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Kalenderblatt
18. August

Wenn man die Regenwolke zur Seite schiebt, sieht man einen fantastischen Sonnenuntergang

Kalenderblatt vom 18. August
„Wenn man die Regenwolke zur Seite schiebt, sieht man einen fantastischen Sonnenuntergang“
„If you push the rain clouds away, you can see a fantastic sunset“
„Si se remueve las nubes de lluvia, se puede ver una fantástica puesta del sol“

Acryl auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Das Bild verzichtet auf die vertrauten Zeichen einer Landschaft. Keine Sonne, kein Horizont, keine Wolke ist eindeutig dargestellt. Stattdessen begegnen uns drei große Farbräume: ein schweres, strukturiertes Rot, ein leuchtendes Gelb und ein tiefes Blau. Erst der Titel verwandelt diese abstrakte Ordnung in ein Geschehen.

Die obere rote Fläche wirkt massiv. Ihre aufgebrochene, zerfurchte Struktur lässt sie beinahe körperlich erscheinen. Sie liegt über dem Bild wie eine schwere, verdichtete Atmosphäre, die den Blick zunächst zurückhält. Bemerkenswert ist dabei, dass die „Regenwolke“ nicht grau oder schwarz erscheint, sondern rot. Dadurch verliert sie ihre rein meteorologische Bedeutung. Sie kann ebenso für Druck, Unruhe, Bedrohung oder eine innere Verdichtung stehen.

Darunter öffnet sich unvermittelt das Gelb.

Diese Fläche besitzt kaum gegenständliche Struktur und entwickelt gerade dadurch eine enorme Präsenz. Das Gelb ist kein kleines Licht am Ende eines dunklen Weges. Es nimmt das Zentrum des Bildes ein. Es ist bereits vorhanden, breit, intensiv und beinahe grenzenlos. Die Dunkelheit muss also nicht erst überwunden werden, damit Licht entstehen kann. Das Licht war die ganze Zeit da. Lediglich der Blick darauf war verstellt.

Das Blau im unteren Bildbereich setzt dem leuchtenden Zentrum eine zweite, kühlere Kraft entgegen. Seine horizontalen Strukturen erinnern entfernt an Wasser, ohne tatsächlich Wasser darstellen zu müssen. Es gibt der Komposition Halt und Tiefe. Zwischen dem bewegten Blau und dem schweren Rot entsteht das Gelb wie eine >Zone der Freiheit.

Entscheidend ist die leichte Schräge zwischen Rot und Gelb. Sie verhindert eine vollkommen statische Dreiteilung. Etwas scheint sich zu verschieben. Genau hier beginnt der Titel innerhalb des Bildes zu wirken: Die Wolke wird nicht vom Wind vertrieben, sie wird „zur Seite geschoben“. Darin steckt eine bewusste Handlung. Wahrnehmung wird nicht als passives Geschehen verstanden.

Der ungewöhnlich lange Titel besitzt dabei beinahe den Charakter eines beiläufig ausgesprochenen Satzes. Gerade diese Alltäglichkeit steht im reizvollen Gegensatz zur elementaren Kraft der drei Farben. Aus Rot, Gelb und Blau entsteht eine kleine Erzählung über das Sehen.

„Wenn man die Regenwolke zur Seite schiebt, sieht man einen fantastischen Sonnenuntergang“ handelt deshalb weniger von einem Sonnenuntergang als von einer Veränderung der Perspektive.

Das Werk behauptet nicht, dass das Schwere verschwindet. Die rote Masse bleibt bestehen. Auch die Tiefe des Blaus bleibt. Aber zwischen beiden öffnet sich ein Raum, der zuvor verborgen schien.

Nicht alles Dunkle muss beseitigt werden, damit Licht sichtbar werden kann. Manchmal genügt eine Verschiebung.

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Kalenderblatt
17. August

Heute gibt's mal wieder nen fetten Sonnenuntergang

Kalenderblatt vom 17. August
„Heute gibt’s mal wieder nen fetten Sonnenuntergang“
„Another Big Fat Sunset Today“
„Hoy toca otra puesta de sol enorme“

Aquarell, Acrylpaste auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm

Manchmal braucht es keine große Offenbarung.
Manchmal reicht ein fetter Sonnenuntergang.

Die Sonne steht schwer und rotgolden am Horizont, beinahe zu groß für diese stille Landschaft. Sie scheint nicht einfach unterzugehen. Sie behauptet sich noch einmal, bevor der Tag verschwindet.

Das Wasser nimmt ihr Licht auf, zerlegt es in Gelb, Orange, Blau und Weiß und trägt es weiter. Himmel und Wasser beginnen ineinanderzufließen. Für einen Augenblick wird unklar, wo das eine endet und das andere beginnt.

Gerade darin liegt die eigentliche Spannung des Bildes. Der Titel nimmt dem Sonnenuntergang jede falsche Feierlichkeit, während das Bild selbst genau jene Größe zurückholt, über die der Titel ein wenig spottet.

Die große rotgoldene Form kann Sonne sein, aber ebenso Herz, Feuer, Ursprung oder fremder Himmelskörper. Sie steht an einer Grenze: zwischen Tag und Nacht, Sichtbarem und Unsichtbarem, Festhalten und Loslassen.

Die Transparenz des Aquarells trifft dabei auf die körperliche Struktur der Acrylpaste. Leichtigkeit und Materie, Fläche und Tiefe, Ruhe und Energie begegnen sich.

Vielleicht erzählt „Heute gibt’s mal wieder nen fetten Sonnenuntergang“ deshalb weniger von einem Sonnenuntergang als von diesem seltsamen menschlichen Bedürfnis, für das Unfassbare immer wieder ganz gewöhnliche Worte zu finden.

Und manchmal ist „fett“ eben erstaunlich nah an erhaben.

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