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Kalenderblatt
19. März

nepalesische Blüte

Kalenderblatt vom 19. März
„nepalesische Blüte“
„Nepalese flower“
„Nepalesa flor“

Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

In einem abgelegenen Tal am Rand des Himalaya, dort, wo die Luft dünn wird und die Berge wie uralte Wächter aus Stein über die Welt blicken, erzählten die Menschen eine alte Geschichte. Sie sprachen von einer Blüte, die nicht aus der Erde wuchs, sondern aus der Stille des Herzens.

Niemand wusste genau, wo sie zu finden war. Manche sagten, sie erscheine nur jenen, die lange genug unterwegs gewesen seien, nicht nur über steinige Pfade, sondern durch Zweifel, Sehnsucht und das dunkle Gelände der eigenen Seele.

Eines Tages machte sich ein Wanderer auf den Weg. Er hatte keine Karte, kein Ziel, nur eine Frage, die ihn seit Jahren begleitete:
„Wo beginnt das Licht?“

Der Weg führte ihn durch Nebel, über graue Felsen und durch Landschaften, die wie mit Asche überzogen wirkten. Alles schien still, fast erstarrt. Die Welt war in Schattierungen von Grau gehüllt, als hätte der Himmel selbst seine Farben verloren.

Viele Tage wanderte er so.

Bis er eines Abends in einer kleinen Mulde zwischen Felsen innehielt. Dort lag ein Stück roter Erde, warm wie glühende Kohlen im Abendlicht. Und mitten in dieser stillen Senke entdeckte er etwas Seltsames.

Aus einer dunklen, unscheinbaren Form erhob sich eine kleine Blüte.

Sie war nicht groß. Kein prächtiger Lotus, keine strahlende Alpenblume. Doch in ihrem Inneren leuchtete ein goldenes Feuer, als hätte jemand einen Tropfen Sonnenlicht darin eingeschlossen. Feine Funken glitzerten darin, als würden Sterne im Inneren dieser Blüte geboren.

Der Wanderer kniete nieder.

Er begriff plötzlich, dass diese Blüte nicht einfach eine Pflanze war. Sie war das, was entsteht, wenn Dunkelheit lange genug gewartet hat und Licht schließlich den Mut findet, sich zu zeigen.

Die grauen Flächen um sie herum waren nicht trostlos, sie waren der Raum, aus dem sie hervorgegangen war. Und die rote Erde darunter war nicht bloß Boden, sie war die Wärme des Lebens, die selbst unter der Oberfläche weiterglüht.

Der Wanderer schloss die Augen.

In diesem Moment verstand er, dass seine Frage falsch gewesen war. Das Licht beginnt nicht irgendwo da draußen. Es beginnt im unscheinbaren Mittelpunkt eines Menschen, dort, wo Hoffnung trotz aller Schwere weiterbrennt.

Als er die Augen wieder öffnete, war die Blüte verschwunden.

Doch etwas in ihm hatte sich verändert.
Tief in seiner Brust fühlte er nun ein leises Glühen.

Und die Menschen im Tal erzählen bis heute, dass irgendwo in den Bergen immer wieder diese geheimnisvolle Erscheinung auftaucht, die nepalesische Blüte, ein kleines Feuer aus Gold im Grau der Welt.

Sie erscheint nicht jedem.

Nur denen, die bereit sind zu erkennen, dass selbst aus Stille, Schmerz und Asche eine neue Blüte entstehen kann.

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Kalenderblatt
19. März

Vorbei der Traum

Das Kalenderblatt zum 19. März
„Vorbei der Traum“
“The Dream Is Over”
“El sueño ha terminado”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Es war der Moment zwischen Nacht und Morgen, als die Welt noch nicht entschieden hatte, ob sie weiterträumen oder erwachen wollte. In dieser Stunde stand Mara am Rand der alten Fabrikruine, wo der Wind durch gebrochene Fenster sang und die Wände Geschichten flüsterten, die niemand mehr hören wollte.

Lange hatte sie geglaubt, dass Träume aus Licht gemacht seien. Golden, leuchtend, unzerbrechlich. So hatte es sich angefühlt, damals, als alles begann, als die Zukunft noch offen war wie ein Tor aus flammenden Farben.

Doch nun sah sie die Spuren der Zeit vor sich wie eine Landschaft aus zerklüfteten Schatten und brennendem Gelb, als hätte jemand die Hoffnung selbst über eine dunkle Wand geschüttet.

Aus dem Boden ragten seltsame Linien, wie verdrehte Wege aus Metall, die sich nach oben wanden. Sie erinnerten an die Träume der Menschen, dünn, verletzlich, aufstrebend und doch immer in Gefahr, zu brechen.

Mara ging näher heran und strich mit den Fingern über eine der Linien. Sie war kalt.

Also war das alles?“ flüsterte sie.

Der Traum, den sie so lange getragen hatte, von einem anderen Leben, von Freiheit, von einer Liebe, die die Welt verändern könnte, lag nun hinter ihr. Nicht zerbrochen, nicht zerstört.

Nur vorbei.

Und doch war da dieses Gelb. Dieses unverschämte, aufleuchtende Gelb, das sich durch die dunklen Flächen fraß, als wolle es sagen: Etwas endet nie ganz. Es verwandelt sich nur.

Mara setzte sich auf den staubigen Boden. Der Himmel über der Ruine begann heller zu werden.

In der Ferne zog ein erster roter Streifen über den Horizont, wild und ungestüm wie ein letzter Pinselstrich.

Da begriff sie etwas, das sie zuvor nie verstanden hatte:
Ein Traum stirbt nicht, wenn er vorbei ist.

Er stirbt nur, wenn man glaubt, dass nichts mehr kommen kann.

Langsam stand sie auf. Die metallenen Linien wirkten nun nicht mehr wie Reste eines zerbrochenen Versprechens. Sie sahen eher aus wie Samen aus Licht, die sich durch die Dunkelheit nach oben kämpften.

Mara lächelte leise.

„Gut“, sagte sie in den erwachenden Morgen hinein.
Dann war dies also nur der Anfang vom Ende eines Traums.

Und nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu:

Das bedeutet wohl, dass irgendwo schon der nächste beginnt.

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