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Kalenderblatt
8. Oktober

SIE kehrt von Elba zurück

Kalenderblatt vom  08. Oktober

„SIE kehrt von Elba zurück“
„SHE returns from Elba“
„ELLA esta volviendo de Elba“

Acryl, Acrylpaste, Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Etwas hat sich gelöst.

Aus dem dichten Geflecht von Rot, Schwarz, Blau und erdigen Tönen drängt eine dunkle Bewegung nach oben. Sie könnte Körper sein, Schatten, Flügel oder nur die Spur einer Bewegung. Über ihr schwebt ein gelbes Rund, schwer und leuchtend zugleich. Sonne vielleicht. Oder ein Zeichen.

SIE kehrt von Elba zurück.

Doch wir erfahren nicht, wer sie ist. Auch nicht, weshalb sie fort war oder wohin sie zurückkehrt. Elba bezeichnet einen Ort, aber im Bild beginnt dieser Ort seine geografische Eindeutigkeit zu verlieren. Er wird zu Entfernung, Rückzug, vielleicht zu einem inneren Exil.

Die Malerei erzählt diese Rückkehr nicht. Sie vollzieht sie.

Acryl, Paste und Quarzsand bilden eine widerständige Oberfläche. Farben überlagern sich, werden aufgerissen und wieder zugedeckt. Das Schwarz schneidet durch die leuchtenden Felder, während Gelb, Orange und Rot dagegenhalten. Nichts daran wirkt stillgestellt. Das Bild scheint noch in Bewegung zu sein.

Besonders das gelbe Rund verändert die Komposition. Es ist kein freundliches Licht am Horizont. Es besitzt Gewicht. Fast scheint die dunkle Form darunter dieses Licht zu tragen, sich ihm entgegenzustemmen oder aus ihm hervorzukommen.

Vielleicht besteht darin die eigentliche Rückkehr.

Nicht darin, an einen früheren Ort zurückzukehren, sondern anders aus ihm hervorzugehen, als man ihn betreten hat.

Elba liegt hinter ihr.

Das Licht noch nicht.

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Kalenderblatt
2. September

Ferragosto Elba

Das Kalenderblatt zum 2. September

“Ferragosto Elba”

Graphit auf Zeichenpapier ca 15 x 21 cm
          

Es ist Ferragosto auf Elba.

Ein Tag, der eigentlich nach Hitze, Stimmen, Strandbetrieb und sommerlicher Geschäftigkeit klingt. Doch davon ist in dieser Zeichnung kaum etwas zu sehen.

Der Blick geht von La Conca bei Sant’Andrea hinaus über das Meer. Kleine Boote liegen auf dem Wasser. Einige erscheinen nur als wenige Striche: ein Rumpf, ein Mast, eine Andeutung von Segel oder Takelage. Menschen sind nicht zu erkennen.

Das Meer gehört für einen Augenblick niemandem.

Die Zeichnung lebt von ihren horizontalen Bewegungen. Mit weichen Graphitspuren legt sich eine Schicht über die andere. Wasserflächen entstehen, lösen sich wieder auf und gehen ineinander über. Das Meer wird nicht exakt beschrieben. Es bleibt beweglich, beinahe flüchtig.

Dagegen setzen die Boote kleine vertikale Zeichen.

Ihre Masten unterbrechen die weite Horizontalität und geben dem Auge einzelne Haltepunkte. Keines der Boote beherrscht die Szene. Sie sind verteilt, voneinander getrennt und doch durch dieselbe Wasserfläche miteinander verbunden.

Am Horizont verändert sich die Zeichnung.

Dort verdichten sich die Graphitspuren zu großen, körperhaften Wolkenformationen. Sie liegen ungewöhnlich tief über dem Meer und bilden eine fast geschlossene Folge dunkler Volumen.

Das Leichte des Wassers trifft auf die Schwere des Himmels.

Dabei bleibt unklar, was diese Wolken ankündigen.

Ein Wetterwechsel?

Ein Gewitter über dem Meer?

Oder nur jene mächtigen sommerlichen Wolken, die entstehen, sich verwandeln und irgendwann wieder verschwinden?

Gerade diese Unsicherheit verhindert, dass die Zeichnung zu einer bloßen Urlaubserinnerung wird.

Denn „Ferragosto Elba“ erzählt erstaunlich wenig.

Kein Mensch steht im Vordergrund. Kein Segelboot fährt dramatisch hinaus. Keine Welle bricht. Nichts Spektakuläres geschieht.

Und vielleicht liegt genau darin ihre Stärke.

Der Titel bringt nämlich etwas in das Bild, das die Zeichnung selbst beinahe vollständig verschweigt: den Hochsommer.

Ferragosto, der 15. August, gehört in Italien zu den Höhepunkten des Sommers. Ferien, Ausflüge und volle Küstenorte prägen diese Zeit. Ausgerechnet dazu zeigt die Zeichnung einen beinahe menschenleeren Ausschnitt der Insel.

So entsteht ein leiser Widerspruch:

Der Sommer ist auf seinem Höhepunkt, aber das Bild wird still.

Vielleicht ist es jener kurze Moment, in dem man sich aus dem Geschehen herausnimmt und nur schaut.

Auf das Wasser.

Auf die Boote.

Auf die Wolken am Horizont.

Graphit eignet sich dafür besonders gut. Ohne die Verführung durch das intensive Blau des Mittelmeers, ohne das Grün der Vegetation und ohne das grelle Licht eines Augusttages bleibt nur eine Skala zwischen Weiß und Grau.

Elba wird nicht durch seine Farben erzählt, sondern durch Licht, Bewegung und Entfernung.

Und plötzlich bekommen die wenigen Boote eine merkwürdige Präsenz.

Man könnte anfangen, ihnen Geschichten zuzuschreiben. Man könnte sie zu Symbolen für Freiheit, Aufbruch oder Lebenswege erklären.

Aber vielleicht muss man das gar nicht.

Vielleicht sind es einfach Boote, die an einem Augusttag vor Elba auf dem Meer liegen.

Und vielleicht genügt das.

Denn manche Augenblicke gewinnen ihre Bedeutung nicht dadurch, dass etwas Außergewöhnliches geschieht.

Sie werden bedeutsam, weil wir lange genug hinschauen.

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