Kalenderblatt
20. Juli

Kalenderblatt 20. Juli

Das Kalenderblatt zum 20. Juli
„Der Horizont verweigert die Waagerechte“
„The Horizon Refuses the Horizontal“
„El horizonte se niega a la horizontalidad“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Das Bild ist eine Revolte. Die schräge schwarze Fläche widersetzt sich jeder Erwartung, die der Mensch seit Jahrhunderten an seine Welt stellt. Horizonte sollen beruhigen. Sie sollen Ordnung versprechen. Sie sollen die Illusion nähren, dass Himmel und Erde sich irgendwo friedlich begegnen. Dieses Bild erklärt diese Gewissheit für beendet. Der Horizont erhebt Einspruch gegen die Geometrie der Vernunft. Er kippt, gleitet und entzieht sich jeder Vermessung. Gerade dort beginnt Freiheit.

Die gelbe Scheibe ist keine Sonne. Sie ist ein Gedanke, der sich entschlossen hat, sichtbar zu werden. Sie leuchtet nicht, weil sie Licht besitzt. Sie leuchtet, weil sie den Mut hat, anders zu sein als die Dunkelheit, die sie umgibt. Während die schwarze Masse schwer und unbeweglich erscheint, schwebt dieses Gelb mit einer Gelassenheit, die fast provokativ wirkt. Es kämpft nicht gegen die Finsternis. Es ignoriert sie. Und gerade dadurch verändert es das gesamte Bild.

Die violetten und bläulichen Farbräume dazwischen sind kein Himmel. Sie sind Übergangszonen des Bewusstseins, Orte, an denen alte Denkformen ihre Schwerkraft verlieren. Hier entstehen keine Antworten. Hier entstehen neue Fragen. Wer versucht, dieses Bild zu erklären, wird scheitern. Wer sich von ihm verändern lässt, beginnt zu sehen, dass Wirklichkeit niemals so gerade war, wie sie in Schulbüchern gezeichnet wurde.

Avantgarde entsteht immer dort, wo Wahrnehmung ihre Gewohnheiten verliert. Dieses Bild verlangt nicht nach Zustimmung. Es fordert Unsicherheit. Es lädt den Betrachter ein, den inneren Kompass abzulegen und sich einer Welt auszusetzen, in der Richtung keine feste Größe mehr ist. Die schräge Linie wird zur Einladung, den eigenen Standpunkt zu verlassen. Nicht das Bild ist aus dem Gleichgewicht geraten. Vielleicht war das Gleichgewicht selbst nur eine Erfindung.

So erzählt „Der Horizont verweigert die Waagerechte“ von einem Universum, das sich nicht länger nach den Erwartungen seiner Beobachter richtet. Es erinnert daran, dass jede große Veränderung mit einem kleinen Kippen beginnt. Dort, wo die Ordnung endet, beginnt die schöpferische Möglichkeit. Vielleicht ist genau das die eigentliche Aufgabe der Kunst: nicht die Welt abzubilden, sondern den Moment sichtbar zu machen, in dem sie beschließt, eine andere zu werden.

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Kalenderblatt
19. Juli

Im hermetischen Fluss der Zeit

Das Kalenderblatt zum 19. Juli
„Im hermetischen Fluss der Zeit“
„In the hermetic flow of time“
„En el flujo hermético del tiempo“

Aquarell, Folie und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Im hermetischen Fluss der Zeit“ ist ein Bild, das den Betrachter nicht zu einer äußeren Landschaft führt, sondern in eine geistige Topographie. Es spricht nicht von der sichtbaren Welt, sondern von jener Wirklichkeit, die hinter den Erscheinungen lebt. Gerade darin liegt seine eigentliche Kraft. Die Formen sind einfach, doch sie tragen einen Inhalt, der weit über ihre äußere Gestalt hinausweist.

Die drei Pyramiden erscheinen nicht als Bauwerke vergangener Kulturen, sondern als Symbole der dreifachen Entwicklung des Menschen. Sie erinnern an die drei Wesensglieder, die sich im Verlauf der Evolution entfalten: Denken, Fühlen und Wollen. Jede besitzt ihre eigene Farbigkeit und ihren eigenen Charakter. Keine gleicht der anderen, denn der Mensch entwickelt diese Kräfte niemals gleichzeitig. Sie reifen in unterschiedlichen Rhythmen und treten doch gemeinsam in Erscheinung.

Der goldene Kreis, dessen Oberfläche von rhythmischen Wellen durchzogen wird, ist weit mehr als eine Sonne. Er erinnert an das geistige Urlicht, das hinter allen sichtbaren Sonnen wirkt. Gold verweist nicht auf materiellen Reichtum, sondern auf jene Sonnenkraft des Geistes, aus der Erkenntnis erwächst. Die wellenförmigen Strukturen lassen erkennen, dass selbst das Ewige nicht starr ist. Das Geistige offenbart sich in Rhythmen, in Schwingungen und lebendigen Gesetzmäßigkeiten. Alles Wirkliche atmet.

Das violette Firmament bildet den Raum, in dem sich diese geistigen Vorgänge vollziehen. Violett ist die Farbe der Verwandlung, der Schwelle zwischen Sinneswelt und übersinnlicher Erfahrung. Hier begegnet der Mensch jener Grenze, an der das gewöhnliche Bewusstsein beginnt, sich für höhere Wahrnehmung zu öffnen. Die kleinen Lichtpunkte wirken wie ferne Sterne, doch sie können ebenso als Keime zukünftiger Erkenntnisse verstanden werden, die bereits im Äther des Bewusstseins vorhanden sind.

Der blaue Fluss im Vordergrund trägt den Titel des Werkes in sich. Zeit erscheint hier nicht als mechanisches Fortschreiten von Sekunden, sondern als lebendiger Strom des Werdens. Im hermetischen Verständnis fließt die Zeit nicht nur nach vorne. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durchdringen einander. Was einst war, wirkt weiterhin schöpferisch in der Gegenwart, und jede gegenwärtige Handlung gestaltet bereits die Zukunft. Der Fluss trennt nicht. Er verbindet die verschiedenen Ebenen des Daseins.

Gerade hierin offenbart sich das hermetische Prinzip: Wie oben, so unten. Wie innen, so außen. Die Pyramiden erheben sich aus demselben Strom, der sie zugleich spiegelt und trägt. Das Geistige und das Irdische sind keine Gegensätze, sondern Ausdruck derselben schöpferischen Wirklichkeit. Wer nur die Oberfläche betrachtet, sieht Landschaft. Wer innerlich zu schauen beginnt, erkennt Entwicklungsstufen des Bewusstseins.

Die Verwendung von Aquarell, Acrylpaste und metallischer Folie verstärkt diesen Gedanken. Das transparente Aquarell steht für das Fließende und Wandelbare des Lebens. Die reliefartige Acrylpaste gibt dem Unsichtbaren Körperlichkeit, als wolle sie zeigen, dass Geist stets danach strebt, Form anzunehmen. Das Gold der Folie bricht das Licht und verändert sich mit jedem Blickwinkel. Dadurch wird sichtbar, dass geistige Wahrheit niemals endgültig festgehalten werden kann. Sie offenbart sich immer neu, abhängig von der inneren Haltung des Betrachters.

So wird dieses Werk zu einer Meditation über den Entwicklungsweg des Menschen. Es lädt nicht dazu ein, Antworten zu finden, sondern das eigene Bewusstsein zu vertiefen. Der hermetische Fluss der Zeit ist letztlich der Strom der menschlichen Evolution selbst. Jeder Mensch steht an seinem Ufer, durchschreitet seine Strömungen und trägt zugleich die Möglichkeit in sich, eines Tages zu erkennen, dass Zeit nicht nur vergeht, sondern Bewusstsein hervorbringt. In diesem Sinne wird das Bild zu einer stillen Erinnerung daran, dass jede äußere Landschaft immer zugleich eine Landschaft der Seele und des Geistes ist.

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