Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
20. Mai

Die Devi Nepals ergiesst sich über das Land

Kalenderblatt vom 20. Mai
„Die Devi Nepals ergiesst sich über das Land“
„The Devi of Nepal is regorging over the land“
„La Devi de Nepal esta inundando el país“

Aqiuarell auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Die Devi Nepals ergießt sich über das Land“ ist wie ein vergessenes Märchen aus den hohen Tälern zwischen Himalaya, Wind und Gebet. Man erzählt sich dort, dass es Zeiten gab, in denen die Erde selbst den Atem anhielt, weil die Menschen begonnen hatten, ihre Träume zu vergessen. Die Felder wurden trocken, die Wege leer, und selbst die Gebetsfahnen flatterten nur noch müde im Wind.

Hoch über den Bergen jedoch lebte eine alte Devi, eine leuchtende Göttin aus Licht, Wasser und Erinnerung. Niemand wusste genau, wie alt sie war. Manche sagten, sie sei älter als die ersten Steine des Himalaya. Andere behaupteten, sie sei aus den Tränen der Erde selbst geboren worden. Ihr Gewand bestand aus Morgenrot und fließendem Blau, und wo immer sie ihren Fuß aufsetzte, begann die Welt wieder zu atmen.

Eines Tages blickte die Devi hinunter auf Nepal und sah, dass die Menschen ihre Verbindung verloren hatten. Sie liefen schnell, sprachen laut und hörten doch nicht mehr den Stimmen der Flüsse zu. Die Kinder blickten nicht mehr lange genug in den Himmel, und die Alten hatten aufgehört, Geschichten zu erzählen. Da wurde die Devi traurig. Doch ihre Traurigkeit war keine dunkle Traurigkeit. Sie war warm wie Regen nach langer Trockenheit.

In der Nacht des großen Vollmondes stieg sie auf den höchsten Berggrat. Der Himmel färbte sich in jenes geheimnisvolle Rot, das nur kurz vor Sonnenaufgang existiert. Die Devi öffnete ihre Arme, und aus ihrem Herzen ergoss sich ein gewaltiger Strom aus Licht über das Land. Golden, rot und blau floss ihre Kraft über Felder, Häuser und uralte Wege. Die trockenen Böden begannen zu leuchten, und die Flüsse fanden ihre Stimmen wieder.

Die Menschen erwachten in jener Nacht aus seltsamen Träumen. Ein Hirte hörte plötzlich wieder die Melodie seiner Kindheit. Eine alte Frau erinnerte sich an ein längst vergessenes Lied ihrer Mutter. Kinder liefen lachend durch die Felder, weil sie glaubten, das Licht selbst berühren zu können. Und tief unten im Tal sah ein einsamer Maler, wie sich die Farben des Himmels über die Erde ergossen wie flüssige Seele.

Er nahm Papier und Wasserfarben und begann zu malen, weil er wusste, dass dieser Augenblick nicht verloren gehen durfte. Doch je länger er malte, desto mehr verstand er: Die Devi hatte nicht nur das Land berührt, sie hatte die Herzen geöffnet. Die leuchtenden Linien im Boden waren keine Wege aus Erde. Es waren Wege der Erinnerung. Wege zurück zum inneren Licht.

Seit jener Zeit glauben die Menschen in manchen nepalesischen Dörfern, dass die Devi noch immer erscheint, wenn die Welt zu laut wird. Dann legt sich plötzlich ein roter Schimmer über die Berge, und ein stiller Wind zieht über die Ebenen. Wer in diesem Moment innehält und lauscht, kann hören, wie die Erde selbst flüstert:

„Vergiss niemals, dass auch in dir ein Strom aus Licht verborgen liegt.“

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Kalenderblatt
20. Mai

Kalenderblatt zum 20. Mai

Das Kalenderblatt zum 20. Mai
„Als der schwarze Berg begann im Licht zu zerfallen“
„When the Black Mountain Began to Dissolve into Light“
„Cuando la montaña negra comenzó a disolverse en la luz“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Als der schwarze Berg begann im Licht zu zerfallen“  ist eine innere Eruption. Ein Moment der Verwandlung, eingefangen zwischen Materie und Auflösung, zwischen Dunkelheit und einem Licht, das nicht sanft kommt, sondern alles erfasst. Der schwarze Berg wirkt hier wie ein uraltes Symbol, wie eine verhärtete Wirklichkeit, ein Monument aus Erinnerung, Angst, Macht oder Schwere. Doch genau in dem Augenblick, in dem man glaubt, seine massive Form erkennen zu können, beginnt er bereits zu zerfallen. Nicht durch Gewalt. Sondern durch Licht.

Das Gelb des Hintergrundes ist dabei keine bloße Farbe. Es wirkt wie eine alles durchdringende Energie, wie ein kosmischer Morgen, der keine Schatten mehr duldet. Dieses Licht ist nicht dekorativ, es ist radikal. Es legt frei, was zu lange verborgen war. Der schwarze Berg verliert seine klare Kontur, beginnt zu fließen, sich aufzulösen, wird zu Bewegung, zu Fragment, zu Erinnerung. Die dunklen Linien wirken wie tektonische Spuren eines inneren Bebens. Dazwischen brechen rote und orangefarbene Felder hervor, wie glühende Kerne, wie verborgene Hitze unter erkalteter Oberfläche.

Gerade in der Verbindung von Acryl und Acrylpaste entsteht eine faszinierende physische Präsenz. Die Struktur des Bildes erinnert an verwittertes Gestein, an erkaltete Lava oder an Landschaften, die durch Feuer und Zeit geformt wurden. Gleichzeitig besitzt das Werk eine fast kalligrafische Leichtigkeit. Die schwarzen Linien ziehen sich wie Zeichen einer unbekannten Sprache über die Fläche. Es ist, als würde der Berg im Moment seines Zerfalls beginnen zu sprechen.

Der Titel eröffnet dabei eine tiefere philosophische Ebene. Denn Berge gelten traditionell als Sinnbild für Beständigkeit, Ewigkeit und Unerschütterlichkeit. Doch hier geschieht das Gegenteil: Das vermeintlich Feste verliert seine Macht im Kontakt mit Licht. Das Werk stellt damit eine existenzielle Frage: Was bleibt von unseren inneren Bergen, wenn plötzlich Bewusstsein in sie einfällt? Vielleicht erzählt dieses Bild genau davon, vom Ende alter Gewissheiten, vom Schmelzen innerer Härten oder von der Erkenntnis, dass selbst Dunkelheit nur eine vorübergehende Verdichtung ist.

Die kleine Bildgröße verstärkt paradoxerweise die Intensität. Auf nur ca. 15 x 21 cm entsteht ein Raum, der monumental wirkt. Wie ein Fragment eines viel größeren Universums. Der Betrachter steht nicht einfach vor einem Bild, er steht vor einem Prozess. Vor einem Augenblick, in dem etwas Altes vergeht und gleichzeitig etwas Neues geboren wird.

„Als der schwarze Berg begann im Licht zu zerfallen“ ist deshalb weit mehr als abstrakte Malerei. Es ist eine poetische Meditation über Transformation. Über das Ende von Starrheit. Über die stille Macht des Lichtes. Und über die Schönheit eines Zerfalls, der zugleich ein Anfang ist.

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