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Kalenderblatt
21. Juli

Katholische Freiheit

Das Kalenderblatt zum 21. Juli
“Katholische Freiheit”

“’Catholic Freedom”
“Libertad católica“”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

„Katholische Freiheit“ ist ein Titel, der zunächst wie ein Widerspruch erscheint. Freiheit entzieht sich jeder Festlegung, während der Katholizismus auf einer jahrtausendealten Tradition ruht. Gerade aus dieser Spannung bezieht das Bild seine Kraft. Es zeigt keine religiöse Szene und keine Illustration des Glaubens, sondern eine Landschaft der Erinnerung, in der Geschichte, Glaube und menschliche Erfahrung zu einer einzigen materiellen Schicht verschmelzen.

Die graue, aufgerissene Oberfläche erinnert an verwitterte Mauern, an Ruinen, an Fresken, deren ursprüngliche Bilder längst verschwunden sind. Die Materialität wirkt wie ein Archiv der Zeit. Jede Unebenheit, jeder Riss und jede Verdichtung erzählt von Vergänglichkeit und zugleich von Beharrlichkeit. Das Material wird zum Träger der Erinnerung. Es bewahrt, was Worte längst verloren haben.

Mitten in dieser schweren Struktur erhebt sich ein goldenes Feld, das nicht dekorativ erscheint, sondern wie ein plötzliches Aufleuchten im Dunkel. Gold besitzt hier keine materielle Bedeutung. Es steht für das Unvergängliche, für jene innere Wirklichkeit, die selbst unter den Schichten von Geschichte und Dogma nicht ausgelöscht werden kann. Das Gold verkündet keinen Triumph, sondern die Möglichkeit der Verwandlung.

Die roten und blauen Farbfragmente wirken wie Überreste einer zerbrochenen Bildsprache. Sie erinnern an die Leuchtkraft mittelalterlicher Glasfenster oder an Fragmente sakraler Malerei, deren Zusammenhang verloren gegangen ist. Gerade ihre Unvollständigkeit eröffnet einen Raum der Deutung. Nicht das Vollkommene spricht zum Menschen, sondern das Fragment.

Der Titel „Katholische Freiheit“ verweist damit auf einen geistigen Prozess. Freiheit entsteht nicht durch das Ablegen aller Traditionen, sondern durch ihre lebendige Durchdringung. Eine Überlieferung bleibt nur dann lebendig, wenn sie Wandlung zulässt. Erst dort, wo Glaube nicht Besitz, sondern Suche wird, kann sich eine Freiheit entfalten, die aus der Tiefe der Geschichte erwächst.

Die Acrylpaste besitzt dabei eine symbolische Bedeutung. Sie verleiht dem Bild eine körperliche Schwere, als bestünde es aus Erde, Staub und Mauerwerk. Die Oberfläche fordert einen langsamen Blick. Sie gibt ihre Geheimnisse nicht preis, sondern verlangt ein geduldiges Freilegen ihrer Schichten. Jede Vertiefung bewahrt Erinnerung, jede Erhebung widersetzt sich dem Vergessen.

So erscheint dieses Werk als Archäologie des Geistes. Es zeigt keine Heiligen und keine religiösen Symbole im klassischen Sinn. Es zeigt den Ort, an dem Gewissheiten zerbrochen sind und dennoch ein kleiner goldener Funke fortbesteht. Gerade dieser Funke wird zum Sinnbild der Freiheit. Denn wahre Freiheit besteht nicht darin, die Geschichte hinter sich zu lassen, sondern aus ihren Trümmern neues Licht hervorgehen zu lassen.

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Kalenderblatt
21. Juli

Ein kleiner Impuls startet den alchimischen Prozess

Kalenderblatt vom 21. Juli
„Ein kleiner Impuls startet den alchimischen Prozess“
„A little impulse starts the alchimical  process“
„Un impulso pequeño arranca el proceso alquimíco“

Acryl, Acrylpaste, Gesso, Glitter, Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Der Titel dieses Bildes weist bereits auf eine Wahrheit hin, die der Alchemie seit Jahrhunderten bekannt ist: Jede tiefgreifende Verwandlung beginnt nicht mit einem gewaltigen Ereignis, sondern mit einem kaum wahrnehmbaren Impuls. Der Mensch glaubt häufig, er müsse sein Leben mit großer Kraft verändern. Doch das Unbewusste arbeitet anders. Es genügt ein Traum, eine Begegnung, ein Satz oder ein flüchtiger Gedanke, um einen Prozess einzuleiten, dessen Ende niemand vorhersehen kann.

Das kräftige Gelb erscheint hier wie ein Pfeil des Bewusstseins. Es dringt aus einer hellen, noch unbestimmten Zone in eine Landschaft aus Rot, Schwarz und Blau ein. Diese Farben sind keine bloßen Pigmente. Sie verkörpern seelische Zustände. Das Rot spricht von der Lebenskraft, von Leidenschaft, Schmerz und Opfer. Das Schwarz ist die Materia Prima der Alchemisten, jene dunkle Ausgangssubstanz, in der das Alte zerfällt. Das Blau bildet die Brücke zwischen beiden Welten. Es ist der geistige Strom, der Gegensätze miteinander verbindet und den Wandlungsprozess trägt.

Der gelbe Impuls scheint klein. Gerade darin liegt seine eigentliche Macht. Das Bewusstsein überschätzt gewöhnlich seine Größe und unterschätzt seine Wirkung. Ein einziger wahrhaftiger Gedanke besitzt die Fähigkeit, das gesamte innere Gefüge eines Menschen neu zu ordnen. Die Psyche gleicht einem lebendigen Organismus. Berührt man den entscheidenden Punkt, beginnt sich das Ganze zu bewegen.

Die reliefartige Oberfläche aus Acrylpaste, Gesso und Quarzsand verleiht dem Werk eine körperliche Schwere. Dadurch erinnert das Bild daran, dass seelische Entwicklung niemals nur im Denken stattfindet. Sie greift in den Körper ein, in Erinnerungen, Gewohnheiten und in die tiefen Schichten der Persönlichkeit. Jeder Widerstand, jede Erhebung und jede Vertiefung erzählt von den Sedimenten gelebten Lebens. Transformation ist niemals glatt. Sie hinterlässt Spuren.

Die dunklen und roten Massen wirken zunächst chaotisch. Doch das Chaos ist in Wahrheit kein Feind der Entwicklung, sondern ihre notwendige Voraussetzung. Die Alchemisten nannten diesen Zustand Nigredo, die Schwärzung. Erst wenn das Alte seine Form verliert, kann etwas Neues entstehen. Viele Menschen erschrecken vor dieser Phase und halten sie für Scheitern. Tatsächlich betreten sie gerade den Beginn ihrer eigentlichen Wandlung.

Das Bild zeigt deshalb keinen abgeschlossenen Prozess, sondern einen Augenblick höchster Spannung. Der Impuls ist gesetzt. Niemand weiß, welche Gestalt daraus hervorgehen wird. Genau darin liegt das Geheimnis jeder Individuation. Das Selbst folgt keinem Plan des Ichs. Es entfaltet sich nach einer tieferen Ordnung, die erst im Rückblick sichtbar wird.

Dieses Werk erinnert uns daran, dass der Stein der Weisen niemals außerhalb des Menschen gefunden wird. Er entsteht dort, wo der Mut wächst, den kleinsten inneren Impuls ernst zu nehmen. Wer ihm folgt, betritt den alchemischen Weg der Seele. Nicht, um jemand anderes zu werden, sondern um endlich der Mensch zu sein, der im Verborgenen immer schon auf seine Geburt gewartet hat.

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