
Kalenderblatt zum 1. Oktober
„Die Kälte der nebeligen Stadt am Morgen“
„The coldness of the foggy city in the morning“
„La frialdad de la ciudad nebulosa de la mañana“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Die Stadt ist noch nicht erwacht. Sie liegt in einem Zustand zwischen Nacht und Morgen, zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden. Blau, Grau und gebrochenes Weiß schieben sich übereinander wie feuchte Schleier, durch die sich Mauern, Fenster, Straßen oder entfernte Fassaden nur erahnen lassen.
Nichts ist eindeutig. Und gerade daraus entsteht die eigentümliche Atmosphäre des Bildes.
Die Farbe scheint nicht nur auf der Oberfläche zu liegen. Durch die Acrylpaste, die Überlagerungen, Kratzspuren und Verwischungen bekommt sie etwas Körperliches. Das Blau wird beinahe zu einer spürbaren Kälte. Man meint den feuchten Stein zu kennen, die beschlagenen Scheiben, den Nebel zwischen den Häusern und jene Stille eines frühen Morgens, in der eine Stadt zwar schon vorhanden, aber noch nicht ganz bei sich ist.
Doch von rechts dringt Gelb in diese kühle Welt.
Es ist kein sanftes Morgenlicht. Das Gelb behauptet sich. Es breitet sich aus, stößt gegen das Blau, verschwindet stellenweise unter dunkleren Schichten und taucht an anderer Stelle umso heftiger wieder auf. Fast scheint es, als würde das Licht nicht über der Stadt aufgehen, sondern sich durch ihre Materie hindurcharbeiten.
Damit verändert sich das Bild.
Aus einer nebeligen Stadtansicht wird eine Darstellung des Übergangs. Kälte und Wärme, Erstarrung und Bewegung, Dunkelheit und Licht stehen sich gegenüber, ohne dass eine Seite die andere vollständig verdrängt. Der Morgen ist bereits angebrochen, aber noch nicht entschieden.
Vielleicht liegt darin auch die innere Dimension des Bildes. Es gibt Zeiten, in denen wir selbst nicht klar sehen. Gewohntes verliert seine Konturen, während das Kommende noch keine erkennbare Gestalt besitzt. Wir befinden uns in einem Zwischenraum.
Und dennoch kann gerade dort etwas beginnen.
Das Gelb wird so nicht einfach zum Symbol einer optimistischen Hoffnung. Es ist vielmehr eine erste Gegenwart des Lichts innerhalb der Ungewissheit. Es verspricht nicht, dass der Nebel sofort verschwinden wird. Es zeigt lediglich: Die Dunkelheit ist nicht mehr allein.
Vielleicht beginnt Veränderung genau so:
nicht mit vollkommener Klarheit,
sondern mit einem ersten Leuchten im Nebel.