
Kalenderblatt zum 15. September
„Anknüpfungspunkt“
„Point of contact“
„Punto de contacto“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Ein tiefblauer, bewegter Bildraum breitet sich aus. Seine raue Oberfläche lässt an Wasser, Himmel oder eine kaum bestimmbare Weite denken. Helle Spuren durchziehen das Blau, verdichten sich, verschwinden wieder. Nichts scheint vollkommen ruhig.
In diesem offenen Raum behauptet sich eine helle, unregelmäßige Form. Warmes Rot, Orange und Gelb schimmern aus ihrer Oberfläche. Sie wirkt wie ein Fremdkörper und zugleich wie ein Ort, an dem etwas zusammenkommt.
Sie ist der Anknüpfungspunkt.
Feine Linien treffen auf diese Form, gehen von ihr aus oder führen an ihr vorbei. Goldene Linien spannen ein offenes Gefüge über die blaue Fläche. Eine einzelne rote Linie durchschneidet die Komposition nahezu waagerecht. Sie folgt einer anderen Ordnung, einer anderen Richtung.
Doch wohin führen diese Linien?
Das Bild gibt darauf keine Antwort. Ihre Ausgangs- und Endpunkte liegen außerhalb des sichtbaren Raumes. Wir sehen nur einen Ausschnitt eines größeren Zusammenhangs.
Damit wird „Anknüpfungspunkt“ zu einem Bild über Beziehung und Begegnung. Etwas berührt etwas anderes. Für einen Augenblick entsteht Verbindung. Vielleicht verändert sich dadurch die Richtung, vielleicht entsteht etwas Neues, vielleicht trennen sich die Wege wieder.
Die zentrale Form ist deshalb weder Ziel noch Ursprung. Sie ist ein Dazwischen.
Auch die Gegensätze der Malerei begegnen sich dort: das tiefe Blau und die warmen Farbtöne, die raue Fläche und die präzise Linie, die offene Weite und die Verdichtung im Zentrum.
So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Verbundenheit und Freiheit, Nähe und Entfernung, Ordnung und Offenheit.
Vielleicht sind auch unsere eigenen Wege so beschaffen. Sie verlaufen nicht geradlinig und nicht unabhängig voneinander. Immer wieder gibt es Punkte, an denen Menschen, Gedanken, Erfahrungen oder Entscheidungen einander berühren.
Manche dieser Begegnungen bleiben beiläufig.
Andere verändern den weiteren Verlauf.
Ein Anknüpfungspunkt ist kein Endpunkt.
Er ist der Ort, an dem etwas weitergehen kann.