Schlagwortarchiv: Ufer

Kalenderblatt
15. Juli

Wiederkehr am goldenen Ufer

Das Kalenderblatt zum 15. Juli
“Wiederkehr am goldenen Ufer”

“Return on the golden bank”
“Regreso a la orilla dorada”

Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es gibt Orte, die nicht auf Landkarten existieren, und doch kehren wir unser ganzes Leben lang zu ihnen zurück. Das goldene Ufer gehört zu diesen Orten. Es ist kein Strand aus Sand und kein Flussufer aus Stein. Es ist der schmale Raum zwischen Erinnerung und Zukunft, dort, wo das Licht sich weigert, endgültig zu verschwinden.

Ich habe diesen Ort einmal verlassen. Nicht freiwillig. Das Leben schiebt einen hinaus, gibt einem Aufgaben, Rollen und Namen. Es lehrt einen, sich in Städten aus Gewohnheiten einzurichten und den eigenen inneren Horizont gegen Termine einzutauschen. Doch das goldene Ufer vergisst niemanden. Es wartet mit einer Geduld, die älter ist als jede Uhr.

Über dem Horizont glüht ein Himmel aus Kupfer, Gold und Purpur, als hätte der Abend beschlossen, den Morgen zu umarmen. In dieser leuchtenden Weite treiben Fragmente einer vergangenen Zeit. Sie erzählen keine Geschichten. Sie erinnern nur daran, dass alles, was wirklich wichtig war, niemals ganz verloren geht.

Zwischen Himmel und Erde zieht sich ein schmaler Streifen aus schimmerndem Licht. Er trennt nicht. Er verbindet. Er ist die Schwelle zwischen dem Menschen, der ich glaubte sein zu müssen, und dem Menschen, der ich immer gewesen bin. Jede Wandlung beginnt auf einer unscheinbaren Grenze.

Unterhalb dieser Linie ruht das Meer. Kein aufgewühlter Ozean, sondern eine Landschaft aus tiefem Blau, Grau und gebrochenem Weiß. Seine Strömungen verlaufen nicht nur durch Wasser, sondern auch durch Gedanken, Erinnerungen und Hoffnungen. Jede Welle trägt eine Begegnung, jede dunkle Spur einen Abschied, jede helle Fläche die Möglichkeit eines Neubeginns.

Als ich das Ufer wieder erreichte, erkannte ich, dass ich nie wirklich fort gewesen war. Der Weg hatte mich verändert, nicht den Ort. Das Gold leuchtete nicht heller als früher. Meine Augen waren es, die gelernt hatten, anders zu sehen. Plötzlich wurde deutlich, dass Heimat kein geografischer Punkt ist. Sie entsteht dort, wo das Herz aufhört zu fliehen.

Ich setzte mich an den Rand dieses stillen Landes und ließ die Hände über den sandigen Glanz gleiten. Kein Triumph erfüllte mich, sondern eine leise Gewissheit: Wer den Mut hat, sich immer wieder auf den Weg nach innen zu machen, kehrt nie mit leeren Händen zurück. Er bringt keinen Besitz mit, sondern Klarheit. Keine Trophäen, sondern Frieden.

„Wiederkehr am goldenen Ufer“ erzählt von der Heimkehr zu jenem inneren Ort, der durch keine Zeit zerstört werden kann. Das Bild erinnert daran, dass jeder Mensch ein Ufer in sich trägt, an dem Verletzungen langsam verstummen, Sehnsucht ihre Schwere verliert und das Licht beginnt, den eigenen Namen zu flüstern. Nicht das Ziel verändert uns. Die Wiederkehr tut es.

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Kalenderblatt
10. Juli

Am Ufer der Stille

Das Kalenderblatt zum 10. Juli
“Am Ufer der Stille”

“On the bank of silence”
“A la orilla del silencio”
Acryl, Sand und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

„Siehe, wie das Feuer über dem Wasser schwebt und dennoch keines das andere vernichtet. Denn in der Schöpfung streiten die Elemente nicht, sondern erfüllen den Willen dessen, der sie hervorgebracht hat. Der rote Kreis ist nicht allein die Sonne, sondern das Sinnbild des göttlichen Ursprungs, aus welchem Licht und Leben hervorgehen. Das Goldgelb ist die Ausstrahlung der ersten Ursache, welche alle Dinge durchdringt, auch wenn das menschliche Auge sie nur unvollkommen erkennt.“

„Das Blau am unteren Rand gleicht dem Bereich der Materie, schwer, kühl und vergänglich. Es trägt die Spuren der Zeit, der Auflösung und der Wandlung. Doch beachte: Das Licht drängt unaufhörlich in diese Tiefen hinein. Nicht das Dunkel steigt empor, sondern das Licht steigt herab. Darin offenbart sich das Geheimnis der Schöpfung: Das Höhere sucht stets das Niedere zu vollenden.“

„Der Sand, der in dieses Werk eingearbeitet wurde, ist mehr als ein Stoff. Er stammt aus der Erde und erinnert den Menschen daran, dass alles Sichtbare aus dem Einfachen hervorgeht. Die grobe Oberfläche lehrt, dass Wahrheit nicht allein in glatten Formen wohnt. Auch das Unvollkommene besitzt seine Würde, weil der Schöpfer nichts ohne Sinn erschaffen hat.“

„Dieses Bild spricht von der Stille. Doch Stille ist nicht Schweigen. Sie ist der Ort, an dem die Ursachen aller Dinge hörbar werden. Wer nur mit den Augen schaut, sieht Farben. Wer mit dem Verstand betrachtet, erkennt Ordnungen. Wer aber mit dem gereinigten Herzen schaut, der entdeckt im Licht den Widerschein der ewigen Weisheit.“

„Darum nenne ich dieses Werk nicht das Abbild eines Ufers, sondern die Schwelle zwischen dem Wandelbaren und dem Ewigen. Hier begegnen sich Feuer und Wasser, Erde und Licht, Stoff und Geist. Und der Mensch steht dazwischen, eingeladen, nicht nur die Welt zu betrachten, sondern in ihr die Handschrift ihres Ursprungs zu lesen.“

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