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Kalenderblatt
23. Januar

Zwischen den Welten

Das Kalenderblatt zum 23. Januar
“Zwischen den Welten”
“Between the worlds”
“Entre los mundos”

Aquarell auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Zwischen den Welten“ ist ein leiser Übergang, eine atmosphärische Schwelle, ein Moment, in dem das Sichtbare sich zurücknimmt, damit das Wesentliche auftauchen kann. Dieses Aquarell wirkt wie ein Ort, der nicht vollständig „hier“ ist und noch nicht ganz „dort“,  eine Zwischenzone, in der Erinnerung, Ahnung und Gegenwart ineinanderfließen. Die Formen sind bewusst nicht hart gezogen, sondern wie aus Licht und Atem geboren: Architektur wird zur Andeutung, Raum wird zur Stimmung, und jeder Farbton scheint zu sagen, dass Wahrheit nicht immer klar umrissen sein muss, um spürbar zu sein.

Links öffnet sich eine Struktur wie ein Portal oder Torbogen, überkrönt von einem warmen, organischen Farbbogen, ein Schutzzeichen, eine Art segnende Geste über dem Eintritt. Das Dunkel darunter bleibt geheimnisvoll, nicht bedrohlich, sondern tief: als würde es das Unausgesprochene bewahren, das man erst versteht, wenn man bereit ist, hindurchzugehen. Die Komposition spielt mit dem Gefühl eines Weges, nicht als Straße, sondern als innerer Korridor, der den Blick nach hinten und zugleich nach innen zieht. Man erkennt keine eindeutige Perspektive, sondern eine schwebende Orientierung: genau dieses „Nicht-festgelegt-Sein“ macht die Arbeit so glaubwürdig, weil Übergänge im Leben selten klar beschriftet sind.

Im Zentrum leuchtet ein kühler, vertikaler Blauklang wie ein Fenster, eine Öffnung, ein Energiespalt. Dieses Blau ist kein dekorativer Akzent, es ist die Signatur des Dazwischen, das Symbol für Wahrnehmung jenseits des Greifbaren. Es erinnert an die Farbe von Tiefe, Intuition, Nacht und Weite, und gerade weil es inmitten der warmen Gelb- und Ockertöne steht, wirkt es wie eine Botschaft: Es gibt einen Raum in dir, der nicht verhandelbar ist und der dennoch immer offen bleibt. Das Blau ist hier nicht kalt, sondern klärend. Es stabilisiert den Zustand der Unschärfe und verwandelt ihn in eine stille Gewissheit.

Rechts taucht eine schmale, dunkle Form auf, die wie eine Figur wirken kann, ein Mensch, eine Wächterin, eine Entscheidung. Vielleicht ist es nur ein Schatten, vielleicht ein Mantel, vielleicht ein Moment im Vorbeigehen. Doch genau darin liegt die Kraft dieses Bildes: Es zwingt nichts auf, es lässt entstehen. Die warmen Gelbfelder um diese Form herum haben eine fast sakrale Qualität, wie Licht, das sich nicht von außen aufdrängt, sondern von innen heraus aufleuchtet. Es ist das Licht eines stillen „Ja“, das man irgendwann sagt, wenn man lange genug zwischen den Welten gestanden hat.

Das Aquarell lebt von seiner typischen Wahrheit: Wasser kennt keine Kontrolle, nur Richtung. In „Zwischen den Welten“ wird diese Eigenschaft zur Sprache des Themas selbst. Übergänge sind fließend, Identitäten verändern sich, Grenzen werden weich und plötzlich merkt man: Genau dort, wo alles unsicher scheint, liegt die eigentliche Möglichkeit. Das Bild erzählt nicht von Ankunft, sondern von dem kostbaren Raum davor: dem Moment, in dem man loslässt, ohne schon zu wissen, was einen erwartet. Es ist ein Bild für Menschen, die nicht mehr im Alten wohnen können, aber dem Neuen noch nicht ganz einen Namen geben. Und genau deshalb ist es so berührend: Es zeigt die Schönheit des Unfertigen, die Würde der Wandlung, die Poesie des Übergangs.

„Zwischen den Welten“ ist damit nicht nur ein Aquarell, es ist eine Einladung. Eine Einladung, den Blick zu senken, den Atem zu spüren und sich zu erinnern, dass das Leben nicht aus klaren Linien besteht, sondern aus Zwischenräumen, in denen sich das Neue leise formt. Dieses Bild nimmt man als Begleiter: für Zeiten, in denen Entscheidungen reifen, für Tage, an denen man noch nicht weiß, ob man geht oder bleibt, und für jene stillen Augenblicke, in denen man erkennt, dass der Weg bereits begonnen hat, weil man ihn innerlich längst betreten hat.

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Kalenderblatt
23. Januar

Vielleicht wird's heut ein goldener Tag?

Kalenderblatt vom 23. Januar
“Vielleicht wird’s heut ein goldener Tag?”
“Perhaps today will be a golden day?”
“Quizás hoy será un día áureo?”

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Acrylpapier ca. 21 x 15 cm / Bild 875

Vielleicht wird’s heut ein goldener Tag?“ ist ein Bild, das leuchtet, ohne sich aufzudrängen. Eine Fläche in Gold, aber nicht glatt, nicht dekorativ, nicht geschniegelt. Dieses Gold trägt Spuren, Risse, Verdichtungen, kleine Unebenheiten wie Erinnerungen im Material. Es wirkt, als hätte sich hier etwas über Nacht gesetzt: ein stilles, erdnahes Strahlen, das nicht aus Glamour besteht, sondern aus Substanz.

Man sieht keine Motive im klassischen Sinn und genau darin liegt seine Kraft. Dieses Bild ist kein „Objekt“, es ist ein Zustand. Ein inneres Wetter. Es erinnert an eine Wand, die viele Tage gesehen hat, an Gestein, das vom Leben poliert wurde, an eine Oberfläche, die sich nicht erklärt, aber antwortet, sobald man sie betrachtet. Das Gold ist dabei nicht nur Farbe, es ist ein Versprechen. Ein „Ja“ im Ton der Zurückhaltung. Kein Triumph, sondern Würde.

Die Struktur wirkt wie eine Landschaft ohne Horizont: oben heller, offener, fast atmend, unten dichter, schwerer, mit einer Ahnung von Schwere, aus der sich das Licht erst herausarbeiten musste. Es ist, als würde das Bild sagen: Gold entsteht nicht, weil alles perfekt ist. Gold entsteht, weil etwas standgehalten hat. Weil etwas durch dunklere Schichten gegangen ist und trotzdem nicht aufgehört hat zu glauben.

Und dann ist da dieser Titel, der wie eine leise Selbstzusage klingt: „Vielleicht…“,  nicht sicher, nicht behauptend, sondern offen. Aber genau diese Offenheit macht es so menschlich. Denn wer kennt ihn nicht, diesen Moment am Morgen, in dem man noch nicht weiß, wie der Tag wird  und trotzdem eine winzige innere Bewegung spürt, die flüstert: Es könnte gut werden. Nicht als naiver Optimismus, sondern als bewusste Entscheidung, den Tag nicht vorab zu verlieren.

Dieses Werk wirkt wie ein goldener Schutzmantel über einem empfindsamen Kern. Es ist wie ein inneres Ritual: sich zu erinnern, dass selbst in einem gewöhnlichen Tag etwas Kostbares liegen kann. Nicht unbedingt sichtbar. Aber spürbar. Dieses Gold ist nicht „oben drauf“, sondern „von innen“. Es ist die Farbe von Reife, von Geduld, von gelebter Zeit.

„Vielleicht wird’s heut ein goldener Tag?“ ist damit nicht nur ein Bild, sondern eine Einladung: Sieh genauer hin. Atme. Werde langsamer. Und entdecke, dass Gold nicht nur glänzt, sondern auch trägt.

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