
Kalenderblatt vom 6. November
„Das Licht in den Grotten von Ussat“
„The light in the grottos of Ussat“
„La luz en las grutas de Ussat“
Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Tief im Inneren der Erde beginnt etwas zu leuchten. Kein Licht, das von außen eindringt, sondern eines, das aus der Dunkelheit selbst geboren zu werden scheint.
Glühendes Gold, feuriges Orange und leuchtendes Gelb breiten sich zwischen aufgebrochenen Gesteinsschichten aus. Dunkle, erdige Strukturen stemmen sich dagegen, während kühles Blau und silbrig weiße Flächen die Komposition umschließen. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Verdichtung und Öffnung, zwischen dem Widerstand der Materie und einer Kraft, die sich ihren Weg bahnt.
Die Grotten von Ussat in den französischen Pyrenäen sind mehr als ein geografischer Bezugspunkt. Sie werden zum Sinnbild eines verborgenen Innenraums, in dem sich die sichtbare Welt und ihre unsichtbaren Dimensionen berühren.
Das Gold im Zentrum ist kein bloßer Lichtschein. Es ist Gegenwart. Eine Kraft, die nicht von außen hinzugefügt wird, sondern im Innersten bereits vorhanden ist. Die aufbrechenden Schichten lassen erahnen, dass Erkenntnis nicht immer ein sanftes Geschehen ist. Manchmal muss etwas zerbrechen, damit das Verborgene sichtbar werden kann.
Acryl, Acrylpaste und Glitter verleihen diesem Vorgang eine beinahe körperliche Präsenz. Die Farben liegen nicht einfach nebeneinander. Sie durchdringen, überlagern und bedrängen sich, als vollziehe sich vor unseren Augen ein uralter Verwandlungsprozess.
„Das Licht in den Grotten von Ussat“ erzählt nicht vom Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Es erzählt von einem Licht, das gerade in der Tiefe der Dunkelheit seinen Ursprung offenbart.
Und vielleicht liegt darin das eigentliche Geheimnis dieses Bildes: Was wir suchen, muss nicht erst erschaffen werden. Es wartet darauf, freigelegt zu werden.