
Das Kalenderblatt zum 10. Juli
“Am Ufer der Stille”
„Siehe, wie das Feuer über dem Wasser schwebt und dennoch keines das andere vernichtet. Denn in der Schöpfung streiten die Elemente nicht, sondern erfüllen den Willen dessen, der sie hervorgebracht hat. Der rote Kreis ist nicht allein die Sonne, sondern das Sinnbild des göttlichen Ursprungs, aus welchem Licht und Leben hervorgehen. Das Goldgelb ist die Ausstrahlung der ersten Ursache, welche alle Dinge durchdringt, auch wenn das menschliche Auge sie nur unvollkommen erkennt.“
„Das Blau am unteren Rand gleicht dem Bereich der Materie, schwer, kühl und vergänglich. Es trägt die Spuren der Zeit, der Auflösung und der Wandlung. Doch beachte: Das Licht drängt unaufhörlich in diese Tiefen hinein. Nicht das Dunkel steigt empor, sondern das Licht steigt herab. Darin offenbart sich das Geheimnis der Schöpfung: Das Höhere sucht stets das Niedere zu vollenden.“
„Der Sand, der in dieses Werk eingearbeitet wurde, ist mehr als ein Stoff. Er stammt aus der Erde und erinnert den Menschen daran, dass alles Sichtbare aus dem Einfachen hervorgeht. Die grobe Oberfläche lehrt, dass Wahrheit nicht allein in glatten Formen wohnt. Auch das Unvollkommene besitzt seine Würde, weil der Schöpfer nichts ohne Sinn erschaffen hat.“
„Dieses Bild spricht von der Stille. Doch Stille ist nicht Schweigen. Sie ist der Ort, an dem die Ursachen aller Dinge hörbar werden. Wer nur mit den Augen schaut, sieht Farben. Wer mit dem Verstand betrachtet, erkennt Ordnungen. Wer aber mit dem gereinigten Herzen schaut, der entdeckt im Licht den Widerschein der ewigen Weisheit.“
„Darum nenne ich dieses Werk nicht das Abbild eines Ufers, sondern die Schwelle zwischen dem Wandelbaren und dem Ewigen. Hier begegnen sich Feuer und Wasser, Erde und Licht, Stoff und Geist. Und der Mensch steht dazwischen, eingeladen, nicht nur die Welt zu betrachten, sondern in ihr die Handschrift ihres Ursprungs zu lesen.“