Kategoriearchiv: Remastert

Kalenderblatt 03. Juli

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Das Kalenderblatt zum 03. Juli
„Im Land der Zwerge“

„In the country of the dwarfs“
 „En el pais de los enanos“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21

Wer das Land der Zwerge betreten wollte, musste zuerst eine Bedingung erfüllen: Er durfte nichts für selbstverständlich halten. Keine Form war dort eindeutig, kein Schatten blieb nur ein Schatten, und jeder Felsen konnte sich als schlafender Wächter entpuppen. Die meisten Menschen kehrten schon nach wenigen Schritten wieder um. Sie behaupteten, dort gäbe es nichts zu sehen. In Wahrheit hatten sie nur vergessen, mit den Augen der Neugier zu schauen.

Tief unter den bläulich schimmernden Felsen, in einer Landschaft aus gefrorenem Licht, verwitterten Erinnerungen und uralten Spuren, lebten die Zwerge. Sie bauten keine Burgen und horteten keine Schätze, wie die Geschichten der Menschen behaupteten. Ihr einziger Reichtum bestand darin, das Gold zu bewachen, das niemand kaufen konnte.

Dieses Gold war kein Metall. Es war ein Gedanke.

Einmal in jeder Generation erschien zwischen den kalten Gesteinsfalten ein kleiner goldener Funke. Unscheinbar, fast verloren in der gewaltigen Struktur der Welt. Wer ihn nur als Farbe sah, ging achtlos vorbei. Wer jedoch innehielt, spürte plötzlich, dass dieser winzige Lichtfleck mehr Gewicht besaß als ganze Berge. Denn alles Große beginnt im Unscheinbaren.

Die Zwerge wussten das seit Anbeginn der Zeit. Darum schützten sie den goldenen Funken vor den Eiligen, den Lauten und den Selbstgewissen. Sie ließen ihn nur von jenen finden, die bereit warenVDas Bild zeigt nicht das Land der Zwerge. Es prüft, ob das Land der Zwerge bereits in dir existiert.

Vielleicht ist der goldene Fleck deshalb so klein. Nicht weil ihm Bedeutung fehlt, sondern weil Wahrheit niemals laut auftreten muss. Sie genügt sich selbst. Sie wartet geduldig darauf, entdeckt zu werden.

Und wenn du lange genug hinschaust, wirst du vielleicht begreifen, warum die Zwerge niemals versuchten, größer zu werden. Sie wussten, dass Größe keine Frage der Körperhöhe ist, sondern der Fähigkeit, selbst im tiefsten Blau einen einzigen goldenen Hoffnungsschimmer zu erkennen und ihn behutsam zu bewahren. Menschen verbringen schließlich erstaunlich viel Energie damit, nach riesigen Schätzen zu suchen, während das Wesentliche oft die Größe eines Kieselsteins hat und still darauf wartet, gesehen zu werden.

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Kalenderblatt
3. Juli

Nepalesischer Lastenträger - die ganze Welt auf seinem Rücken

Kalenderblatt vom 3. Juli
„Nepalesischer Lastenträger – die ganze Welt auf seinem Rücken“
„Nepalese carrier – the whole world on his back“
„Soporte nepalés – todo el mundo a cuestas“

Acryl, Acrylpaste, Pigment, Permanentstift auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Nicht jeder trägt nur sein eigenes Leben. Manche tragen das Gewicht einer ganzen Welt. Dieses Bild erinnert an jene Menschen, die mit gebeugtem Rücken weitergehen, obwohl ihre Last längst jede vernünftige Grenze überschritten hat. Der Titel führt nach Nepal, in ein Land der steilen Pfade und der Träger, die Waren, Hoffnungen und manchmal sogar das Überleben anderer auf ihren Schultern transportieren. Menschen haben eine bemerkenswerte Begabung entwickelt: Sie stapeln Verantwortung so lange auf andere, bis diese aussehen wie wandelnde Berge.

Der dunkle, mächtige Bogen, der sich quer durch das Bild zieht, wirkt wie ein übergroßer Tragekorb oder ein gewaltiger Felsblock. Er dominiert die Komposition und scheint den darunter verborgenen Menschen beinahe zu verschlingen. Nur ein kleiner Ausschnitt des Gesichts wird sichtbar. Gerade dieses Fast-Verschwinden des Menschen macht seine Gegenwart umso eindringlicher. Die Last erhält ein Gesicht. Der Träger dagegen verliert beinahe seines.

Die warmen Orange-, Rot- und Goldtöne unterhalb der Last erzählen von Lebenskraft, Würde und ungebrochener Menschlichkeit. Trotz aller Schwere glimmt dort ein inneres Feuer. Es ist die Kraft, die Menschen weitermachen lässt, obwohl Vernunft längst eine Pause empfehlen würde. Nicht Heldentum aus Stolz, sondern Ausdauer aus Notwendigkeit.

Die schwarzen Linien, die sich durch den unteren Bildbereich ziehen, erinnern an Wege, Karten oder Bruchlinien. Sie können Bergpfade sein, Lebenslinien oder Entscheidungen, die niemals leicht waren. Jeder Strich erzählt von einem weiteren Schritt, einem weiteren Aufstieg, einem weiteren Tag unter einer Last, die größer ist als der eigene Körper.

Die aufgerauten Strukturen aus Acrylpaste und Pigment verleihen dem Bild eine fast steinerne Materialität. Die Oberfläche scheint selbst Gewicht zu besitzen. Dadurch wird die körperliche Erfahrung des Tragens nahezu greifbar. Man meint den Druck auf den Schultern, das Knarren der Muskeln und den Atem zu spüren, der mit jedem Schritt schwerer wird.

Doch dieses Werk handelt nicht nur von einem nepalesischen Lastenträger. Es spricht von allen Menschen, die Verantwortung tragen, ohne gesehen zu werden. Von Eltern, Pflegenden, Arbeitern, Helfenden, Künstlern und all jenen, die still ihre Pflicht erfüllen. Sie erscheinen selten auf Titelseiten. Sie halten jedoch den Alltag vieler anderer überhaupt erst aufrecht.

So wird der „Nepalesische Lastenträger, die ganze Welt auf seinem Rücken, zu einer universellen Metapher. Die eigentliche Frage lautet nicht, wie viel Gewicht ein Mensch tragen kann. Die entscheidendere Frage ist, wer ihm gelegentlich hilft, die Last abzusetzen. Denn selbst der stärkste Rücken braucht irgendwann einen Ort, an dem er sich aufrichten darf. Das Bild erinnert uns daran, dass Würde nicht im Gewicht der Last liegt, sondern in der Achtung vor dem Menschen, der sie trägt.

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