen über dem Tag“ ist keine bloße Landschaft, sondern ein kondensierter Zustand von Wahrnehmung, ein Moment zwischen Klarheit und Verdichtung. Der leuchtend rote Kreis, unübersehbar, fast pulsierend, steht wie ein Herz am Himmel. Er ist Sonne und Symbol zugleich: Energie, Leben, vielleicht auch ein inneres Brennen, das sich nicht verbergen lässt.

Doch diese Strahlkraft wird nicht ungehindert freigesetzt. Die gelblich-erdige Fläche darüber wirkt wie ein schwerer Schleier, eine Atmosphäre, die den Tag einfärbt und gleichzeitig beschwert. Hier wird Licht nicht einfach sichtbar, es wird gefiltert, gedämpft, durch etwas hindurch erlebt. Genau darin liegt die emotionale Spannung dieses Werkes.

Im Vordergrund erheben sich die dunklen, fast kalligrafischen Formen wie stille Zeugen. Sie könnten Bäume sein, oder Figuren. Vielleicht sind es Gedanken, vielleicht Menschen, vielleicht Zustände des Bewusstseins, die sich aufrichten, obwohl sie von oben beschattet werden. Ihre Linien sind nicht starr, sondern bewegt, suchend, fast tastend. Sie wirken wie Wesen, die unter einem schweren Himmel dennoch nach oben streben.

Die Komposition erzählt von einem Tag, der nicht leicht ist. Ein Tag, über dem etwas hängt, unausgesprochen, spürbar, präsent. Und doch: Der rote Kreis bleibt. Er verschwindet nicht, er wird nicht ausgelöscht. Er behauptet sich.

So entsteht eine stille, aber eindringliche Botschaft: Auch wenn Wolken über deinem Tag hängen, bleibt das Wesentliche unberührt. Das Licht ist da, vielleicht gedämpft, vielleicht verdeckt, aber niemals verschwunden.

Dieses Bild ist kein Abbild der Natur, sondern ein Spiegel innerer Wetterlagen. Es zeigt nicht, wie der Himmel aussieht, sondern wie sich ein Tag anfühlt.

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Kalenderblatt
19. April

Schleier des Saturn

Das Kalenderblatt zum 19. April
“Schleier des Saturn”
“Veil of Saturn”
“Velo del Saturno”

Aquarell, Pastellkreide und Acrylpaste
auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es heißt, dass es einen Ort jenseits der sichtbaren Himmel gibt, an dem Zeit nicht vergeht, sondern atmet. Dort, wo die Ringe des Saturn nicht aus Staub bestehen, sondern aus Erinnerungen, aus unausgesprochenen Gedanken und aus all dem, was Menschen nie gewagt haben zu leben.

Ein Wanderer, niemand wusste, woher er kam, fand eines Tages den Zugang zu diesem Reich. Er war nicht aus Fleisch und Blut wie du und ich, sondern aus Fragen. Sein ganzes Wesen war durchzogen von einer einzigen Sehnsucht: Was liegt hinter dem Schleier?

Vor ihm spannte sich ein gewaltiger Bogen aus Farben, tiefes Blau, glühendes Rot, vibrierendes Gelb, wie ein kosmischer Atemzug, eingefroren im Moment seiner größten Intensität. Es war der Schleier des Saturn, von dem die Alten flüsterten. Sie sagten, er trenne nicht Welten, sondern Bewusstseinszustände.

Der Wanderer trat näher. Je näher er kam, desto mehr begann der Schleier zu flimmern, als würde er ihn erkennen. „Bist du bereit?“, fragte eine Stimme, die nicht von außen kam, sondern aus seinem Innersten.

Er zögerte.

Denn er spürte plötzlich, was dieser Schleier wirklich war: nicht eine Grenze im Raum, sondern eine Grenze in ihm selbst. Alles, was er verdrängt hatte, alles, was er gefürchtet hatte, begann in den Farben zu leben. Das Rot pulsierte wie unterdrückte Leidenschaft, das Gelb flackerte wie ungelebte Möglichkeiten, und das Blau zog ihn hinein wie die Tiefe seines eigenen Unbewussten.

Der Schleier prüfte nicht seine Stärke, sondern seine Ehrlichkeit.

Mit einem Atemzug, der sich wie ein ganzes Leben anfühlte, legte er seine Angst ab. Nicht, weil sie verschwand, sondern weil er sie annahm. Und in diesem Moment geschah etwas Unerwartetes: Der Schleier öffnete sich nicht, er löste sich auf.

Denn es gab nichts zu durchschreiten.

Er erkannte, dass der Schleier nie außerhalb von ihm existiert hatte. Er war aus all den Schichten gewoben, die er selbst um seine Wahrheit gelegt hatte. Und als er diese losließ, wurde er nicht hindurchgeführt, er wurde eins mit dem, was dahinter lag.

Die Farben verschmolzen, die Grenze verschwand, und der Wanderer wurde still.

Seitdem erzählen die Hüter der alten Geschichten: Wer den Schleier des Saturn sieht, steht nicht vor einem Geheimnis des Universums, sondern vor dem letzten Geheimnis seines eigenen Wesens.

Und nur wer den Mut hat, sich selbst vollständig zu begegnen, wird erkennen:

Es gibt keinen Schleier.
Es gab ihn nie.

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