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Kalenderblatt
15. April

Riss in der Optik

Das Kalenderblatt zum 15. April
“Riss in der Optik”
“Crack in perception”
“Falla en la óptica”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es war einmal eine Welt, in der alles stimmte, zumindest auf den ersten Blick. Die Menschen lebten ruhig, geordnet, eingebettet in klare Linien, feste Strukturen und vertraute Farben. Niemand stellte Fragen, denn die Wirklichkeit schien eindeutig, verlässlich, beinahe perfekt.

Doch eines Tages erschien ein Riss.

Zuerst war er kaum wahrnehmbar, ein feiner, heller Spalt, der sich wie ein flüchtiger Gedanke durch die Oberfläche der Welt zog. Die meisten sahen ihn nicht. Andere sahen ihn, und wandten den Blick ab. Denn der Riss war unbequem. Er störte die Ordnung, stellte die Gewissheiten infrage, zerschnitt das Gewohnte.

Nur eine einzige Person blieb stehen.

Sie betrachtete diesen Riss, der sich wie ein leuchtender Schnitt durch die Wirklichkeit zog, ein greller Streifen zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite pulsierte ein rotes, chaotisches Geflecht aus Energie, Bewegung und ungezähmter Kraft. Auf der anderen Seite lag eine violette Landschaft, schwer, tief und geheimnisvoll, voller verborgener Zeichen, als hätte jemand die Geschichte der Welt in ihre Oberfläche eingeschrieben.

Die Person spürte: Das hier ist kein Fehler. Das ist eine Einladung.

Zögernd näherte sie sich dem Riss. Je näher sie kam, desto stärker begann die vertraute Welt hinter ihr zu flimmern. Linien verschoben sich, Formen verloren ihre Starrheit, Bedeutungen lösten sich auf. Und plötzlich begriff sie:

Die Welt war nie fest gewesen, nur ihre Wahrnehmung.

Mit einem leisen Atemzug trat sie durch den Riss.

Und in diesem Moment zerbrach die alte Optik vollständig.

Farben wurden zu Gefühlen. Strukturen begannen zu sprechen. Das Chaotische zeigte sich als lebendig, das Starre als Illusion. Die violette Tiefe offenbarte Geschichten, die nie erzählt worden waren, während das rote Geflecht wie ein Herzschlag der Existenz pulsierte.

Die Person erkannte: Wahrheit ist nicht das, was man sieht, sondern das, was man bereit ist zu sehen.

Als sie zurückblickte, war der Riss verschwunden. Doch etwas hatte sich unwiderruflich verändert.

Nicht die Welt.

Der Blick.

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Kalenderblatt
15. April

Morgenglanz der Ewigkeit

Kalenderblatt vom 15. April
“Morgenglanz der Ewigkeit”
“Morning brightness of eternity”
“Mañana brillante de la eternidad”

Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Dieses Werk trägt nicht zufällig den Titel „Morgenglanz der Ewigkeit“, es ist weniger ein Bild als vielmehr ein Übergangszustand zwischen Zeit und Zeitlosigkeit, eingefangen in Materie. Die dominierenden Violetttöne wirken wie ein Schleier zwischen den Welten, eine Schwelle, an der das Sichtbare beginnt, sich ins Unsichtbare aufzulösen. Violett, die Farbe der Transformation, der Spiritualität, der Grenzüberschreitung, legt sich wie ein atmender Raum über die gesamte Komposition und zieht den Betrachter unweigerlich nach innen.

Im Zentrum durchbricht ein warmes, fast leuchtendes Gold die Tiefe dieses Raumes. Es ist kein statisches Licht, sondern ein inneres Aufglühen, ein erstes Erwachen, wie der Moment, in dem das Bewusstsein sich seiner selbst erinnert. Dieses Gold scheint nicht aufgetragen, sondern aus dem Bild selbst geboren zu sein, als würde sich die Ewigkeit für einen flüchtigen Augenblick in die Materie einschreiben.

Die strukturierte Oberfläche aus Quarzsand und Acrylpaste verstärkt diesen Eindruck: Hier wird nichts glatt gebügelt, nichts beschönigt, im Gegenteil. Die rauen, teils archaisch wirkenden Spuren erzählen von einem Prozess des Werdens, von Verdichtung und Auflösung zugleich. Es ist, als ob das Bild selbst ein Relikt aus einer anderen Dimension wäre, eine energetische Spur, die sich im Hier und Jetzt manifestiert hat.

Was dieses Werk so eindringlich macht, ist seine stille Radikalität: Es fordert nicht, es erklärt nicht, es offenbart. Und genau darin liegt seine Kraft. Der „Morgenglanz“ ist hier kein Tagesbeginn im klassischen Sinne, sondern ein kosmischer Augenblick des Erwachens, in dem sich das Endliche dem Unendlichen öffnet.

Wer sich darauf einlässt, erkennt: Dieses Bild zeigt nicht einfach etwas, es erinnert dich an etwas, das du längst in dir trägst.

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