Kalenderblatt
22. August

Kalenderblatt 22. August

Das Kalenderblatt zum 22. August

„Das Erwachen des Kosmos im Schleier der Stille“
„The Cosmic Awakening Beneath the Veil of Silence“
„El Despertar Cósmico Bajo el Velo del Silencio“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Der Bildraum scheint sich erst im Augenblick des Betrachtens zu bilden. Gelb, Grün, Blau und Violett tauchen aus milchigen, nebelartigen Farbschichten hervor, verdichten sich und verlieren sich wieder. Nichts besitzt eine endgültige Gestalt. Alles befindet sich in einem Zustand zwischen Erscheinen und Verschwinden.

Der Kosmos wird hier nicht als fertige Ordnung gezeigt, sondern als etwas, das gerade erst entsteht.

Eine dunkle, diagonal durch das Bild verlaufende Form unterbricht diese schwebende Farbwelt. Sie wirkt wie eine Grenze, eine Schwelle oder ein Riss, der zwei unterschiedliche Räume voneinander trennt und zugleich miteinander verbindet. Ihre klare Richtung steht im Gegensatz zu den weichen, fließenden Übergängen der umgebenden Farben.

Unterhalb und jenseits dieser dunklen Zone öffnet sich ein intensives Blau. Darüber breiten sich Gelb und Grün wie ein noch unbestimmtes Leuchten aus. Violette und graue Verdichtungen ziehen sich durch den Raum wie Nebel, kosmische Wolken oder Spuren einer Bewegung, deren Ursprung außerhalb des Sichtbaren liegt.

Doch keine dieser Formen lässt sich eindeutig benennen.

Das Bild bleibt an der Schwelle zwischen Landschaft und Abstraktion, zwischen räumlicher Tiefe und reiner Farbbewegung.

Gerade darin erhält der Titel „Das Erwachen des Kosmos im Schleier der Stille“ seine besondere Bedeutung. Das Erwachen geschieht nicht als plötzliche Explosion. Es vollzieht sich beinahe unmerklich. Farbe tritt aus Farbe hervor. Helligkeit wächst aus trüben Schichten. Räume beginnen sich voneinander zu unterscheiden.

Etwas wird sichtbar, bevor wir wissen, was es ist.

Die Transparenz des Aquarells verstärkt diesen Eindruck des Flüchtigen und Unabgeschlossenen. Die Acrylpaste setzt der schwebenden Farbigkeit stellenweise eine körperliche Struktur entgegen. So begegnen sich Leichtigkeit und Materie, Auflösung und Verdichtung, Bewegung und Stille.

Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Erwachen dieses Bildes.

Nicht in der Entstehung einer bestimmten Welt, sondern in jenem kaum fassbaren Augenblick, in dem aus dem Unbestimmten erstmals eine Möglichkeit hervortritt.

Der Schleier hebt sich nicht vollständig.

Er wird nur für einen Moment durchlässig.

Und dahinter beginnt etwas zu leuchten.

 

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