Schlagwortarchiv: Welt

Kalenderblatt
29. Oktober

Mach Frieden mit dir und der Welt

Kalenderblatt vom 29. Oktober

„Mach Frieden mit dir und der Welt“
„Come to terms with yourself and with the world“
„Pacificate y el mundo“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Frieden ist kein Zustand, der aus der Stille erwächst. Oft geht ihm eine heftige Auseinandersetzung voraus.

Rot und Schwarz bestimmen den Bildraum. Farben stoßen aufeinander, überlagern sich, brechen auf und hinterlassen Spuren. Die Materie scheint in ständiger Bewegung, als würde sie gegen sich selbst ankämpfen.

Inmitten dieser Unruhe behauptet sich eine helle, gelblich-weiße Form. Sie wird bedrängt, umschlossen und teilweise verschlungen. Doch gerade aus dieser Bedrängnis entwickelt sie ihre eigene Kraft.

Hier wird nichts beschönigt. Die Gegensätze bleiben bestehen. Verletzungen werden nicht verdeckt, Widerstände nicht aufgelöst.

Frieden bedeutet nicht, dass die Gegensätze verschwinden. Frieden beginnt dort, wo wir aufhören, sie zu bekämpfen.

So erzählt das Bild von einer Versöhnung, die nicht durch Unterwerfung oder Verdrängung entsteht, sondern durch die Annahme dessen, was ist.

Der Friede mit der Welt beginnt mit dem Frieden in uns selbst.

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Kalenderblatt
4. August

Nach dem 5. Glas Apfelsaft sah Frau Huber die Welt mit anderen Augen

Kalenderblatt vom 4. August
„Nach dem 5. Glas Apfelsaft sah Frau Huber die Welt mit anderen Augen“
„After the 5th glass of apple juice Ms. Huber looked at the world from a different angle“
„Despues de la quinta  copa de zumo de manzana doña Huber se miraba el mundo de manera diferente“

Aquarell auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Es war weder Wein noch Absinth. Kein Zaubertrank, keine verbotene Substanz. Nur Apfelsaft. Fünf Gläser davon.

Irgendwann zwischen dem vierten und fünften Glas verschob sich die Welt beinahe unmerklich. Frau Huber, deren Alltag sonst von Vernunft, Ordnung und einem beneidenswert zuverlässigen Realitätssinn geprägt war, bemerkte plötzlich, dass die Landschaft nicht mehr dieselbe war.

Die Hügel begannen weich ineinanderzufließen, als wären sie aus Licht gemalt. Mitten in dieser vertrauten Welt erhob sich ein leuchtend roter Pfosten. War er Wegweiser? Grenze? Einladung? Niemand konnte das mit Sicherheit sagen.

Linien verloren ihre Strenge und wurden zu Bewegungen. Formen verwandelten sich in Andeutungen. Aus wenigen Strichen entstanden Wesen, Erinnerungen und Möglichkeiten. Rechts im Bild scheint eine rätselhafte Gestalt mit einem strahlenden Nimbus aufzutauchen, nicht als Erscheinung im religiösen Sinn, sondern wie eine Figur aus jener stillen Zone zwischen Fantasie, Traum und Erinnerung.

Das Aquarell spielt mit genau diesem Augenblick, in dem Wahrnehmung beginnt, sich von der bloßen Beschreibung der Welt zu lösen. Es erzählt nicht, was zu sehen ist, sondern wie sich Sehen verändern kann.

Der rote Pfosten wird dabei zum stillen Mittelpunkt. Er wirkt wie eine Schwelle zwischen zwei Wirklichkeiten: der geordneten Außenwelt und jener inneren Landschaft, in der Vorstellungskraft plötzlich dieselbe Gültigkeit besitzt wie das Sichtbare.

Mit feinem Humor erinnert das Bild daran, dass außergewöhnliche Erfahrungen manchmal keine außergewöhnlichen Ursachen brauchen. Vielleicht genügt tatsächlich ein fünftes Glas Apfelsaft. Vielleicht genügt aber auch der Mut, die Welt für einen Augenblick nicht erklären zu wollen.

Dieses Werk lebt von seiner Leichtigkeit. Es lächelt den Betrachter an, ohne sich über ihn lustig zu machen. Hinter dem augenzwinkernden Titel verbirgt sich eine poetische Einladung: Die Wirklichkeit ist oft weniger fest, als wir glauben. Manchmal genügt ein kleiner Perspektivwechsel, und aus einer Landschaft wird ein Abenteuer.

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