Kalenderblatt
17. Dezember

Kalenderblatt zum 17. Dezember

Das Kalenderblatt zum 17. Dezember
„Aufgerichtete Erde im Widerstand des Morgens“
„Upright Earth in the Resistance of Morning“
„Tierra erguida en la resistencia de la mañana“

Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses Bild ist kein Landschaftsaquarell im klassischen Sinn, sondern ein innerer Zustand, der sich als Landschaft behauptet. Was wir sehen, ist nicht Natur als Abbild, sondern Natur als Widerstand, als aufgerichtete Kraft, als existenzielle Setzung. Die Erde erhebt sich hier nicht sanft, sie stemmt sich. Sie steht. Sie trägt. Und genau darin liegt ihre Dringlichkeit.

Im Zentrum verdichtet sich eine aufrechte, erdige Form, schwer, dunkel, beinahe archaisch. Sie wirkt wie ein Pfeiler, ein Widerlager gegen das Auseinanderdriften der Welt. Diese Erde ist kein Boden, sie ist ein Körper, belastet, gezeichnet, aber nicht gebrochen. Um sie herum flackert Bewegung: zerrissene Linien, scharf geführte Pinselzüge, Farbbahnen, die nicht beruhigen, sondern drängen. Der Raum ist instabil, als würde er sich im selben Moment auflösen, in dem er entsteht.

Das Licht – gelb, aufreißend, unruhig – ist kein freundlicher Morgen. Es ist ein Licht, das prüft. Es legt offen, es konfrontiert, es zwingt zur Stellungnahme. Der Morgen erscheint hier nicht als Neubeginn, sondern als Herausforderung. Widerstand des Morgens bedeutet: Jeder Tag verlangt Haltung. Jede Helligkeit fordert Antwort.

Typisch expressionistisch wird die äußere Welt zur Projektionsfläche des Inneren. Die Farben sprechen lauter als Formen, die Gestik ist unmittelbarer als jede erzählerische Absicht. Nichts ist dekorativ, nichts zufällig. Selbst das scheinbar Flüchtige trägt Gewicht. Dieses Bild will nicht gefallen, es will wahr sein.

In seiner Spannung zwischen Licht und Last, Bewegung und Standhaftigkeit formuliert das Werk eine klare Aussage: Existenz ist Aufrichtung unter Druck. Die Erde bleibt, nicht weil sie unberührt ist, sondern weil sie Widerstand leistet. Genau darin liegt ihre Würde  und ihre stille Kraft.

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Kalenderblatt
16. Dezember

Putschas am Meer, teilweise formalisiert

Kalenderblatt vom 16. Dezember
„Putschas am Meer, teilweise formalisiert“
„Partially formalized Putschas at the seaside“
„Putschas en parte formalizadas al mar“

Acryl, Acrylpaste, Glitter, Asche von Räucherwerk auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

Dieses Bild ist kein Blick aufs Meer,  es ist eine Begegnung mit einer inneren Küstenlinie.
„Putschas am Meer, teilweise formalisiert“ entfaltet sich als kraftvolle Verdichtung von Elementen, Erinnerungen und bewusster Setzung. Hier wird Landschaft nicht abgebildet, sondern erlebt. Das Meer liegt nicht vor uns, es arbeitet unter der Oberfläche, dunkel, schwer, strukturiert, voller Bewegung. Die tiefblaue Zone trägt das Gewicht des Unberechenbaren, des Ursprünglichen, des Archaischen. Sie ist Tiefe, Widerstand und Energie zugleich.

Darüber öffnet sich ein Raum aus Gelb und Ocker, der weniger Himmel als Lichtzustand ist. Diese Schicht leuchtet nicht sanft, sie glüht. Sie erzählt von Hitze, von Reife, von innerer Aufladung. Erde, Sonne und Atem verschmelzen zu einer Atmosphäre, die den Moment kurz vor einer Entscheidung spürbar macht. Links schiebt sich ein erdiger Braunton ins Bild, wie Erinnerung, wie Herkunft, wie das Wissen um das Gewesene.

Und dann: der rote Keil.
Er ist kein dekoratives Detail, sondern ein Akt. Eine bewusste Setzung inmitten des Organischen. Ein Zeichen von Richtung, Wille und Klarheit. Er schneidet nicht zerstörerisch durch das Bild, sondern markiert einen Punkt innerer Ausrichtung. Hier beginnt Haltung. Hier wird Präsenz sichtbar.

Die Materialität verstärkt diese Aussage radikal. Acrylpaste schafft Widerstand, Struktur, Körper. Glitter lässt Licht aufblitzen,  flüchtige Erkenntnisse, kurze Wahrheiten. Die Asche von Räucherwerk trägt eine leise, aber tiefgreifende Dimension in sich: Transformation, Vergänglichkeit, Ritual. Was hier sichtbar ist, hat bereits einen inneren Prozess durchlaufen. Nichts ist zufällig, nichts ist unbeteiligt.

„Teilweise formalisiert“ bedeutet in diesem Werk: Das Wilde darf bleiben. Die Natur, das Meer, die Emotionen werden nicht gezähmt, sondern punktuell gebündelt. Ordnung erscheint nicht als Kontrolle, sondern als bewusster Eingriff,  gerade so viel, dass Orientierung möglich wird.

Dieses Bild wirkt wie ein innerer Küstenabschnitt, an dem sich Entscheidung, Erinnerung und Bewegung begegnen. Es ist roh und präzise zugleich. Ein Werk für Menschen, die nicht nach Antworten suchen, sondern nach Resonanz.

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