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Kalenderblatt
15. Juni

Kalenderblatt vom 15. Juni
„Doro zieht um bei Vollmond und totaler Mondfinsternis“
„Doro moves house during full moon and total lunar eclipse“
„Doro se cambia de piso durante luna llena y eclipse lunar total“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm  

Unter dem Licht eines Vollmondes, der sich langsam in den Schatten der Erde schob, begann Doro ihren Umzug. Die Nachbarn hatten den ganzen Tag Kisten getragen, Möbel geschleppt und Ratschläge verteilt. Doch als der Abend kam und die totale Mondfinsternis den Himmel verdunkelte, war Doro allein.

Sie stand vor der Tür ihres alten Hauses und hielt einen kleinen, vergoldeten Bilderrahmen in den Händen. Es war das einzige Stück, das sie selbst tragen wollte. Niemand wusste, was darin zu sehen war. Manche behaupteten, es sei ein altes Familienfoto. Andere glaubten, es sei ein Spiegel. Doro lächelte nur und sagte nie etwas dazu.

Als der Mond sich vollständig rot färbte und wie eine glühende Kohle über den Dächern hing, geschah etwas Merkwürdiges. Die vertrauten Straßen wurden still. Kein Auto fuhr vorbei. Kein Hund bellte. Selbst der Wind schien den Atem anzuhalten.

Doro setzte den Rahmen auf eine der letzten Kisten und blickte hinauf. Der verfinsterte Mond schien größer als sonst, als wolle er die ganze Welt beobachten.

Da hörte sie ein leises Klopfen.

Nicht an der Haustür.

Nicht am Fenster.

Das Klopfen kam aus dem Rahmen.

Zögernd hob sie ihn auf. Das Bild darin war verschwommen, grau und geheimnisvoll. Doch während draußen die Finsternis ihren Höhepunkt erreichte, wurde das Innere des Rahmens lebendig. Konturen erschienen. Wege zeichneten sich ab. Türen öffneten sich. Es war keine Erinnerung und kein Foto.

Es war eine Landkarte ihres Lebens.

Doro sah die Orte, an denen sie glücklich gewesen war. Die Umwege, die sie genommen hatte. Die Menschen, die sie geliebt hatte. Die Entscheidungen, die sie bereut hatte. Alles war dort eingezeichnet wie auf einer geheimen Karte, die nur der Vollmond sichtbar machen konnte.

Plötzlich bemerkte sie etwas Seltsames.

Hinter der letzten bekannten Wegmarke war noch ein weiterer Pfad.

Ein Weg, den sie niemals gegangen war.

Ein Weg, der genau dort begann, wohin sie nun umzog.

Doro spürte ein Kribbeln. Vielleicht war dieser Umzug mehr als ein Wechsel der Adresse. Vielleicht war er eine Einladung des Lebens selbst.

Als die Mondfinsternis langsam endete und das silberne Licht zurückkehrte, verblasste die Karte wieder. Der Rahmen zeigte nur noch ein undeutliches Grau.

Doch Doro brauchte keine Karte mehr.

Sie wusste nun, dass sie nicht etwas zurückließ.

Sie betrat ein Kapitel, das auf sie gewartet hatte.

Mit einem letzten Blick auf das alte Haus nahm sie den Rahmen unter den Arm, schloss die Tür und ging hinaus in die Nacht. Über ihr löste sich der Schatten vom Mond, und sein Licht fiel wie ein stiller Segen auf den neuen Weg.

Manche Umzüge bringen Möbel von einem Ort zum anderen. Andere bewegen die Seele. Und genau in jener Nacht der totalen Mondfinsternis zog Doro nicht nur in ein neues Zuhause, sie zog in ihr nächstes Leben.

 

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Kalenderblatt
14. Juni

Kalenderblatt 14. Juni

Das Kalenderblatt zum 14. Juni

„Die Heimkehr der Weite“
„The Homecoming of Vastness“
„El regreso de la inmensidad“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Dieses Bild erzählt nicht von einem Ort, sondern von einem Zustand. Es spricht von jener seltenen Erfahrung, in der ein Mensch nach langer Suche erkennt, dass das Ziel niemals in der Ferne lag. Die Weite, nach der wir uns sehnen, kehrt nicht aus fremden Ländern zurück, sie erwacht in uns selbst.

Der Blick wandert über die vielschichtigen Flächen aus Blau, Weiß und Gold. Der Horizont scheint sich aufzulösen, Himmel und Wasser berühren sich in einem Raum, der keine festen Grenzen mehr kennt. Alles wirkt in Bewegung und zugleich vollkommen still. Die Strukturen der Acrylpaste erinnern an Wolken, Nebel, Erinnerungen oder Gedanken, die langsam ihre Schwere verlieren und sich in Licht verwandeln.

Besonders berührend ist die kleine warme Form am unteren linken Bildrand. Sie erscheint wie ein Boot, ein Wanderer oder ein letzter Funke von Individualität inmitten einer unermesslichen Weite. Sie steht für die Seele auf ihrer Reise durch die Erfahrungen des Lebens. Nach Stürmen, Umwegen und Sehnsüchten erreicht sie keinen Hafen aus Stein, sondern einen inneren Zustand von Frieden und Zugehörigkeit.

Die hellen Goldtöne durchziehen das Bild wie Spuren eines verborgenen Lichts. Sie erinnern daran, dass selbst in Zeiten der Orientierungslosigkeit ein unsichtbarer Faden vorhanden ist, der uns führt. Das Gold ist nicht dekorativ, es ist ein Symbol für Erkenntnis, Reife und die Rückkehr zum Wesentlichen.

„Die Heimkehr der Weite“ lädt den Betrachter ein, die gewohnte Vorstellung von Heimat zu hinterfragen. Heimat ist hier kein geografischer Ort, sondern ein Bewusstseinsraum. Ein Raum, in dem Gegensätze verschwinden, in dem Vergangenheit und Zukunft ihre Macht verlieren und nur noch das offene Sein bleibt. Die Weite kehrt heim, wenn der Mensch aufhört, sie außerhalb seiner selbst zu suchen.

Dieses Werk entfaltet seine Wirkung nicht durch dramatische Gesten, sondern durch seine stille Präsenz. Es ist eine Einladung zum Innehalten, zum Durchatmen und zum Erinnern. Denn manchmal ist die größte Reise die Rückkehr zu dem, was wir im Innersten immer schon waren, grenzenlos, offen und weit wie der Horizont selbst.

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