
Das Kalenderblatt zum 22. August
“Tief in meinem Herzen … ”
“Deep in my heart …”
“En el fondo de mis corazón … ”
Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Das Herz ist kein heller Ort.
Es trägt Ablagerungen in sich, Erinnerung, Verletzung, Zeit und Vergessen. Seine Landschaft ist nicht glatt. Sie ist zerbrochen, gefaltet, verbrannt, wieder zusammengesetzt. In diesem Bild scheint die dunkle Materie eine solche innere Landschaft zu bilden.
Und mitten darin erscheint das Gelb.
Es ist kein unbeschwertes Licht. Es muss sich gegen die Dunkelheit behaupten. Fast scheint es, als sei diese leuchtende Form aus der schwarzen und grauen Materie herausgerissen worden. Ihre Oberfläche ist verwundet, unregelmäßig, körperlich. Im Zentrum verdichtet sich das Gold.
Gold bedeutet nicht Schönheit. Gold bedeutet Verwandlung.
Das Kostbare entsteht hier nicht außerhalb der Dunkelheit. Es befindet sich in ihr.
Vielleicht ist die gelbe Form eine Blüte. Vielleicht eine Flamme. Vielleicht ein Organ. Vielleicht ist sie nichts davon. Entscheidend ist, dass sie lebt, während die Welt um sie herum wie erstarrte, verbrannte oder vergangene Materie erscheint.
Dann ist da dieser rote Faden.
Er führt aus dem Leuchtenden hinaus und verschwindet am unteren Bildrand. Wie eine Ader, eine Wurzel oder eine Nabelschnur verbindet er das Sichtbare mit etwas, das außerhalb des Bildes weiterbesteht.
Dadurch bekommt der Titel „Tief in meinem Herzen …“ eine eigentümliche Schwere.
Denn tief im Herzen finden wir nicht nur das Schöne.
Wir finden dort auch das Verbrannte.
Das Verschüttete.
Das, was wir verloren glaubten.
Und vielleicht finden wir darin etwas, das trotz allem nicht aufgehört hat zu glühen.
Das Licht steht der Dunkelheit nicht gegenüber.
Es ist aus ihr hervorgegangen.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bewegung dieses Bildes:
Nicht die Flucht aus der Dunkelheit, sondern ihre Verwandlung.