Kalenderblatt
30. April

Herr Huber experimentiert mit Kugeln

Kalenderblatt vom 30. April
“Herr Huber experimentiert mit Kugeln”
“Mr. Huber experiments with globes”
“Sr. Huber experimenta con bolas”

Edding, Tusche, Goldpaste auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm

Herr Huber war ein Mann von exakter Ordnung. Seine Hemden waren gebügelt, seine Bleistifte nach Härtegraden sortiert, seine Frühstückseier auf genau viereinhalb Minuten gekocht. Im Dorf sagte man, Herr Huber sei so zuverlässig wie die Kirchturmuhr, nur mit weniger Charme. Niemand hätte vermutet, dass ausgerechnet dieser Mann eines Tages beschließen würde, mit Kugeln zu experimentieren. Doch es geschah an einem jener Nachmittage, an denen die Luft rot vor Ungeduld zu flimmern scheint und selbst die geraden Linien des Lebens plötzlich nicht mehr genügen.

Er hatte drei Kugeln vor sich liegen. Keine gewöhnlichen Kugeln, nein, diese schienen ein Eigenleben zu besitzen. Sie glitzerten im Inneren wie kleine eingefangene Monde, während ihre blauen Umrandungen wirkten, als hätte jemand ihnen hastig Gedankenkränze aufgezeichnet. Herr Huber schob die erste Kugel nach links. Nichts. Er setzte die zweite darüber. Ein leises Summen entstand, als würde irgendwo im Hintergrund eine unsichtbare Maschine anlaufen. Die dritte platzierte er rechts unten auf eine schwarze Linie, die über seinen Arbeitstisch lief wie ein geheimer Plan des Universums. Da begann das Wunder.

Denn die Kugeln lagen nicht einfach da. Sie begannen miteinander zu sprechen. Nicht mit Worten, sondern mit Kräften. Die linke Kugel murmelte von Vergangenheit, von all den sicheren Tagen, an denen nichts aus dem Rahmen fiel. Die obere Kugel schimmerte wie eine Idee, die gerade erst geboren wird und noch nicht weiß, ob sie kühn oder töricht sein soll. Die rechte Kugel jedoch vibrierte vor Zukunft, vor all dem, was geschehen könnte, wenn man den Mut hätte, die Regeln zu missachten. Herr Huber starrte auf dieses Dreieck des Möglichen, und zum ersten Mal in seinem geordneten Leben spürte er, dass zwischen den Dingen mehr existiert als die Dinge selbst.

Er begann zu schieben, zu drehen, neu zu setzen. Millimeter um Millimeter verschob er die Kugeln auf den schwarzen Bahnen, als wären diese Linien Schienen eines unbekannten Gedankenzuges. Jedes Mal änderte sich das Feld zwischen ihnen. Mal fühlte er sich plötzlich leicht wie ein Junge, der heimlich Kreidezeichnungen auf Bürgersteige malt. Mal hörte er in sich das strenge Räuspern seines alten Mathematiklehrers, der jede Abweichung von der Norm missbilligte. Doch dann geschah etwas, das Herr Huber nie für möglich gehalten hätte: Er lachte. Laut, schallend, unkontrolliert. Weil er begriff, dass Ordnung nur dann lebendig wird, wenn sie gelegentlich aus dem Takt gerät.

Von diesem Tag an wurde Herr Huber im Dorf verdächtig. Man sah ihn manchmal mit tintenverschmierten Fingern aus dem Haus treten, den Blick verträumt und die Krawatte schief. Kinder behaupteten, nachts durch sein Fenster drei leuchtende Kugeln tanzen zu sehen. Die Nachbarin Frau Klein erzählte empört, er habe einmal beim Bäcker grundlos gegrinst. Aber Herr Huber kümmerte das nicht mehr. Denn er hatte entdeckt, dass das Leben kein Rechenheft ist, in dem alles brav in Kästchen bleibt. Es ist ein rotes Versuchsfeld voller überraschender Umlaufbahnen. Und wer den Mut hat, ein wenig mit seinen Kugeln zu experimentieren, könnte plötzlich feststellen, dass selbst im strengsten Alltag ein kleines Universum auf seinen Ausbruch wartet.

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