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Kalenderblatt
30. Juni

Dreiecksverhältnis in der Höhlenstruktur vom Donnerstag

Kalenderblatt vom 30. Juni
„Dreiecksverhältnis in der Höhlenstruktur vom Donnerstag“
„Love triangle in  Thursday’s cave structur“
„Amor de tres bandas en la Estructura cueva del jueves“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Nicht jede Höhle liegt unter der Erde. Manche entstehen im Inneren eines Menschen, dort, wo Erinnerungen zu Stein werden und Gedanken jahrzehntelang ihre Spuren hinterlassen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass diese Landschaft keine natürliche Felswand ist. Sie ist das Protokoll zahlloser Entscheidungen, Hoffnungen und Brüche, die sich Schicht für Schicht übereinandergelegt haben. Menschen hinterlassen eben erstaunlich viele Spuren. Nur beim Aufräumen der Küche gelingt ihnen das deutlich seltener.

Mitten in dieser rauen Struktur erscheinen drei Dreiecke, als hätten sie sich verabredet und gleichzeitig beschlossen, möglichst wenig über ihre Absichten preiszugeben.

Das goldene Dreieck schwebt ruhig über allem. Es wirkt wie ein Gedanke, der längst wusste, wohin die Reise gehen würde, während der Mensch noch damit beschäftigt war, den falschen Weg für den einzig richtigen zu halten. Es steht für Orientierung, für den stillen Ruf einer höheren Ordnung, die sich nicht aufdrängt und dennoch immer vorhanden ist.

Das rote Dreieck ist Bewegung. Es schießt quer durch den Raum wie eine Entscheidung, die keinen Aufschub mehr duldet. Es erinnert daran, dass Veränderung selten höflich anklopft. Sie tritt ein, verschiebt die Gewichte und verlangt, dass das Leben neu zusammengesetzt wird.

Das gelbe Dreieck unten links wirkt klein und beinahe unscheinbar. Doch gerade dort beginnt etwas Neues. Es ist der erste Funke, der erste Schritt, der unscheinbare Anfang jeder Entwicklung. Große Wandlungen beginnen fast nie spektakulär. Sie beginnen leise, oft unbeachtet.

Zwischen diesen drei Formen entsteht ein unsichtbares Spannungsfeld. Keines der Dreiecke berührt die anderen, und doch sind sie untrennbar miteinander verbunden. Wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie Körper, Seele und Geist. Wie Denken, Fühlen und Handeln. Jeder Punkt verändert die Bedeutung der beiden anderen.

Die blaue Höhlenstruktur hält dieses Verhältnis zusammen. Sie ist der Raum der Erfahrung, in dem nichts verloren geht. Jede Kerbe, jede Linie und jede Erhebung erzählt davon, dass Entwicklung nicht geradlinig verläuft. Sie hinterlässt Spuren. Und gerade diese Spuren machen Orientierung überhaupt erst möglich.

Vielleicht zeigt dieses Bild deshalb kein Rätsel, das gelöst werden muss. Es zeigt ein Gleichgewicht, das immer wieder neu gefunden werden will. Wer die Beziehung zwischen den drei Dreiecken erkennt, entdeckt vielleicht auch etwas über die eigene innere Ordnung. Nicht als fertige Antwort, sondern als Einladung, den eigenen Platz im Geflecht der Möglichkeiten neu zu betrachten. Denn manchmal genügt eine kleine Verschiebung, und plötzlich entsteht aus drei einfachen Formen eine völlig neue Wirklichkeit.

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Kalenderblatt
30. Juni

Kalenderblatt 30. Juni

Das Kalenderblatt zum 30. Juni
„Der Tag, an dem die Blumen beschlossen, keine Blumen mehr zu sein“
„The Day the Flowers Chose to Be Something Else“
„El día en que las flores decidieron dejar de ser flores“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Es geschah an einem Morgen, der sich weigerte, gewöhnlich zu sein. Die Sonne war pünktlich aufgegangen, das Licht lag warm auf den Beeten, und der Wind hatte seine tägliche Runde begonnen. Alles schien seinen vertrauten Lauf zu nehmen. Nur die Blumen schwiegen. Kein leises Nicken, kein spielerisches Wiegen ihrer Blütenblätter. Sie standen da, als würden sie auf ein geheimes Zeichen warten.

Dann geschah etwas, das niemand für möglich gehalten hätte.

Die Blumen beschlossen, keine Blumen mehr zu sein.

Sie hatten genug davon, ständig schön sein zu müssen. Genug davon, nach Farben beurteilt, nach Duft verglichen und für ein paar flüchtige Augenblicke bewundert zu werden. Niemand fragte sie jemals, wovon sie träumten. Niemand interessierte sich für ihre Sehnsucht, einmal etwas anderes zu sein als ein dekorativer Rand der Welt.

Also legten sie ihre perfekte Ordnung ab.

Die Blüten lösten sich aus ihren vertrauten Formen. Stängel wurden zu schwarzen Linien, die sich widersetzten, Blätter verwandelten sich in Zeichen einer unbekannten Sprache, und aus den leuchtenden Farben entstanden neue Wesen, die weder Pflanze noch Gedanke waren. Es war keine Verwandlung der Gestalt, sondern eine Befreiung der Identität.

Die Gärtner liefen ratlos durch ihre Beete. Botaniker blätterten hektisch in ihren Bestimmungsbüchern. Künstler lächelten still. Sie erkannten sofort, dass hier nichts kaputtgegangen war. Etwas hatte aufgehört, Erwartungen zu erfüllen.

Die Sonne betrachtete das Schauspiel mit stiller Gelassenheit. Sie wusste längst, was Menschen so oft vergessen: Alles Lebendige wächst irgendwann über die Form hinaus, die ihm gegeben wurde.

Seit jenem Tag findet man diese ehemaligen Blumen nur noch selten. Manche begegnen ihnen in einem Traum. Andere entdecken sie in einem Bild, das sich jeder eindeutigen Erklärung entzieht. Wieder andere spüren sie in jenem kostbaren Moment, in dem sie aufhören, nur das sein zu wollen, was andere in ihnen sehen.

Vielleicht erzählen diese seltsamen Formen deshalb keine Geschichte über Blumen. Vielleicht erzählen sie die Geschichte jedes Menschen, der eines Tages den Mut findet zu sagen: Ich muss nicht länger das bleiben, wofür man mich hält.

Und während die Welt noch darüber diskutiert, ob das überhaupt noch Blumen seien, lächeln sie leise in sich hinein. Denn sie haben etwas erreicht, wovon viele Menschen nur heimlich träumen: Sie sind endlich sich selbst geworden.

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