Schlagwortarchiv: Frühstück

Kalenderblatt
9. August

Honigbrot zum Frühstück

Das Kalenderblatt zum 9. August
“Honigbrot zum Frühstück”

“Bread with honey for breakfast”
“Pan con miel para desayuno”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es sind nicht die Dinge selbst, die dieses Bild erzählt. Es ist ihr inneres Leuchten.

Der Titel mag schlicht erscheinen. Ein Honigbrot. Ein Frühstück. Und doch öffnet sich vor dem Auge keine häusliche Szene, sondern ein Feuer aus Erinnerung und Empfindung. Das Gold ist hier nicht Dekoration. Es ist Licht, Wärme und Leben zugleich. Es fließt durch das Dunkel wie ein kostbarer Saft und entzündet die Fläche von innen.

Die tiefen Blau- und Schwarztöne geben diesem Licht erst seine Kraft. Ohne das Dunkel gäbe es keinen Morgen. Ohne Schatten könnte das Gold nicht singen. Gerade in diesem Gegensatz liegt die eigentliche Spannung des Werkes.

Die Oberfläche lebt. Acrylpaste, Farbauftrag und Relief bilden keine bloße Struktur. Sie tragen die Bewegung des Malens in sich. Jeder Kratzer, jede Verdichtung, jede aufbrechende Schicht wirkt wie eine Spur gelebter Zeit.

Zwischen den Farbfeldern stehen die goldenen Rechtecke wie kleine Erinnerungsstücke. Sie erinnern an Brotscheiben, an Fenster, an geöffnete Türen oder an Fragmente einer Landschaft. Das Bild entscheidet sich nicht für eine einzige Wirklichkeit. Es lässt viele Möglichkeiten nebeneinander bestehen.

Mich berührt besonders, dass dieses Werk nicht illustriert. Es erweckt Empfindungen, lange bevor der Verstand beginnt, nach Erklärungen zu suchen. Man meint den Duft des Morgens zu kennen, obwohl nirgends ein Tisch, kein Brot und kein Honigtopf zu sehen sind. Gerade darin liegt die Freiheit der Malerei.

„Honigbrot zum Frühstück“ erzählt vom Reichtum des Einfachen. Es erinnert daran, dass selbst der kleinste alltägliche Augenblick von einer Schönheit erfüllt sein kann, die weit über das Sichtbare hinausgeht. Man muss nur bereit sein, ihr zu begegnen.

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Kalenderblatt
3. Mai

Himbeereis zum Frühstück

Das Kalenderblatt zum 3. Mai
„Himbeereis zum Frühstück“
„Raspberry ice for breakfast“
„Helado de frambuesas para el desayuno“

Acryl auf Acrylpapier ca 21 x 15 cm

„Himbeereis zum Frühstück“ ist in diesem Werk weit mehr als ein heiterer Titel mit nostalgischem Augenzwinkern. Mit der bewussten Anlehnung an den gleichnamigen Kultschlager von Hoffmann & Hoffmann aus dem Jahr 1977 öffnet sich ein kultureller Erinnerungsraum, der in Deutschland bis heute für hemmungslose Sommerlaune, sentimentale Verrücktheit und das charmante Überschreiten bürgerlicher Vernunftgrenzen steht. Der Song, damals der erste große Hit des Brüderduos und bis auf Platz 14 der deutschen Charts geklettert, lebt von jener bewusst absurden Geste, das Leben aus seinem geordneten Ablauf zu reißen und sich einem Zustand süßer Unvernunft hinzugeben.

Genau diese Haltung übersetzt das Bild in reine Malerei. Was sich dem Betrachter hier entgegenstellt, ist keine illustrative Schlagerromantik, sondern eine farblich verdichtete Form von Exzess. Die breite, glühende Zone aus Orange, Rot und tiefem Himbeerton liegt auf dem Bildträger wie eine aufgebrochene Schicht aus Hitze, Zucker, Erinnerung und Verlangen. Nichts an dieser Fläche ist kühl kalkuliert; sie scheint vielmehr aufzuwallen, zu schmelzen, sich auszubreiten wie ein Gefühl, das sich nicht länger disziplinieren lässt. Das Gemälde inszeniert die Lust am Unangemessenen. Denn Himbeereis zum Frühstück ist ja nicht nur eine Speise, sondern im kulturellen Gedächtnis längst eine Chiffre für den Moment, in dem man beschließt, sich für einen Tag nicht mehr an die Regeln des Erwachsenseins zu halten.

Bemerkenswert ist, dass kulturwissenschaftliche Analysen den Song selbst nicht als harmlosen Nonsens lesen, sondern als Symbol eines rauschhaften Ausnahmezustands: Das Frühstück mit Himbeereis steht dort für eine Form von verliebter, beinahe erotischer Grenzüberschreitung, für das Umkippen des Alltäglichen in einen Zustand emotionaler Enthemmung. Diese semantische Aufladung macht Ihren Bildtitel besonders wirkungsvoll, denn plötzlich beginnt die Farbmaterie anders zu sprechen: Das Himbeerrot erscheint nicht mehr bloß süß, sondern aufgeladen mit Begehren, mit Erinnerung an Hitze, mit der flüchtigen Intensität eines Sommers, der zu schnell vergeht.

Über dieser glutvollen Fläche liegt das dunkle, blaugrüne Band des oberen Bildrandes wie der Rest einer Nacht, wie ein letzter Streifen Vernunft, der sich noch gegen den Ansturm der Sinnlichkeit behaupten möchte. Doch die Komposition lässt keinen Zweifel, welche Kraft hier siegt: Das Warme drängt nach vorn, das Süße überrollt die Disziplin, das Spielerische setzt sich gegen das Kontrollierte durch. In dieser horizontalen Schichtung entsteht eine fast musikalische Dramaturgie, oben der tiefe Grundton des Noch-Geordneten, darunter das eruptive Crescendo eines Tages, der sich weigert, nüchtern zu beginnen.

Die Stärke dieses Werkes liegt deshalb in seiner doppelten Codierung. Einerseits evoziert es über den Titel sofort den Ohrwurm einer ganzen Generation; andererseits verweigert es jede banale Illustration und verwandelt diese populäre Referenz in ein existentielles Farbereignis. Der Schlager liefert den kollektiven Soundtrack des Ausbruchs, die Malerei aber liefert dessen körperliches Nachbild: das Schmelzen, das Fließen, das innere Überkochen. Hier wird aus einem bekannten Liedmotiv eine bildnerische Philosophie des Genusses.

So erscheint „Himbeereis zum Frühstück“ letztlich als hymnisches Bekenntnis zur schönen Unvernunft. Das Bild behauptet mit leuchtender Entschlossenheit, dass das Leben nicht immer mit Kaffee und Pflicht beginnen muss, sondern manchmal mit einer himbeerroten Entscheidung für Überschwang, Leichtsinn und Lust. Es ist die malerische Feier jenes seltenen Augenblicks, in dem der Mensch sich erlaubt, schon am Morgen ein wenig zu viel Leben zu wollen.

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