Schlagwortarchiv: Abend

Kalenderblatt
6. August

Der Morgen nach dem Abend

Das Kalenderblatt zum 6. August
“Der Morgen nach dem Abend”

“The morning after the evening”
“La mañana despues de la tarde”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Zwischen dem Vergehen und dem Werden öffnet sich ein Raum, den keine Uhr messen kann. „Der Morgen nach dem Abend“ erzählt von jenem stillen Augenblick, in dem das Vergangene bereits losgelassen wurde und das Neue noch nicht ganz Gestalt angenommen hat.

Ein kreisförmiges Zentrum, zugleich Sonne, Mond oder inneres Licht, durchdringt horizontale Schichten aus Ocker, Goldgelb, Rot und dunklem Grün. Die Farbbänder wirken wie Sedimente der Zeit, übereinander gelagert, von Erinnerungen durchzogen und von Erfahrungen gezeichnet. Nichts erscheint zufällig. Jede Schicht trägt die Spur dessen, was ihr vorausging.

Die mit Acrylpaste aufgebaute Oberfläche verleiht dem Bild eine beinahe archäologische Präsenz. Licht scheint nicht auf der Fläche zu liegen, sondern aus ihr hervorzutreten. Das Goldgelb bildet dabei keinen bloßen Hintergrund, sondern wird zu einem Raum der Möglichkeit, aus dem sich der Kreis langsam erhebt, als würde Bewusstsein aus der Tiefe aufsteigen.

Der Titel öffnet eine paradoxe Perspektive. Jeder Morgen entsteht aus einem Abend. Jeder Neubeginn trägt die Erinnerung an das Ende in sich. So wird das Bild zu einer Meditation über Wandlung, Reifung und den verborgenen Rhythmus des Lebens. Es erzählt nicht vom Gegensatz zwischen Licht und Dunkelheit, sondern von ihrer gegenseitigen Bedingtheit.

Dieses Werk lädt dazu ein, den Übergängen des eigenen Lebens zu vertrauen. Denn oft beginnt das Wesentliche nicht im grellen Aufbruch, sondern in jenem stillen Moment danach, wenn die Nacht ihren letzten Schatten loslässt und das Licht seinen ersten Atemzug nimmt.

Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
3. August

Samstag Abend, kurz vor der Sportschau

Das Kalenderblatt zum 3. August
“Samstag Abend, kurz vor der Sportschau”

“Saturday evening, shortly before the sport show”
Sábado tarde, brevemente antes de la Radiocadena Deportes
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Samstag Abend, kurz vor der Sportschau“: Dieser vielschichtige Bildtitel, ein augenzwinkerndes Zitat aus dem Film Das Leben des Brian, eröffnet einen ebenso ironischen wie tiefgründigen Resonanzraum. Was zunächst wie ein chaotisches Gefüge aus dunklen Texturen, kryptischen Zeichen und leuchtenden gelben Akzenten erscheint, entfaltet sich bei näherem Hinsehen als innere Landschaft zwischen kollektiver Konditionierung und individuellem Aufbruch.

Die dichte Struktur aus aufgetragenen Zeichenreihen, die an maschinell wiederholte Codes oder alte Druckwalzen erinnert, erzeugt eine Atmosphäre der Reizüberflutung. Wie eine Matrix der Gewohnheit legt sie sich über den Bildgrund, Sinnbild jener Routinen, die das eigene Sein oft unbemerkt überformen. Doch mitten in dieser Codierung flammt etwas auf: gelbe Lichtspuren, energisch und lebendig, wie plötzliche Blitze des Bewusstseins. Sie durchbrechen das Dunkel und laden dazu ein, innezuhalten und nach innen zu lauschen.

Die eingebetteten Formen erscheinen wie Fragmente des Unbewussten, wie Erinnerungen oder Wesen, die sich jeder eindeutigen Deutung entziehen. Gerade darin liegt ihre Kraft. Sie weisen nicht auf etwas Äußeres, sondern auf einen inneren Wandlungsprozess hin.

So wird der „Samstagabend“ zu mehr als einer vertrauten Alltagsszene. Er verwandelt sich in einen Schwellenraum, einen Moment zwischen Gewohnheit und Wachheit, zwischen Unterhaltung und Selbstbegegnung. Vielleicht verbirgt sich im Verweis auf die Sportschau ein feiner, humorvoller Impuls: den inneren Sender einzuschalten, bevor das Außen wieder die Regie übernimmt.

Dieses Bild belehrt nicht. Es erinnert. Daran, dass der Weg zu sich selbst oft durch das scheinbar Banale führt und dass Erkenntnis manchmal genau dort beginnt, wo ein Lächeln den ersten Riss in der Routine entstehen lässt. 

Teile diesen Beitrag