Kalenderblatt
19. August

Meeting Point: fünfte Lichtung rechts

Kalenderblatt vom 19. August
„Meeting Point: fünfte Lichtung rechts“
„Meeting point: the 5th glade to the right“
„Meeting point: el quinto claro a la derecha“

Aquarell auf Bambuspapier ca. 21 x 15 cm

Es klingt zunächst wie eine beiläufige Wegbeschreibung: fünfte Lichtung rechts. Als gäbe es diesen Ort tatsächlich, als müsste man nur dem richtigen Pfad folgen, vier Lichtungen passieren und an der fünften abbiegen. Doch wohin führt dieser Weg?

Das Aquarell gibt darauf keine eindeutige Antwort. Es öffnet vielmehr einen Bildraum, der zwischen Landschaft, Erinnerung und Imagination schwebt.

Ein breites, beinahe überstrahlendes Gelb beherrscht die Komposition. Es lässt weniger an einen konkreten Himmel denken als an Licht selbst, an einen Raum, in dem Konturen ihre Bestimmtheit verlieren. Rosa und violette Farbzonen ziehen sich wie ferne Horizonte hindurch, während Grün, Grau und dunklere Verdichtungen am unteren Bildrand etwas Irdisches, beinahe Vegetatives entstehen lassen.

Durch diese Landschaft führt eine geschwungene rosafarbene Bahn. Weg, Fluss, Grenze oder Übergang? Ihre Bedeutung bleibt offen. Sie führt den Blick aus dem Vordergrund hinein in die Helligkeit und verliert sich schließlich dort, wo die Landschaft beginnt, sich aufzulösen.

Besonders präsent sind die runden Formen im unteren Bildbereich. In Orange, Rot, Grau und gedämpftem Rosa liegen sie wie fremdartige Körper in der Landschaft. Sie könnten Steine sein, Früchte, Planeten oder Wesen. Vielleicht sind es auch jene, die sich am vereinbarten Ort eingefunden haben. Gerade diese Unbestimmtheit verleiht ihnen ihre eigentümliche Präsenz.

Denn der Titel verändert den Blick auf das gesamte Bild.

„Meeting Point: fünfte Lichtung rechts“ setzt voraus, dass es eine Verabredung gibt. Irgendjemand kennt diesen Ort. Irgendjemand wird dort erwartet. Nur erfahren wir weder, wer sich trifft, noch warum.

So entsteht aus einer scheinbar heiteren Landschaft ein rätselhafter Zwischenraum. Die Lichtung wird zum möglichen Treffpunkt verschiedener Wirklichkeiten: des Sichtbaren und des Vorgestellten, des Vertrauten und des Fremden, vielleicht auch äußerer Landschaft und innerer Erfahrung.

Die Leichtigkeit des Aquarells unterstützt diesen Schwebezustand. Auf dem Bambuspapier fließen die Farben ineinander, bilden zufällige Übergänge, Verdichtungen und offene Stellen. Nichts wird vollständig festgeschrieben. Das Licht scheint die Formen ebenso hervorzubringen, wie es sie wieder verschwinden lässt.

Vielleicht existiert die fünfte Lichtung deshalb auf keiner Landkarte.

Und vielleicht ist das auch besser so. Man weiß nicht, wer dort auf uns wartet. Aber offenbar kennen wir den Weg.

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