Kalenderblatt
6. August

Kalenderblatt 6. August

Das Kalenderblatt zum 6. August
„Entgrenzung – Jenseits des Sehens“

„Dissolution – Beyond Seeing“
„Disolución – Más allá de la visión“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Ein Augenblick zwischen Dunkelheit und Licht. Zwischen Form und Auflösung.

Sanfte Farbübergänge und weite Bildräume erzählen von einem inneren Prozess: vom Loslassen aller Begrenzungen und vom Hinauswachsen über das Sichtbare.

Es öffnet sich ein Raum, der nicht mit den Augen erfasst wird, sondern mit einem tieferen Gewahrsein.

Was bleibt, ist eine stille Ahnung.

Eine Einladung, die Schwelle zu überschreiten. Nicht mit dem Blick, sondern mit dem inneren Spüren.

Die Farben verlieren ihre Schwere. Die Linien lösen ihre Richtung auf.

Gerade darin beginnt eine andere Art des Sehens.

Ein Schauen, das nichts festhalten will, sondern empfängt. Ein Blick in eine Weite, die jenseits aller Formen liegt.

Mit dieser Entgrenzung beginnt ein innerer Weg. Ein behutsames Loslassen dessen, was sicher schien. Ein Ankommen in jenem stillen Zustand des Seins, in dem Trennung sich in Einheit, Weite und Gegenwärtigkeit verwandelt.

Dieses Bild möchte nicht erklärt werden.

Es lädt dazu ein, zu lauschen statt zu analysieren, zu erinnern statt zu erkennen.

Es ist kein Ziel.

Es ist ein Tor.

Ein stiller Atemzug auf dem Weg nach innen.

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Kalenderblatt
5. August

SchöpfungsPause

Das Kalenderblatt zum 5. August
“SchöpfungsPause”

“Creation Break”
“La interrupción de la creación“
Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„SchöpfungsPause“ verdichtet den Gedanken eines Innehaltens im schöpferischen Prozess. Das Werk bewegt sich zwischen Bewegung und Stille, Materie und Geist, kosmischer Weite und innerer Sammlung. Der Titel verweist auf einen seltenen Moment: jenen Augenblick, in dem Schöpfung nicht endet, sondern innehält, um sich neu auszurichten.

Bildaufbau

Die Komposition wird von einer klaren geometrischen Ordnung getragen. Eine auf die Spitze gestellte Raute bildet das Fundament der Bildstruktur. In ihrem Zentrum entfaltet sich ein vielschichtiger Kreis, dessen leuchtende Schichten an Sonne, Planet, Auge oder Ursprung erinnern.

Die Verbindung von Quadrat und Kreis gehört zu den ältesten archetypischen Bildformen der Menschheit. Sie vereint das Irdische mit dem Kosmischen, das Begrenzte mit dem Unendlichen und verleiht dem Bild eine stille, zeitlose Präsenz.

Die beiden seitlich ausgreifenden Linien öffnen die Komposition nach außen. Sie wirken wie Schwingen, Spannseile oder Lichtachsen, die das Zentrum mit dem umgebenden Raum verbinden und den Eindruck einer schwebenden Balance entstehen lassen.

Farbe und Material

Die reduzierte Farbpalette entfaltet eine überraschende Intensität. Das leuchtende Gelb steht für Licht, Energie und schöpferische Kraft. Darüber legen sich dunkle vertikale Strukturen, die wie Regen, herabströmende Energie oder Spuren gelebter Zeit erscheinen.

Der pastose Auftrag der Acrylpaste verleiht besonders dem Kreis eine starke körperliche Präsenz. Glitter setzt feine Lichtpunkte, die sich mit jeder Veränderung des Blickwinkels wandeln. Dadurch scheint das Zentrum nicht statisch zu sein, sondern aus sich selbst heraus zu leuchten.

Interpretation

Das Bild erinnert an ein Mandala, ohne sich auf eine bestimmte Tradition festzulegen. Es entfaltet seine Wirkung nicht durch erzählerische Elemente, sondern durch das Spannungsverhältnis seiner Formen und Materialien.

Die Schöpfungspause erscheint hier nicht als Stillstand, sondern als notwendiger Übergang. Jeder schöpferische Prozess kennt Momente, in denen nichts Sichtbares geschieht und doch alles Wesentliche vorbereitet wird. Das Bild macht genau diesen Zwischenraum erfahrbar.

Es könnte gelesen werden als

  • ein Altar des inneren Schweigens,
  • ein Tor zwischen Werden und Sein,
  • oder als verdichtete Energie unmittelbar vor einem neuen Anfang.

Fazit

„SchöpfungsPause“ verbindet archaische Symbolik, geometrische Klarheit und expressive Materialität zu einem Werk von großer Ruhe und innerer Spannung. Die Komposition lädt nicht dazu ein, eine eindeutige Bedeutung zu entschlüsseln. Sie eröffnet vielmehr einen Erfahrungsraum, in dem Betrachtende ihre eigenen Bilder von Ursprung, Wandlung und schöpferischer Kraft entdecken können.

Gerade in dieser Offenheit liegt die Stärke des Werkes: Es beantwortet keine Fragen, sondern schafft einen Ort, an dem sie für einen Moment still werden dürfen.


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