Schlagwortarchiv: Stille

Kalenderblatt
10. Juli

Am Ufer der Stille

Das Kalenderblatt zum 10. Juli
“Am Ufer der Stille”

“On the bank of silence”
“A la orilla del silencio”
Acryl, Sand und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

„Siehe, wie das Feuer über dem Wasser schwebt und dennoch keines das andere vernichtet. Denn in der Schöpfung streiten die Elemente nicht, sondern erfüllen den Willen dessen, der sie hervorgebracht hat. Der rote Kreis ist nicht allein die Sonne, sondern das Sinnbild des göttlichen Ursprungs, aus welchem Licht und Leben hervorgehen. Das Goldgelb ist die Ausstrahlung der ersten Ursache, welche alle Dinge durchdringt, auch wenn das menschliche Auge sie nur unvollkommen erkennt.“

„Das Blau am unteren Rand gleicht dem Bereich der Materie, schwer, kühl und vergänglich. Es trägt die Spuren der Zeit, der Auflösung und der Wandlung. Doch beachte: Das Licht drängt unaufhörlich in diese Tiefen hinein. Nicht das Dunkel steigt empor, sondern das Licht steigt herab. Darin offenbart sich das Geheimnis der Schöpfung: Das Höhere sucht stets das Niedere zu vollenden.“

„Der Sand, der in dieses Werk eingearbeitet wurde, ist mehr als ein Stoff. Er stammt aus der Erde und erinnert den Menschen daran, dass alles Sichtbare aus dem Einfachen hervorgeht. Die grobe Oberfläche lehrt, dass Wahrheit nicht allein in glatten Formen wohnt. Auch das Unvollkommene besitzt seine Würde, weil der Schöpfer nichts ohne Sinn erschaffen hat.“

„Dieses Bild spricht von der Stille. Doch Stille ist nicht Schweigen. Sie ist der Ort, an dem die Ursachen aller Dinge hörbar werden. Wer nur mit den Augen schaut, sieht Farben. Wer mit dem Verstand betrachtet, erkennt Ordnungen. Wer aber mit dem gereinigten Herzen schaut, der entdeckt im Licht den Widerschein der ewigen Weisheit.“

„Darum nenne ich dieses Werk nicht das Abbild eines Ufers, sondern die Schwelle zwischen dem Wandelbaren und dem Ewigen. Hier begegnen sich Feuer und Wasser, Erde und Licht, Stoff und Geist. Und der Mensch steht dazwischen, eingeladen, nicht nur die Welt zu betrachten, sondern in ihr die Handschrift ihres Ursprungs zu lesen.“

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Kalenderblatt
15. November

Die Stimme der Stille befreit und transfiguriert den Menschen

Kalenderblatt vom 15. November
„Die Stimme der Stille befreit und transfiguriert den Menschen“
„The voice of silence frees and transfigures man“
„La voz del silencio libra el hombre y transfigurale“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

In diesem Bild entfaltet sich ein Moment tiefer innerer Wandlung,  ein vibrierender Zwischenraum, in dem Stille nicht Abwesenheit, sondern kraftvolle Präsenz ist. Die sanft erleuchtete Mitte wirkt wie ein souveräner Ruhepol, ein innerer Resonanzraum, in dem alles Laute, Schwere und Ungeklärte ausatmet. Die hellen Schichten scheinen wie ein zarter Schleier aus Licht, der sich über das Bild legt und zugleich aus seinem Innersten herausstrahlt, ein stilles Leuchten, das den Betrachter unmittelbar in seine eigene Tiefe zieht.

Rottöne, die an Feuer, Blut, Erdung und Leidenschaft erinnern, umrahmen diesen Kern, als würden sie den Prozess der Befreiung sichtbar machen: das Alte, das Verblichene, das Abgelegte, das sich löst und in einen neuen Aggregatzustand übergeht. Die violetten Akzente bringen eine spirituelle Note von Transformation, fast alchemistischer Natur,  als würde hier etwas durch das Feuer der Erkenntnis in eine höhere Ordnung überführt.

Die dynamischen Strukturen an den Rändern wirken wie Energie, die sich entlädt, verteilt, befreit, während die Mitte unangefochten ruhig bleibt. Genau dort, wo die Stille ihr Zentrum hält, erscheint ein kaum greifbarer Kreis, eine stille Sonne, ein inneres Auge, ein Herzraum, der alles durchdringt und exponentiell sanfter, aber wirkungsvoller strahlt als jede äußere Kraft.

„Die Stimme der Stille“ zeigt sich hier nicht als Ton, sondern als Frequenz, als Schwingung der Klarheit, die alles Überflüssige abschält und das Wesentliche freilegt. Es ist, als würde das Bild den Moment festhalten, in dem der Mensch sich selbst erkennt,  jenseits von Lärm, Konzepten und Rollen. In diesem Raum geschieht die Transfiguration: ein Aufleuchten, ein inneres Erwachen, ein sanftes, aber unumkehrbares Umwandeln der eigenen Wirklichkeit.

Dieses Werk ist ein Schwellenraum. Ein stiller, aber machtvoller Hinweis darauf, dass Befreiung nicht durch Kampf entsteht, sondern durch das Lauschen in jene tiefe innere Stimme, die uns längst kennt und – wenn wir ihr vertrauen – in unsere wahrste Form überführt.

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