Kalenderblatt
18. März

Was Schlangen so alles essen?

Kalenderblatt vom 18. März
“Was Schlangen so alles essen?”
“What snakes eat all?”
“Qué todo comen serpientes?”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Im flimmernden Licht eines goldenen Nachmittags, als die Welt für einen Moment den Atem anhielt, kroch eine kleine Schlange durch das hohe Gras am Rand eines sonderbaren Gartens. Dieser Garten war kein gewöhnlicher Ort. Hier wuchsen nicht nur Pflanzen, hier wuchsen auch Ideen, Geheimnisse und unerwartete Möglichkeiten.

Die Schlange war neugierig. Sie war nicht groß und auch nicht besonders gefährlich. Doch sie hatte eine Eigenschaft, die sie von vielen anderen unterschied: Sie probierte alles, was das Leben ihr hinlegte. Während andere Tiere vorsichtig waren, fragte sie sich immer wieder: Was könnte das sein? Und was würde passieren, wenn ich es koste?

An diesem Tag stieß sie auf etwas Seltsames. Zwischen den Blättern lag ein Stück, das aussah wie ein Dreieck aus Licht, gelb wie die Sonne, rot wie ein flackerndes Feuer und weiß wie ein Gedanke, der gerade erst geboren wird. Es roch nicht nach Fleisch und nicht nach Frucht. Es roch nach Abenteuer.

Die Schlange legte den Kopf schief.
„Was Schlangen so alles essen?“, murmelte der Wind durch die Halme, als würde er selbst über diese Begegnung schmunzeln.

Vorsichtig streckte die Schlange ihre Zunge heraus. Sie schmeckte die Luft, so wie Schlangen es tun. Doch diesmal schmeckte sie etwas Neues: Möglichkeit. Dieses Dreieck war kein gewöhnliches Futter. Es war ein Stück der Welt, das noch nicht entschieden hatte, was es sein wollte.

„Vielleicht“, dachte die Schlange, „ist es gar nicht zum Essen da.“

Doch Neugier ist eine Kraft, die stärker sein kann als Hunger. Also öffnete sie ihr Maul und begann, das seltsame Stück zu verschlingen. Während es langsam in ihr verschwand, geschah etwas Merkwürdiges: Die Farben leuchteten heller, der Garten begann zu flüstern, und in der Schlange selbst entstand ein Gefühl, das sie vorher nie gekannt hatte.

Es war Erkenntnis.

Denn mit jedem Bissen verstand sie etwas mehr:
Dass nicht alles, was wir verschlingen, Nahrung für den Körper ist.
Manches ist Nahrung für den Mut, für die Phantasie oder für den Wandel.

Als das letzte Stück verschwunden war, hob die Schlange den Kopf. Ihr Auge glänzte. Nicht vor Sättigung, sondern vor einer neuen Art von Hunger.

Dem Hunger nach Erfahrung.

Und so glitt sie weiter durch den goldenen Garten, bereit für das nächste Geheimnis. Denn wer einmal begonnen hat, die Welt zu kosten, hört nie wieder damit auf.

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