Kalenderblatt
3. November

Welt der Abgrenzung

Kalenderblatt vom 3. November
„Welt der Abgrenzung“
„World of demarcation“
„El mundo de la demarcación„

Tusche auf Zeichenpapier ca. 15 x 21 cm

Wo beginnt das Eine, wo endet das Andere? Wo wird aus einer Berührung eine Grenze, aus einer Grenze eine Trennung?

Ein unüberschaubares Geflecht schwarzer Linien durchzieht den Bildraum. Sie umkreisen, umschließen, verzweigen und verschlingen sich. Was zunächst wie eine gewachsene Ordnung erscheint, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein fortwährendes Ringen um Raum und Eigenständigkeit. Jede Linie behauptet ihre Richtung, jede Form ihre Existenz. Und doch ist alles miteinander verbunden.

Dazwischen breitet sich das Rot aus. Ungebändigt, lebendig, beinahe körperlich. Es folgt keiner erkennbaren Ordnung, drängt in Zwischenräume, weitet sich aus und zieht sich wieder zurück. Es ist die Gegenwart einer Kraft, die sich nicht vollständig eingrenzen lässt.

Die Abgrenzung erscheint hier in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit. Sie schafft Identität und ermöglicht Orientierung. Zugleich trennt sie das, was seinem Wesen nach vielleicht untrennbar ist.

So wird die Bildfläche zum Sinnbild einer menschlichen Wirklichkeit, in der wir unaufhörlich Grenzen errichten, um uns selbst zu erkennen, und dabei Gefahr laufen, die Verbindung zum Ganzen zu verlieren.

Doch zwischen den Linien bleiben Öffnungen. Zwischen den Formen entstehen Übergänge. Und vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Bewegung dieses Bildes: nicht in der Überwindung aller Grenzen, sondern in der Erkenntnis, dass keine Grenze das Leben endgültig einschließen kann.

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