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Kalenderblatt
31. August

Das Räderwerk hinter der Wirklichkeit ist äußerst diffizil

Kalenderblatt vom 31. August
„Das Räderwerk hinter der Wirklichkeit ist äußerst diffizil“
„The Machinery Behind Reality Is Exceedingly Intricate“
„El engranaje tras la realidad es sumamente complejo“

Collage, Acryl auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Das Bild verspricht ein Räderwerk.

Doch kein einziges Zahnrad ist zu sehen.

Stattdessen begegnen uns Linien, Wellen, Punkte, Schichtungen und Wiederholungen. Unterschiedliche Ordnungen liegen übereinander und nebeneinander, als gehörten sie zu einem System, dessen Funktionsweise wir nicht kennen.

Im oberen Bildbereich erhebt sich eine große goldgrüne Form. Regelmäßige Wellenlinien durchziehen ihre Oberfläche. An ihrem Rand erscheinen gelbe Punkte, die sich nach oben lösen und über die Bildgrenze hinaus fortzusetzen scheinen.

Etwas geschieht hier.

Doch ob etwas aufsteigt, ausgestoßen wird, entsteht oder verschwindet, bleibt unbestimmt.

Darunter verändert sich die Ordnung vollkommen.

Rote, blaue, grüne und dunkle Linien durchziehen die Fläche in engen Bewegungen. Sie laufen parallel, kreuzen sich, weichen voneinander ab und finden wieder zusammen. Das Auge versucht unwillkürlich, ihren Verlauf zu verfolgen.

Doch je länger man hinsieht, desto schwieriger wird es, Anfang und Ende voneinander zu unterscheiden.

Im unteren Bereich beruhigt sich die Bewegung scheinbar. Blaue Wellen bilden eine weitere Schicht, während eine grüne Diagonale und eine Folge roter Punkte eine neue Richtung in die Komposition einführen.

So besteht das Bild aus mehreren Systemen.

Jedes besitzt seine eigene Ordnung.
Doch wie diese Ordnungen zusammengehören, bleibt verborgen.

Genau darin liegt die Spannung des Titels „Das Räderwerk hinter der Wirklichkeit ist äußerst diffizil“.

Wir sind gewohnt, hinter sichtbaren Erscheinungen nach Ursachen zu suchen. Wir entdecken Regelmäßigkeiten, formulieren Gesetze, konstruieren Modelle und versuchen, aus einzelnen Beobachtungen einen Zusammenhang herzustellen.

Vielleicht ist dieses Bedürfnis selbst bereits Teil des Räderwerks.

Denn das Bild zeigt keinen verborgenen Mechanismus, der sich entschlüsseln ließe. Es zeigt lediglich Spuren möglicher Ordnungen.

Eine Linie scheint einer anderen zu folgen.
Punkte bilden Reihen.
Wellen wiederholen sich.
Strukturen entstehen und lösen sich wieder auf.

Doch aus diesen Regelmäßigkeiten ergibt sich keine eindeutige Erklärung.

Die Collage verstärkt diesen Gedanken. Unterschiedliche Bildwirklichkeiten werden zusammengefügt und bilden eine gemeinsame Fläche, ohne ihre Eigenständigkeit vollständig aufzugeben.

Das Ganze funktioniert sichtbar, ohne dass wir wissen, wie es funktioniert.

Vielleicht verhält es sich mit unserer Wirklichkeit ähnlich.

Wir erkennen Ausschnitte. Wir beobachten Wirkungen. Wir entdecken Muster und geben ihnen Namen. Doch ob das, was wir dabei für Ordnung halten, tatsächlich die Ordnung der Wirklichkeit ist oder lediglich unsere Art, sie begreifbar zu machen, bleibt offen.

So führt der Titel schließlich zu einer philosophischen Frage:

Befindet sich hinter der sichtbaren Welt tatsächlich ein Räderwerk?

Oder entsteht das Räderwerk erst in unserem Denken, weil wir eine Wirklichkeit ohne verborgene Ordnung nur schwer ertragen können?

Das Bild beantwortet diese Frage nicht.

Es lässt die Linien weiterlaufen, die Wellen sich wiederholen und die Punkte ihre Bahnen ziehen.

Die Wirklichkeit bleibt sichtbar.
Ihr Mechanismus bleibt verborgen.

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Kalenderblatt
4. Dezember

Im Räderwerk

Kalenderblatt vom 4. Dezember
„Im Räderwerk“
„In the wheelwork“
„En el engranaje“

Stabilo Point, Goldpaste auf Zeichenpapier ca. 20 x 15 cm

Dieses Bild entfaltet sich wie ein vielschichtiges Gefüge aus Kräften, Impulsen und unsichtbaren Mechanismen, die ineinandergreifen und ein größeres Ganzes in Bewegung halten. Die feinen, wellenartigen Linien in Blau, Grün und Rot wirken wie energetische Strömungen, die sich gegenseitig durchdringen, aufschaukeln, überlagern, ein organisches Pulsieren, das den Blick immer tiefer in die Komposition zieht. Aus diesem Strudel erheben sich Formen, die an wirbelnde Zahnräder, synaptische Verbindungen oder kosmische Spiralen erinnern. Sie scheinen zugleich filigran und kraftvoll, fragil und bestimmend, wie jene inneren Prozesse, die unser Denken, Fühlen und Handeln antreiben, ohne dass wir sie bewusst steuern.

Die goldene Diagonale bricht dieses Gefüge wie ein unverhoffter Eingriff des Schicksals, ein Moment der Klarheit, der das Wirken der Kräfte nicht stoppt, aber neu ausrichtet. Sie wirkt wie eine übergeordnete Instanz, ein Funke Intuition oder ein höherer Impuls, der das chaotisch Schöne strukturiert und ihm Richtung gibt. Unter dieser goldenen Schneise beginnt das Räderwerk sich zu ordnen, die Linien werden ruhiger, die Formen geschlossener, fast so, als würde ein inneres Gleichgewicht wiederhergestellt.

In seiner Gesamtheit erzählt das Werk von der Komplexität des inneren Mechanismus, der uns antreibt: den widersprüchlichen Emotionen, den unzähligen Gedankenströmen, den kreisenden Mustern, die uns prägen. Und zugleich davon, dass inmitten dieses vibrierenden Durcheinanders immer wieder Momente aufleuchten, die wie ein goldener Faden durch unser Leben ziehen, Hinweise, Entscheidungen, Erkenntnisse, die das Chaos nicht negieren, sondern ihm Bedeutung verleihen.

So wird „Im Räderwerk“ zu einer visuellen Metapher für die tiefen, unsichtbaren Zusammenhänge unseres Daseins: ein Bild, das uns einlädt, im eigenen Getriebe nicht nur das Mechanische, sondern das Lebendige, Bewegende und Schöpferische zu erkennen.

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