Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
25. Januar

Prozeß der Auflösung der Hindernisse

Das Kalenderblatt zum 25. Januar
“Prozeß der Auflösung der Hindernisse”
“the Process to dissolve the handicaps”
“Proceso para disolver los escollos”

Aquarell, Glitter, Tusche, Gelstift, StabiloPoint
auf Aquarellbüttenca 15 x 21 cm

Dieses Bild wirkt wie ein stiller, aber unaufhaltsamer Befreiungsakt, ein sichtbarer Prozeß, der nicht durch Druck entsteht, sondern durch Wahrheit. Im Zentrum steht ein aufrecht gesetztes, leuchtend rotes Feld: wie ein Tor, wie eine Bühne, wie ein bewusst markierter Raum, in dem etwas Entscheidendes geschieht. Rot ist hier nicht einfach Farbe, es ist Lebenskraft, Entschluss, Wärme und zugleich die radikale Bereitschaft, alles zu durchdringen, was sich bisher als Grenze präsentiert hat. Dieses Rechteck ist kein Dekor. Es ist eine Entscheidung in Form: „Hier löst es sich.“

In diesem roten Raum liegen dunkle, fast organisch ausfransende Tuschestrukturen wie Verdichtungen von innerem Widerstand, nicht als Feind, sondern als Material. Es sind die alten Knoten, die vernarbten Muster, die inneren „Nein“-Schichten, die sich im Leben wie selbstverständlich aufgebaut haben. Doch das Entscheidende ist: Sie stehen nicht mehr im Verborgenen. Sie sind im Licht, mitten in der Rotzone der Transformation. Und weil sie sichtbar werden, verlieren sie ihren geheimen Machtanspruch. Was früher blockiert hat, wird hier zu etwas, das man betrachten, fühlen, durchatmen – und letztlich entlassen kann. Genau so beginnt Auflösung: nicht durch Kampf, sondern durch Präsenz.

Die feine, grünlich schimmernde Umrandung des zentralen Feldes wirkt wie ein energetischer Schutzkreis, wie eine heilende Membran, die den Prozess hält. Sie sagt: Das hier ist kein Zusammenbruch, sondern eine integrierte Wandlung. Kein Chaos, sondern ein geordneter Übergang. Die Hindernisse lösen sich nicht, weil sie zerstört werden, sondern weil der Raum entstanden ist, der größer ist als sie. Der Glitter verstärkt diese Wahrnehmung subtil: wie ein kaum greifbarer Hinweis darauf, dass in jeder Auflösung eine unsichtbare Gnade liegt, ein Funken Sinn, der nicht erklärt werden muss, weil man ihn spürt.

Der Hintergrund in warmen Orange-, Apricot- und Rosétönen ist wie ein atmender Horizont, weich, menschlich, berührbar. Diese Fläche trägt den Vorgang wie ein inneres Klima: Versöhnung statt Gewalt, Reifung statt Drama. Links schiebt sich eine rote Form wie eine Flamme oder eine Fahne ins Bild, als würde ein Impuls aus der Tiefe aufsteigen: ein Signal von Mut, von Aufbruch, von dem Moment, in dem man nicht länger fragt, ob man bereit ist, sondern bereit wird, indem man geht.

Oben rechts erscheinen geometrische, leicht abgehobene Quadrate, wie Gedankenformen oder mentale Konstruktionen: Systeme, Logik, Ordnung, alte Raster. Sie stehen nicht im Zentrum, aber sie sind da, als Hinweis darauf, dass Hindernisse oft nicht aus dem Leben kommen, sondern aus der Art, wie wir es strukturieren. Und doch: Sie wirken bereits distanziert, fast wie abgekoppelt. Als würden sie ihre Dominanz verlieren, während das zentrale Feld längst den Ton angibt.

Besonders kraftvoll sind die drei horizontalen Linien am unteren Rand: wie Stufen, wie Resonanzlinien, wie ein Fundament. Sie markieren den Moment, in dem das Neue nicht nur „passiert“, sondern sich setzt. Als würde der Prozess der Auflösung am Ende nicht in Leere führen, sondern in Standfestigkeit. Nicht weniger Leben, sondern mehr. Nicht weniger Ich, sondern ein Ich, das endlich nicht mehr gegen sich selbst antritt.

„Prozeß der Auflösung der Hindernisse“ ist damit keine hübsche spirituelle Metapher, sondern eine klare Bildbotschaft: Hindernisse sind nicht das Ende, sondern das Rohmaterial für Durchbruch. Dieses Werk zeigt, wie Transformation wirklich aussieht: zentriert, mutig, geführt, manchmal dunkel in der Oberfläche, aber unmissverständlich auf das Licht hin geöffnet. Wer dieses Bild betrachtet, spürt: Das, was fest schien, kann sich lösen. Und was sich löst, macht Platz für etwas, das schon lange wartet: den freien Fluss des eigenen Lebens.

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Kalenderblatt
24. Januar

Kalenderblatt zum 24. Januar

Das Kalenderblatt zum 24. Januar
“Störung im Feld”
“Disturbance in the Field”
“Perturbación en el campo”

Mixed Media auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Eine Störung im Feld, die sich nicht höflich ankündigt, sondern spürbar durch die Oberfläche drückt: als goldgelber Kern, der sich wie eine innere Glut aus der grauen Matrix herausarbeitet. Du blickst nicht auf eine Szene, sondern auf einen Moment, in dem etwas Ursprüngliches sichtbar wird, etwas, das längst da war, nur nicht zugänglich. Die Umgebung wirkt rau, widerständig, wie ein Gewebe aus Spuren, Schraffuren, Reibung. Und genau darin liegt die Kraft: Das Gelb erscheint nicht dekorativ, sondern errungen. Es ist ein Licht, das nicht „schön sein“ will, sondern wahr.

Die Komposition spielt mit einem faszinierenden Gegensatz: außen das Geräusch der Welt, innen der komprimierte Sinn. Das graue Feld wirkt wie ein dichtes System aus Gedanken, Routinen, Erinnerungen, innerem Lärm, ein Terrain, das alles überzieht und kontrolliert. Und mitten darin: eine Form, die wie ein Fundstück wirkt, wie eine freigelegte Schicht, wie eine entdeckte Platte im Gestein. Dieses „Fenster“ aus Gelb ist kein Ausweg , es ist ein Hinweis. Ein Signal: Hier passiert etwas. Hier bricht etwas durch.

Das Gelb selbst ist nicht glatt, nicht makellos, nicht plakativ. Es hat Tiefe, Unruhe, Struktur. Es leuchtet nicht wie eine Oberfläche, sondern wie ein Inneres, das sich bewegt. Genau deshalb wirkt es so lebendig: Es trägt eine Wärme unter Druck, eine Art von verdichteter Energie, die nicht explodiert, sondern standhält. Dieses Gelb ist nicht naiv. Es ist reif, durchlebt, gefiltert – ein Licht, das schon Schatten kennt. Und während das Auge versucht, Formen zu greifen, entsteht etwas Subtiles: ein innerer Sog. Man will näher heran, weil das Bild etwas verspricht, das man nicht sofort benennen kann, Bedeutung ohne Erklärung.

Die Linien ringsum wirken wie ein nervöses Netz, wie ein Feld aus Störungen, Überlagerungen, Widerständen. Man spürt darin das, was uns im Alltag oft umgibt: das permanente Rascheln der Anforderungen, die Spuren der Vergangenheit, die ständigen Impulse von außen. Doch das Bild dreht dieses Verhältnis um. Es sagt nicht: „So ist die Welt.“ Es sagt: Trotzdem. Trotz der Überlagerungen, trotz der Reibung, trotz des Lärms existiert eine Mitte, die nicht verschwindet. Eine Zone, die nicht diskutiert, nicht argumentiert, nicht um Zustimmung bittet. Sie ist einfach da,  als Leuchtkern.

Und genau hier wird dieses Werk so überzeugend: Es ist abstrakt, aber nicht beliebig. Es bleibt offen, aber nicht leer. Es fordert nichts  und trifft doch. Denn es spricht die Sprache einer Erfahrung, die viele kennen: der Moment, in dem man merkt, dass im Inneren etwas arbeitet, etwas drängt, etwas endlich sichtbar werden will. Nicht als perfektes Ergebnis, sondern als Wahrheit in Bewegung. Dieses Bild ist die visuelle Übersetzung eines inneren Umschlags: von „funktionieren“ zu fühlen, von „überdecken“ zu freilegen, von „alles ist grau“ zu da ist Gold darunter.

„Störung im Feld“ ist damit kein Störgeräusch, es ist ein Durchbruch. Eine Störung, die erlöst, weil sie das System kurz unterbricht und Platz schafft für das, was wesentlich ist. Ein Bild wie ein stiller Widerstand gegen das Übermaß. Ein Werk, das nicht nur betrachtet werden will, sondern das im Betrachter etwas aktiviert: die Erinnerung an das eigene Licht, das nicht immer sichtbar ist  aber immer vorhanden.

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