Kalenderblatt
27. September

Erinnere dich an früher!

Kalenderblatt zum 27. September
„Erinnere dich an früher!“

„Remember a day before today!“
„Recordate antes!“

Acryl, Acrylpaste, Pigment  auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Gold beherrscht die Bildfläche. Doch es ist kein glattes, unberührtes Gold. Die Oberfläche trägt Spuren, Unebenheiten und Verdichtungen. Sie wirkt wie eine Fläche, über die Zeit hinweggegangen ist, ohne das Vergangene vollständig auszulöschen.

In diesem goldenen Raum stehen vier schmale Rechtecke. Sie erinnern an Fenster, Türen oder kleine Speicher des Erinnerns. Jedes enthält eine andere Farbwelt: tiefes Violett, kühles Blau, warmes Rosa, Rot und Gelb bis hin zu einem beinahe reinen Licht.

Das Bild erzählt keine Geschichte. Es zeigt vielmehr, wie Erinnerung funktioniert.

Was vergangen ist, kehrt selten vollständig zurück. Es erscheint in Ausschnitten: eine Farbe, eine Stimmung, ein Gesicht, ein Raum, ein Geruch. Manches bleibt dunkel, anderes verändert sich mit den Jahren. Und manches beginnt erst lange danach zu leuchten.

Über den oberen Feldern durchschneiden zwei rot-orange Formen die goldene Ruhe. Wie Zeiger, Signale oder Ausrufezeichen richten sie den Blick auf das, was darunter verborgen liegt. Plötzlich bekommt das Erinnern eine Dringlichkeit.

„Erinnere dich an früher!“

Doch dieses „Früher“ bleibt offen.

Es kann die eigene Lebensgeschichte meinen. Erfahrungen, Begegnungen und Entscheidungen, die längst vergangen scheinen und dennoch in uns weiterwirken. Vielleicht reicht die Aufforderung aber noch tiefer: zu etwas, das einmal unmittelbar und selbstverständlich war, bevor Erwartungen, Gewohnheiten und die vielen Schichten des Lebens darübergelegt wurden.

So wird die Vergangenheit in diesem Bild nicht zum Ort der nostalgischen Rückkehr. Sie wird zum Resonanzraum der Gegenwart.

Die vier Farbfelder stehen getrennt voneinander, und doch sind sie von derselben goldenen Fläche umgeben. Das Vergangene ist fragmentiert, aber nicht verschwunden. Es gehört zu einem größeren Zusammenhang, dessen Bedeutung sich immer wieder verändern kann.

Vielleicht besteht Erinnern deshalb nicht darin, zurückzugehen.

Vielleicht bedeutet Erinnern, im Vergangenen etwas wiederzuerkennen, das noch immer in uns lebt.

Und so richtet das Bild am Ende nur eine scheinbar einfache Frage an uns:

Was von dem, was einmal war, wirkt heute noch in dir?

Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
27. September

Kalenderblatt 27. September

Das Kalenderblatt zum 27. September
„Choral der Elemente – Gesang aus Feuer und Licht“
„Chorus of the Elements – Hymn of Fire and Light“
„Coro de los Elementos – Himno de Fuego y de Luz“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Das Bild empfängt den Blick mit einer beinahe körperlichen Intensität. Gelb, Gold und Orange breiten sich wie Licht und Hitze über die Fläche aus, während Rot, Blau, Grau und dunkle Spuren aus der Tiefe hervortreten. Nichts scheint hier stillzustehen. Farbe wird zu Bewegung, Material zu Landschaft, Licht zu einem eigenen Ereignis.

Im unteren Teil verdichtet sich die Malerei. Die Acrylpaste bildet raue, aufgebrochene Strukturen, die an Gestein, Wasser, Asche oder Erde denken lassen. Darüber öffnet sich ein leuchtender Raum, durchzogen von einer dunklen, rotbraunen Bewegung. Sie wirkt wie eine Grenze und zugleich wie ein Übergang.

So begegnen sich im Bild unterschiedliche Kräfte: Schwere und Leichtigkeit, Glut und Kühle, Verdichtung und Weite. Keine beherrscht die andere. Sie antworten einander.

Darin liegt der Gedanke des Chorals. Wie verschiedene Stimmen in einem Gesang treten auch die Elemente miteinander in Beziehung. Sie verschmelzen nicht, sondern bewahren ihre Spannung. Erst aus ihren Gegensätzen entsteht der gemeinsame Klang des Bildes.

Doch dieser Choral erzählt keine festgelegte Geschichte. Das Werk bleibt offen. Was wie Feuer erscheint, kann ebenso Licht sein; was an Wasser erinnert, kann zu Stein oder Asche werden. Die Formen befinden sich in einem Zustand beständiger Veränderung.

Im Zentrum steht damit weniger das einzelne Element als die Transformation selbst.

Etwas verdichtet sich.
Etwas bricht auf.
Etwas vergeht.
Etwas beginnt zu leuchten.

Besonders das große gelb-goldene Feld trägt diese Bewegung. Das Licht scheint nicht von außen auf die dargestellte Welt zu fallen. Es entsteht aus ihr selbst. Gerade dadurch erhält das Bild neben seiner elementaren Kraft eine stille, kontemplative Dimension.

Choral der Elemente – Gesang aus Feuer und Licht spricht von jenem Augenblick, in dem Gegensätze nicht mehr gegeneinanderstehen, sondern Teil einer größeren Bewegung werden.

Vielleicht beginnt Wandlung genau dort:
wo das Dunkle nicht verschwindet,
sondern Licht aus ihm hervortritt.

Teile diesen Beitrag