
Kalenderblatt vom 2. August
„Frau Huber war entsetzt als sich ihr Hund Wasti beim Morgenspaziergang hinlegte und einschlief“
„Ms. Huber was appalled when her dog lied down and went to sleep during the morning walk“
„Doña Huber se escandalizaba cuando su perro se recostaba y se dormía durante el paseo mañanero“
Aquarell, Tusche auf Bambuspapier 21 x 13 cm
Es gibt Bilder, die keine Geschichte erzählen, sondern uns daran erinnern, dass Geschichten bereits überall wohnen. Diese Gestalt scheint weder Mensch noch Pflanze noch Tier zu sein und ist doch von allem etwas. Ihr Blick ist offen wie der eines Kindes, das die Welt noch nicht in Namen zerlegt hat.
Der kleine Hund am Rand des Bildes verändert alles. Er schläft, als hätte er beschlossen, dem Lauf der Zeit für einen Augenblick nicht mehr zu folgen. Während Frau Huber entsetzt ist, bleibt das Bild vollkommen gelassen. Es kennt keine Dringlichkeit. Es kennt nur den Rhythmus des Lebens.
Die Farben teilen das Gesicht nicht, sie vervollständigen es. Rot und Blau, Wärme und Kühle, Gefühl und Gedanke begegnen sich in einer einzigen Figur. Die schwarze Linie zeichnet keinen Körper, sondern eine Bewegung des Geistes.
Das wahre Ereignis ist nicht, dass ein Hund einschläft. Das wahre Ereignis besteht darin, dass wir glauben, dies dürfe nicht geschehen. Das Bild lächelt darüber. Es erinnert uns daran, dass selbst das Gewöhnlichste ein kleines Wunder sein kann, sobald wir aufhören, es selbstverständlich zu nennen.