Kalenderblatt
24. September

Kalenderblatt 24. September

Das Kalenderblatt zum 24. September

„Die Glut gebiert den Phönix“
„From the Ember, the Phoenix Rises“
„De la Brasa Nace el Fénix“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses Bild zeigt nicht die vollendete Wiedergeburt. Es zeigt den Augenblick, in dem sie beginnt.

Die Bildfläche scheint von innen heraus zu glühen. Gelb, Orange und Rot drängen nach vorn, überlagern sich, brechen auf und werden von dunklen, beinahe schwarzen Spuren durchzogen. Im Zentrum verdichtet sich die Bewegung. Dort scheint etwas Gestalt anzunehmen, ohne sich vollständig zu offenbaren. Etwas ist im Werden.

Der Phönix erscheint nicht als sichtbarer Vogel und nicht als Illustration eines Mythos. Er ist vielmehr eine Ahnung innerhalb der Farbe, eine Bewegung, die sich aus der Glut erhebt. Gerade dadurch wird das alte Symbol der Wiedergeburt zu einem inneren Bild: Transformation geschieht nicht plötzlich und nicht ohne Widerstand. Sie wächst aus dem hervor, was zuvor erschüttert, verbrannt oder aufgebrochen wurde.

Die pastosen Schichten tragen Spuren dieses Geschehens. Kratzungen, Übermalungen und Verdichtungen lassen die Oberfläche beinahe wie eine verletzte Haut erscheinen. Das Vergangene wird nicht ausgelöscht. Es bleibt Teil dessen, was neu entsteht.

Darin liegt eine wesentliche Spannung des Werkes. Das Dunkle steht dem Licht nicht einfach gegenüber. Beides durchdringt sich. Aus den schweren, erdigen und schwarzen Partien drängt die leuchtende Farbe hervor. Zerstörung und Schöpfung werden zu zwei Seiten desselben Vorgangs.

„Die Glut gebiert den Phönix“ erzählt deshalb weniger vom triumphalen Auferstehen als vom geheimnisvollen Prozess der Wandlung selbst. Von jenem Zwischenraum, in dem das Alte seine Form verliert und das Neue noch keinen Namen besitzt.

Vielleicht ist es gerade dieser unfertige Augenblick, der das Bild so unmittelbar macht. Denn auch menschliche Veränderung vollzieht sich selten als klarer Schnitt. Wir tragen Spuren mit uns. Erfahrungen, Verletzungen und Abschiede verschwinden nicht einfach. Doch aus ihnen kann etwas entstehen, das vorher nicht möglich war.

Nicht trotz der Glut entsteht neues Leben, sondern aus ihr.

Und so bleibt am Ende keine fertige Botschaft, sondern eine Frage:

Was in uns muss sich verwandeln, damit etwas Neues Gestalt annehmen kann?

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Kalenderblatt
23. September

Aus dem Schmelztiegel der Läuterung

Kalenderblatt vom 23. September
„Aus dem Schmelztiegel der Läuterung“
„From the crucible of sublimation“
„Del crisol de la purificación“

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Etwas ist in Bewegung geraten. Rot, Gelb und Türkis drängen aus unterschiedlichen Richtungen in den Bildraum, treffen aufeinander, brechen ab und scheinen von einer dunklen, kreisenden Bewegung erfasst zu werden. Die Farben stehen nicht einfach nebeneinander. Sie wirken wie Kräfte, die miteinander ringen.

Im Zentrum verdichtet sich dieses Geschehen.

Aus einem dunklen Violett tritt eine goldene Form hervor. Sie ist unregelmäßig, beinahe roh. Kein vollkommenes Gold, keine makellose Kostbarkeit. Sie trägt noch die Spuren des Prozesses in sich, aus dem sie entstanden ist.

Das Gold erscheint nicht trotz des Dunkels. Es entsteht aus ihm.

Damit wird der Schmelztiegel zum Sinnbild einer inneren Erfahrung. Läuterung bedeutet hier nicht Reinigung im Sinne einer Rückkehr zu einem ursprünglichen, unversehrten Zustand. Etwas wird vielmehr der Veränderung ausgesetzt. Gewissheiten lösen sich auf, Formen verlieren ihre Grenzen, Verborgenes tritt hervor.

Darin berührt das Werk die alte Bildwelt der Alchemie. Im Schmelztiegel wird Materie erhitzt, getrennt, verwandelt und neu verbunden. Doch hier geht es nicht um die Herstellung eines kostbaren Metalls. Der eigentliche Schmelztiegel ist der Mensch selbst.

Das Gold im Zentrum kann deshalb als Chiffre dessen gelesen werden, was sich erst im Prozess der Wandlung zeigt. Es ist keine Belohnung am Ende eines bequemen Weges. Es ist Verdichtung: etwas Wesentliches, das sichtbar wird, nachdem anderes seine bisherige Gestalt verloren hat.

Und doch erzählt das Bild nicht von einem abgeschlossenen Vorgang. Die kräftigen Farbströme bleiben in Bewegung. Das Türkis öffnet den Raum nach oben, während Rot und Gelb von den Seiten eindringen. Das dunkle Zentrum hält diese Kräfte zusammen und lässt zugleich etwas Neues aus ihnen hervortreten.

„Aus dem Schmelztiegel der Läuterung“ zeigt den Augenblick zwischen Auflösung und Werden.

Vielleicht liegt darin seine eigentliche Spannung. Das Neue ist bereits anwesend, aber noch nicht vollendet. Das Alte ist noch sichtbar, besitzt jedoch nicht mehr seine frühere Geschlossenheit.

So wird das Bild zu einem stillen Gegenüber für den eigenen inneren Weg. Es gibt keine fertige Antwort und verspricht auch keine schmerzlose Transformation. Stattdessen stellt es eine viel grundsätzlichere Frage:

Was bleibt, wenn das Unwesentliche seine Form verliert?

Und mitten in dieser offenen Frage leuchtet Gold.

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