Kalenderblatt
7. April

Sonnenstrahl trifft Erde

Das Kalenderblatt zum 7. April
“Sonnenstrahl trifft Erde”
“A sunbeam touches the Earth”
“Un rayo de sol alcanza la Tierra”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Ein einziger Strahl genügte. Nicht viele, nicht ein ganzes Lichtmeer,– nur dieser eine, der sich durch das flammende Himmelsdach bohrte, als hätte er eine Verabredung, die er nicht versäumen durfte.

Oben glühte der Himmel in einem wilden Atem aus Feuer und Gold, als würde er Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählen. Doch mitten in dieser lodernden Weite öffnete sich ein Spalt, ein stiller Ruf, und aus ihm fiel der Strahl, klar, zielgerichtet, beinahe bewusst.

Unten wartete die Erde.

Sie war unruhig, durchzogen von Spuren vergangener Bewegungen, von Erinnerungen in Blau, Grau und zerrissenen Farben. Nichts war geordnet, nichts war still. Es war, als hätte die Welt selbst den Faden verloren und suche nun nach einem Anfang, der sie wieder zusammenhält.

Der Strahl berührte sie nicht einfach. Er suchte. Er tastete sich durch die Schichten, durch das Chaos, durch das Unausgesprochene. Und dort, wo er die Oberfläche traf, geschah etwas, das niemand hätte planen können.

Die Farben begannen zu antworten.

Zuerst zögerlich, dann mutiger, als hätten sie nur auf dieses Zeichen gewartet. Das Zerrissene begann sich zu erinnern, dass es einst verbunden war. Linien fanden Linien, Formen fanden Formen, und selbst das Unruhige bekam einen Rhythmus, der nicht mehr zerstörte, sondern trug.

Der Strahl selbst veränderte sich dabei. Er war nicht länger nur Licht. Er wurde Beziehung. Zwischen oben und unten, zwischen Ursprung und Form, zwischen dem, was gedacht wurde, und dem, was geworden war.

Und ganz unten, fast übersehen, lag eine sanfte, goldene Landschaft. Still, geduldig, wie ein Versprechen. Sie hatte all die Zeit gewartet, nicht auf viele Strahlen, nicht auf große Ereignisse, sondern genau auf diesen einen Moment, in dem das Licht den Mut hatte, die Erde wirklich zu berühren.

Als der Strahl sich schließlich ausbreitete, war nichts mehr wie zuvor. Nicht, weil alles anders geworden wäre, sondern weil alles begonnen hatte, sich zu erinnern, wer es im Innersten ist.

Und so erzählt man sich seither von jenem Augenblick, in dem ein einzelner Sonnenstrahl genügte, um die Welt nicht zu verändern, sondern sie wieder ganz zu machen.

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