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Kalenderblatt
20. März

Morgen in der Stadt

Das Kalenderblatt zum 20. März
„Morgen in der Stadt“
„Morning in the City“
„Mañana en la ciudad“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Die Stadt war noch nicht ganz erwacht, und doch lag bereits eine eigentümliche Spannung in der Luft, als würde etwas Unsichtbares leise an den Schleiern der Nacht ziehen. Zwischen den Häuserzeilen, deren Konturen sich in rauen, fast vergessenen Strukturen verloren, hing ein goldener Kreis am Himmel, groß und still, wie ein Auge, das alles sah und nichts verriet.

Niemand wusste genau, wann dieses Licht begonnen hatte zu leuchten. Es war nicht die Sonne, wie man sie kannte. Es war intimer, dichter, beinahe bewusst. Die Menschen nannten es den Morgen, doch insgeheim spürten sie: Dies war mehr als ein Tagesbeginn. Es war ein Erinnern.

In einer schmalen Straße, deren Wände Geschichten von Jahrzehnten trugen, Schichten von Leben, Lärm, Hoffnung und Müdigkeit, stand ein Mann am Fenster. Er hatte nicht geschlafen. Die Nacht hatte ihn gehalten, wie sie es oft tat, mit ihren Fragen, die keine Antworten wollten. Und jetzt, da dieses Licht durch die Ritzen der Stadt drang, fühlte er etwas, das er lange nicht gespürt hatte: eine leise, unbeirrbare Klarheit.

Die Farben der Stadt waren seltsam verändert. Das tiefe Violett zwischen den Häusern wirkte wie ein Raum zwischen den Gedanken, während rostige, erdige Töne den Boden der Wirklichkeit bildeten. Und dazwischen, wie ein Riss, wie ein Übergang, zog sich eine schmale Spur aus kühlem Blau. Ein Weg, der nicht für die Augen gemacht war, sondern für jene, die zu fühlen wagten.

Er trat hinaus.

Die Straßen waren nicht leer, aber sie waren still. Menschen bewegten sich, doch ohne Hast, als hätten sie alle gleichzeitig beschlossen, für einen Moment nicht mehr gegen die Zeit zu kämpfen. Der goldene Kreis hing weiterhin unbewegt über allem, und doch schien er in jedem Schritt mitzuschwingen.

Ein Kind blieb mitten auf dem Platz stehen und blickte nach oben. Seine Augen spiegelten das Licht, und in diesem Spiegeln lag etwas Unverstelltes, etwas Ursprüngliches. Die Fähigkeit, die Welt nicht zu erklären, sondern zu erleben.

Der Mann folgte dem blauen Streifen, ohne zu wissen warum. Vielleicht, weil er das erste Mal seit Langem nicht verstand  und genau das sich richtig anfühlte. Der Weg führte ihn durch schmale Gassen, über Plätze, vorbei an Mauern, die wie aufgebrochene Erinnerungen wirkten. Und mit jedem Schritt wurde es stiller in ihm.

Nicht die Stadt veränderte sich.

Er war es.

Als er schließlich stehen blieb, war da kein Ziel, kein Ort, der sich besonders anfühlte. Nur der Moment selbst. Das Licht hatte sich nicht bewegt, und doch war alles heller geworden. Die Strukturen, die vorher hart und brüchig wirkten, begannen sich zu verbinden, als wären sie Teil eines größeren Ganzen.

Er schloss die Augen.

Und in diesem Augenblick verstand er, dass dieser Morgen kein Anfang war und auch kein Ende. Es war ein Durchgang, ein leises Öffnen einer Tür, die schon immer da gewesen war.

Als er die Augen wieder öffnete, war die Stadt dieselbe.

Und doch war sie es nicht mehr.

Denn etwas in ihr  und in ihm, hatte begonnen zu leuchten.

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Kalenderblatt
1. Dezember

Die Stadt hinter dem Strom taucht aus dem Nebel auf

Kalenderblatt vom 1. Dezember
„Die Stadt hinter dem Strom taucht aus dem Nebel auf“
„The town behind the large river appears out of the fog“
„La ciudad después del río aparece de la niebla“

Acryl, Acrylpaste, Asche von Räucherwerk, Ölpastell auf Aquarellpapier ca. 21 x 15 cm

Vor dir entfaltet sich eine Vision, die anmutet wie ein Erinnerungsfragment aus einer anderen Welt: Die Stadt hinter dem Strom, die langsam, fast widerwillig, aus einem Schleier aus Nebel und Vergangenheit auftaucht. Die Mischung aus Acryl, Acrylpaste, Räucherasche und Ölpastell verleiht dem Werk eine alchemistische Tiefe, als würde die Stadt nicht nur gemalt, sondern beschworen.

Im Zentrum erhebt sich ein verwischter, turmähnlicher Bau, dessen Konturen zwischen Stabilität und Auflösung schweben. Er wirkt wie ein Hüter einer Schwelle, ein Wächter zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenem. Seine Form ist angedeutet, doch kraftvoll genug, um sich dem Auge immer wieder neu zu offenbaren.

Die leuchtenden Gelbflächen strahlen wie inneres Feuer, das unter der Oberfläche dieser mystischen Stadt pulsiert. Sie wirken wie Lichtinseln, die durch die Dunkelheit brechen und etwas Unausgesprochenes betonen: Hoffnung, Erwachen, ein Aufbruch. Dagegen setzt das intensive Rot einen emotionalen Brennpunkt, es ist Bewegung, Herzschlag, das Unbändige, das sich nicht kontrollieren lässt.

Zwischen all dem fließen blaue Linien, nervös, energiegeladen, fast wie Erinnerungsblitze. Sie scheinen Wege, Strömungen oder innere Karten zu markieren, die nur der Betrachter entschlüsseln kann. Die Spuren der Asche verleihen dem Bild seine eigentliche Tiefe: eine Ahnung von Vergänglichkeit, von Ritual, von Transformation.

So entsteht der Eindruck, dass sich diese Stadt nicht einfach nur zeigt,  sie emergiert, sie wird, sie erinnert sich selbst, genau in dem Moment, in dem du sie betrachtest. Es ist eine Landschaft zwischen Zeiten, zwischen Bewusstseinsebenen, ein Ort, der im Nebel schlummerte und nun, Schicht um Schicht, seinen Schleier hebt.

Dieses Bild erzählt von Übergängen: vom Herauslösen aus der Vergangenheit, vom Betreten neuer innerer Räume und vom Mut, durch den Nebel hindurch das Eigene wiederzufinden.

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