Kalenderblatt
28. September

 Kalenderblatt 28. September

Das Kalenderblatt zum 28. September
„Echo der Ahnen im Zeitenstrom“

„Whispers of the Ancestors Through the River of Time“
„Susurros de los Ancestros en el Río del Tiempo“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Das Bild erscheint wie eine aufgebrochene Landschaft der Erinnerung. Farben, Linien und Gestalten überlagern sich, treten hervor und verschwinden wieder. Nichts ist eindeutig Gegenwart, nichts vollständig Vergangenheit. Es ist, als hätte die Zeit selbst ihre Spuren in die Oberfläche eingeschrieben.

Im Zentrum verdichten sich Rot, Ocker, Gelb und Weiß zu einer glühenden Bewegung. Sie erinnern an Feuer und Erde, an Licht und Körper, an elementare Erfahrungen, die weit hinter die Erinnerung des Einzelnen zurückreichen. Dazwischen tauchen dunkle Zeichen und fragmentarische Gestalten auf. Manche wirken beinahe wie Figuren einer frühen Bildsprache, andere bleiben Schatten, Andeutungen, flüchtige Erscheinungen.

Die Ahnen dieses Bildes haben keine Namen. Sie erzählen keine bestimmte Geschichte. Sie stehen für das, was vor uns gewesen ist und dennoch in uns weiterwirkt.

Wir tragen Erfahrungen, Bilder und Prägungen in uns, deren Ursprung wir oft nicht mehr kennen. Persönliche Erinnerung verbindet sich mit etwas Größerem: mit Herkunft, Geschichte und den unzähligen Leben, die unserer eigenen Gegenwart vorausgegangen sind.

Doch Vergangenheit ist hier nichts Abgeschlossenes.

Sie bewegt sich.

Sie wird überlagert, verletzt, verwandelt und neu geschrieben. Deshalb scheint das Bild keinen festen Mittelpunkt zu besitzen. Alles befindet sich in Strömung. Selbst die Gestalten wirken, als würden sie für einen Augenblick aus diesem Strom auftauchen, bevor sie wieder in ihm verschwinden.

Und damit verändert sich die Frage.

Nicht mehr nur: Woher komme ich?

Sondern auch:

Was habe ich empfangen?
Was trage ich weiter?
Und was füge ich selbst diesem Strom hinzu?

„Echo der Ahnen im Zeitenstrom“ blickt deshalb nicht zurück, um Vergangenes festzuhalten. Das Werk öffnet einen Raum zwischen Erinnerung und Werden, Herkunft und Zukunft.

Vielleicht sind die Ahnen gar nicht hinter uns.

Vielleicht leben ihre Spuren in unseren Entscheidungen, unseren Ängsten, unserer Sehnsucht und unserer Fähigkeit, etwas Neues hervorzubringen.

Und vielleicht besteht unsere Aufgabe nicht darin, diesen Strom anzuhalten.

Sondern darin, ihm für einen Augenblick unsere eigene Spur einzuschreiben.

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Kalenderblatt
27. September

Seelenschmerz heilt nicht wie Leibeswunden

Kalenderblatt vom 27. September
„Seelenschmerz heilt nicht wie Leibeswunden“
„Agony of the soul don’t heal like wound of the body“
„Dolor del ánima no cura como una herida del cuerpo“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Das Bild zeigt keinen Schmerz. Es zeigt, was Schmerz hinterlässt.

Violett durchzieht die gesamte Fläche, doch es findet nirgends zur Ruhe. Die Farbe ist geschichtet, aufgerissen, verwischt und wieder überlagert. Helle Stellen brechen hervor, dunklere Partien verdichten sich. Formen entstehen und verschwinden wieder. Die Malerei wirkt wie eine innere Landschaft, in der Erinnerungen, Verletzungen und längst vergangene Erfahrungen noch immer Spuren hinterlassen.

Inmitten dieser bewegten Struktur erscheint ein kleines rotes Fragment. Es ist unscheinbar und zugleich kaum zu übersehen. Wie ein Schnitt durchbricht es das Violett. Man könnte darin eine Wunde erkennen, einen Riss, vielleicht auch etwas, das trotz allem lebendig geblieben ist.

Denn Rot bedeutet hier nicht nur Verletzung. Es ist ebenso Blut, Wärme, Herzschlag und Lebenskraft.

Der Titel stellt körperliche und seelische Verletzung nebeneinander und macht gerade dadurch ihren Unterschied sichtbar. Eine körperliche Wunde lässt sich versorgen. Sie bildet eine Narbe, und irgendwann kann man vielleicht sagen: Sie ist verheilt.

Bei einer seelischen Wunde ist das schwieriger.

Sie kann lange schweigen und plötzlich wieder gegenwärtig sein. Sie kann ihre Gestalt verändern, von anderen Erfahrungen überlagert werden und dennoch Teil der eigenen Geschichte bleiben. Seelische Heilung bedeutet deshalb vielleicht nicht, dass eine Verletzung verschwindet. Sie bedeutet, dass sich unser Verhältnis zu ihr verändert.

Genau darin liegt eine besondere Nähe zwischen dem Inhalt des Werkes und seiner malerischen Entstehung. Auch die Bildfläche kennt kein einfaches Auslöschen. Schichten liegen über Schichten. Was darunter verborgen wurde, wirkt weiter. Spuren früherer Bewegungen tauchen wieder auf und werden Bestandteil von etwas Neuem.

Das Vergangene ist nicht verschwunden.

Aber es hat sich verwandelt.

Deshalb ist dieses Bild trotz seines Titels kein Bild der Hoffnungslosigkeit. Der rote Einschnitt befindet sich zwar im Zentrum unserer Aufmerksamkeit, doch er beherrscht nicht die gesamte Fläche. Um ihn herum geschieht etwas. Die Malerei bewegt sich, öffnet sich, verdichtet sich und bricht wieder auseinander.

Der Schmerz bleibt Teil des Bildes, aber er ist nicht das ganze Bild.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Aussage des Werkes: Wir müssen unsere inneren Wunden nicht verleugnen, um weiterzugehen. Manche Erfahrungen bleiben. Manche Narben begleiten uns. Doch sie können ihren Platz verändern und Teil einer größeren inneren Landschaft werden.

Und so stellt das Bild am Ende weniger die Frage, ob eine seelische Wunde jemals vollständig heilt.

Es fragt vielmehr:

Was wird aus einer Wunde, wenn sie nicht mehr bestimmt, wer wir sind?

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